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«Mash-ups für Professoren»

Pflichtlektüre für alle Bewohnerinnen und Bewohner von Academia!

Wikipedia aufgemotzt

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Dass Wikipedia als Quelle für wissenschaftliche Arbeiten nicht taugt, scheint mir weitgehend unbestritten und im Grunde genommen hat die Frage, ob man nun aus Wikipedia zitieren darf oder nicht, auch nur einen ziemlich beschränktem intellektuellen Nährwert. Wer das Bedrüfnis verspürt, in seiner wissenschaftlichen Arbeit Wikipedia als (Haupt-)Quelle zu nutzen, ist vermutlich an einer Universität sowieso nur suboptimal gut aufgehoben. Das heisst aber nicht, dass man Wikipedia nicht wissenschaftlich nutzen kann – und soll. Die Transparenz und die Komplexität des Redaktionssystems, mit dem Wikipedia erstellt wird, eignet sich nämlich ausgezeichnet, um zum Beispiel diskursive Konjunkturen und semantische Netzwerke zu analysieren. Spannend wird dies, wenn man für diese Arbeiten auf entsprechende Tools zurückgreifen kann. Sehr praktisch ist zum Beispiel Wikipedia Page History Statistics, das hilft, die Bearbeitungsverläufe einzelner Wikipedia-Seiten zu analysieren. Hübsch ist auch das Tool Wikimindmap, das den Kontext einzelner Begriffe visuell darstellt. Wir sammeln weitere hilfreiche Instrumente auf unserer Wiki-Seite, das für Ergänzungen und Kommentare offen steht.

Geschichte digital

Wieder einmal gilt es, eine neue Publikationen zur Situation und Befindlichkeit der Geschichtswissenschaften im digitalen Zeitalter anzuzeigen:

Hering, Rainer / Sarnowsky, Jürgen / Schäfer, Christoph / Schäfer, Udo (Hrsg.): Forschung in der digitalen Welt. Sicherung, Erschließung und Aufbereitung von Wissensbeständen, Hamburg 2006 (= Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg; 20).

Das rund 200 Seiten umfassende Buch gibt es auch komplett als digitale Edition zum kostenlos herunterladen und die Texte repräsentieren einen spannenden Mix von essayistischen Beobachtungen und konkreter Quellenarbeit. Ausführlichere Leseeindrücke folgen in Bälde!

Aus der Welt der Wikis: Die vielen Einzelnen und das eine Kollektiv in Wikipedia

Internet-Autorität (wobei, was heisst das schon?) Jaron Lanier (Bio bei Wikipedia/Stanford University/Laniers Website) rechnet in seinem Essay „Digital Maoism“ ab mit dem Hype um den HiveMind, die Schwarmintelligenz, die ich hier (als “kollektive Intelligenz”) und hier (als “Weisheit der Vielen”) auch schon erwähnte und die immer wieder gerne zitiert wird im Zusammenhang mit allen möglichen Aspekten des „web 2.0“ und der Tätigkeiten der Internet-Communities.

Dabei plädiert Lanier für eine Kombination von kollektiver und individueller Intelligenz, die mit ihren jeweiligen Stärken ihre jeweiligen Schwächen auszugleichen vermögen. Genau genommen wehrt sich Lanier lediglich dagegen, der kollektiven Intelligenz eine alles lösende Macht zuzuschreiben und geisselt die Tendenz, mit dem Schlagwort von kollektiver Intelligenz Verantwortung zu vermeiden und den Wert des Individuums gering zu schätzen. Zugespitzt sieht er die Gefahr in der Vorstellung, das Internet selber werde durch die kollektive Intelligenz zu einem handelnden und denkenden Subjekt.

The beauty of the Internet is that it connects people. The value is in the other people. If we start to believe that the Internet itself is an entity that has something to say, we’re devaluing those people and making ourselves into idiots.

Nun führte es zu weit, den ur-amerikanischen Topos des „freien Individuums“ in seiner digitalen Ausprägung und sein Erscheinen in der Argumentation von Lanier genauer zu analysieren. Doch bleibt bei mir eine gewisse Skepsis bei seiner Kritik an der kollektiven Intelligenz bestehen, die ja nun wirklich nicht einfach “Die Intelligenz des Internets”, sondern durch das Zusammenwirken von Individuen entsteht.

Lanier wendet sich zwar nirgends explizit gegen Wikipedia, aber doch gegen die (seiner Ansicht nach) dahinter stehende Vorstellung davon, dass eine unpersönliche Gestalt namens “Kollektiv” eine Enzyklopädie bauen und irgendwie auch automatisch für seine Qualität bürgen werde. Stattdessen brauche es Individuen, welche die Qualität kontrollierten. Nun, was ist Wikipedia anderes als eine Ansammlung von Individuen, die jeweils ihre Interessen verfolgen und darüber kommunizieren? Und was machen die Nutzer und Administratoren (alles Individuen) anderes, als Qualität beständig zu überprüfen? Die Rolle der Einzelnen in der Wikipedia wurde bereits mehrfach (und zwar auch von Gründer Jimmy Wales selbst) skizziert: Dass sich nur wenige tausend Autoren, die sich mit dem Projekt identifizieren, mit einer Grosszahl an „Edits“ (Bearbeitungen von Texten) an der Entwicklung der Wikipedia beteiligten (Link muss ich noch nachliefern, zitiert wird Wales von Swartz im folgenden Link). Zugespitzt: einige wenige schreiben und entwickeln die Artikel, die grosse Masse korrigiert vereinzelte Kommafehler. Aaron Swartz hat neuerdings genau die umgekehrte These vertreten, die noch stärker die Paradoxie von Kollektiv und Individuum beleuchtet (Who writes Wikipedia? – Deutsche Übersetzung von Tim Bartels in Wikipedistik). Swartz vermutet (nach der Analyse einiger Artikel), dass Aussenseiter (oft anonyme Sachexperten) einen Sachverhalt einmal grundsätzlich schreiben, und diese dann in vielen Einzelschritten von der „Kerngruppe“ geordnet, geglättet und strukturiert wird. Der Blog “Social Software” erklärt das mit einem bekannten Modell: Autoren schreiben, Redaktoren überarbeiten. Ist das nun „Schwarmintelligenz“?

Letztlich geht es ja nicht um „Kollektiv“ und „Individuum“, sondern (meiner Ansicht nach) um Zufall gegen Planung und dann um Entscheidungs- und Gestaltungs-Macht. Wie die Debatte zwischen Exklusionisten und Inklusionisten zeigt, ist das Spannende (und zugleich Ärgerliche) an Wikipedia die Rolle des Zufalls bei der Auswahl und Gestaltung der Artikel. Die Exklusionisten wollen alle “seichten” Einträge, die nicht in ein richtiges, akzeptiertes Lexikon mit kanonisiertem, wissenschaftlichen Wissen gehören, aus Wikipedia streichen. Aber zuweilen gehören gerade die Artikel über die so genannten Trivia zu den besseren (weil persönlicheren); zum anderen machen gerade diese Artikel den interessante Mix von Wikipedia aus. Es gibt keinen „Masterplan“, der top-down die Wissensinhalte strukturiert, sondern die Inhalte entstehen bottom-up und chaotisch – wie das Internet als Ganzes ja auch. Und wie ich das verstehe, ist gerade das chaotische Entstehen eines

Deshalb gibt es in Wikipedia die Möglichkeit, aufgrund eines Masterplans Inhalte oder Autor/innen ein- oder auszuschliessen. Es gibt Regeln dafür, aber vor allem beständige Aushandlungsprozesse, die auf flexible Kriterien hindeuten; bis hin zum Risiko der Willkür. Aber ist das Kollektivismus? Vielleicht verstehe ich auch Laniers Vorwurf nicht ganz (oder das Prinzip der Schwarmintelligenz oder beides). Jedenfalls diskutieren in den einzelnen Artikeln und zu den jeweiligen Fragen zur Gestaltung der Wikipedia sehr konkrete einzelne Individuen. (Allerdings – dies ist Stärke und Schwäche zugleich – können diese auch anonym bleiben). Problematisch wird dies dort, wo statt Konsens verkappte Mehrheitsentscheide “durchgedrückt” werden – also derjenige oder diejenige Recht behält, der oder die den längeren Atem hat.

Kollektivistisch (um wieder auf diese Frage zurückzukommen) im Sinne der Schwarmintelligenz ist nach meiner Einschätzung die Annahme, dass früher oder später die Enzyklopädie als Ganzes durch wundersame Selbstheilkräfte von selbst auf ein akzeptables Niveau gelangen kann. Dies halte ich anders als Lanier nicht für naiv oder gefährlich, sondern einfach für wenig wahrscheinlich. Ich vermute, diese kollektive Intelligenz wird nicht spielen: Die Unterschiede werden bleiben (wenngleich vielleicht nicht so ausgeprägt) und sie sind stark von der zufälligen Konstellation abhängig, ob sich sachkompetente Individuen zusammenfinden, die ein Thema behandeln, das sich gut für enzyklopädische Abhandlung eignet, und sich auf einen Konsens bei der Darstellung des Themas einigen können. Gute Artikel leben vom Engagement von Menschen, die sich um diese guten Artikel kümmern – genauso lebt die Wikipedia vom Engagement einer Gruppe von Menschen, die sich (aus welchen Gründen auch immer) für diese Projekt einsetzen (siehe Aaron Swartz: Who runs Wikipedia? Ich habe mir die Frage auch schon gestellt, aber nicht so gut beantwortet.)

Und bei diesen Diskussionen geht es – natürlich – auch um Entscheidungsmacht. Diese ist bei Wikipedia (wie oft in solchen Community-basierten Projekten des web 2.0) nicht abgeleitet aus einer hierarchischen, auf (angenommener, oft auch behaupteter) Sachkompetenz beruhender Struktur (Abteilungs-, Forschungsleiter, Herausgeber, Lektor), sondern eher auf einer auf Engagement und Tätigkeitsausweis beruhender Meritokratie. Aber Konflikte wie jene von Bertrand Meyer, der noch vor wenigen Monaten Wikipedia lobte, und nun verzweifelt das Handtuch wirft, weil er sich mit seiner Auffassung eines Sachverhalts in einem spezifischen Artikel der Wikipedia nicht durchsetzen kann, gibt es auch in „Offline“-Situationen. Menschen haben verschiedene Ansichten, sie streiten darüber, am Schluss können sich gewisse Personen mit ihren Ansichten durchsetzen und – nein, auch in der Wissenschaft sind es nicht immer die wissenschaftlichen Argumente, die ausschlaggebend sind. In der Wikipedia wird der Konflikt immerhing transparent gemacht – er ist nachzulesen, jeder Interessierte kann sich selbst über den Gang der Argumentation ins Bild setzen. Ob das zum Verständnis des Konflikts bereits ausreicht, ist noch einmal eine andere Frage; ebenso, wer den Prozess überhautp analysieren will.

Jedenfalls scheint mir bei der Debatte um die „wissenschaftliche Gültigkeit“ von Wikipedia das Ergebnis (also die Inhalte) zu Unrecht mehr Beachtung zu finden als der Prozess, durch den die Inhalte entstehen und sich verändern. Hat nicht Jimmy Wales das Wiki-Prinzip treffend zusammengefasst

“The basic thing I think makes it work is turning from a model of permissions to a model of accountability. It isn’t that you are allowed or not allowed to edit a certain thing; it’s when you do it, that change is recorded, and if it’s bad, people can see that.”

Mir scheint, es fehlt noch die Gewohnheit im Umgang mit einem System, in dem ein Modell der “accountability”, also der Verantwortlichkeit im Detail, angewendet wird.

Was mich mehr beschäftigt bei der “kollektiven Intelligenz” ist die Frage nach der “Aggregation” bereits vorhandenen Wissens, wie es Wikipedia als Community-basiertes Enzyklopädie-Projekt in Reinkultur darstellt: was wird eigentlich “neu” geschaffen? Und wer verdient mit dieser Aggregation sein Geld? Und was hat diese (neue?) “Kulturtechnik” der Aggregation für Auswirkungen auf das wissenschaftliche Arbeiten: hier ist ja das Zusammentragen des Forschungsstandes (=aggregieren) gang und gäbe. Zutreffend bemerkt Lanier:

Accuracy in a text is not enough. A desirable text is more than a collection of accurate references. It is also an expression of personality.

Das gilt bei historischen Texten besonders, auch Rosenzweig hat auf diesen Mangel bei den kollaborativ erstellten Texten der Wikipedia hingewiesen.

Literatur

Aus der Welt der Wikis: Wikipedia bittet darum, nicht zitiert zu werden

Der Begründer von Wikipedia, Jimmy Wales, hat (laut CNet) in einer Rede vor College-Studierenden darum gebeten, dass diese Wikipedia nicht mehr zitieren sollen. Er erhalte wöchentlich etwa zehn Mails von enttäuschten Studierenden, die darüber klagen, dass ihre Dozenten die Nachweise nicht akzeptiert hätten. Wales hält die Verwendung einer Enzyklopädie (auch einer gedruckten…) ohnehin nicht sonderlich geeignet für eine wissenschaftliche Referenz. Er erwägt sogar das Bereitstellen eines Fact-Sheets, das die Zielsetzung von Wikipedia erläutert (und seine beschränkte Tauglichkeit für wissenschaftliche Zwecke), das von den Dozenten an die Studierenden abgegeben werden könnte. Bis dahin gibt es zumindest eine Liste mit “Frequently Asked Questions” zur Nutzung von Wikipedia in Schulen (und auch Universitäten – leider noch nicht auf Deutsch).

Ob sich die Studierenden nun nicht mehr auf Wikipedia stützen oder dies einfach nicht mehr in ihren Arbeiten nachweisen, würde mich brennend interessieren!

Nachtrag: Ok, ich gestehe es ein, ich war nicht ganz auf der Höhe: Schon letztes Jahr (anlässlich der Seigenthaler-Kontroverse) meinte Jimmy Wales, Wikipedia (oder überhaupt Enzyklopädien) sollte nicht zitiert werden.

Übersicht: Aus der Welt der Wikis.

HOK: Lesen: Quellen: Urheberrecht (Grundlagen)

Ich habe mich freimütig zu meiner Unlust bekannt, mich mit Fragen des Urheberrechtes auseinander zu setzen, wiewohl ich ausdrücklich darauf hinweisen möchte, wie zentral diese Fragen im Zusammenhang mit Quellenkritik und wissenschaftlichem Arbeiten sind. Denn es geht nicht nur um Tauschbörsen für Songs und Filme, sondern auch um die Frage, inwiefern die Auslieferung digitaler Kopien durch Universitätsbibliotheken zu Zwecken der wissenschaftlichen Nutzung (bzw. das Bereitstellen von Arbeitsplätzen in Universitäten und Bibliotheken, die kostenlosen Zugriff auf elektronische Zeitschriften ermöglichen) weiterhin gestattet, bzw. geregelt sein soll .

Eine Übersicht zur Entwicklung des Urheberrechts im digitalen Zeitalter findet sich im Anschluss an diesen Artikel bei Heise, der die Geschichte des deutschen Urheberrechts (bzw. seiner Revision im Hinblick auf die Erfordernisse des digitalen Zeitalters) von 2003 bis Anfang 2006 zusammenfasst. Im Anschluss findet sich eine laufend aufdatierte Liste mit zahlreichen Links zu Meldungen, die Fragen des Urheberrechts betreffen. Darunter auch ein Hinweis auf die Rubrik “Copyright” bei Telepolis, die eher essayistische Artikel zu diesem Fragenkomplex umfasst.

In Frankreich herrscht derweil Ratlosigkeit, weil das oberste Verfassungsgericht eine sehr harte Linie beim Schutz von Urheberrechten fährt. Das behagt nicht einmal den Vertretern der Urheberrechts-Inhaber. Erstaunlich, wie unterschiedlich die Debatten selbst in Zeiten der globalisierten Digitalisierung in zwei benachbarten Ländern verlaufen können und zu welch unterschiedlichen Ergebnissen sie führen können.

Übersicht HOK Lesen: Quellen

HOK Lesen: Quellen: Automatisches Erkennen von gefälschten wissenschaftlichen Texten?

In Telepolis berichtet Florian Rötzer von Informatikern der Indiana University, die einen Inauthentic Paper Detector entwickelt haben. Sie behaupten, damit könnten sie computergenerierte Texte (wie er im Jahr 2005 an einer Tagung zur Begutachtung eingereicht und prompt angenommen wurde, obwohl er sinnlos, bzw. eben inauthentisch war) von Texten unterscheiden, die von Menschen geschrieben (oder gefälscht?) wurden. Offenbar (so die These der Informatiker) kommen in menschlichen Texten unterscheidbar andere Wortmustern vor als bei computergnerierten Texten. Florian Rötzer führt bei der Gelegenheit auch die Begriffe “authentische2 und “inauthentische Texte” ein, bzw. fragt nach der Möglichkeit, bzw. Schwierigkeit, je nach Situation “sinnvolle” von “sinnlosen” Texten zu unterscheiden.

Übersicht: HOK Lesen: Quellen

Aus der Welt der Blogs: Blogs in Geschichtswissenschaften

Heute morgen hat mich die Arbeit auf diesem Weblog an unerwarteter Stelle eingeholt: An der Tagung .hist06 an der Humboldt-Universität in Berlin, stellte Johannes Fournier im Rahmen seines Vortrags über Ergebnisse und Folgen der DFG-Studie “Publikationsstrategien im Wandel” den hodel.hist.net.blog als Beispiel für zukünftige Publikationsformen in den Geschichtswissenschaften, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die genaue Bestimmung der Rollen, die die verschiedenen Publikationsformen in der scientific community übernehmen sollen oder können, noch ausstehe.

Immerhin bestätigte er (mehr oder weniger explizit) meinen vorläufigen Stand der Recherchen, wonach es praktisch keinen geschichtswissenschaftlichen Blog deutscher Sprache gibt. Seit längerer Zeit aktiv ist der Blog Archivalia, der sich auch mit fachwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzt, und der englischsprachige Blog “ProjectHistory“.

So erfreulich eine Nennung auf einer Fachtagung ist. Die Pionierstellung bedeutet durchaus auch Risiko – für meine wissenschaftliche Karriere und für das Anliegen, neue Formen der ICT-gebundenen (“elektronischen”/Online-) Publikationen in den Geschichtswissenschaften zu etablieren. Denn dieser Blog geht ja eben nicht den Weg, wie das heute morgen ebenfalls vorgestellte Online-Journal “zeitenblicke“, die konservativen Erwartungen des geschichtswissenschaftlichen Publikums möglichst zu erfüllen, um Akzeptanz zu erlangen.

Übersicht: Aus der Welt der Blogs | HOK Schreiben

Aus der Welt der Wikis: Gute Ratschläge zum 5. Geburtstag von Wikipedia

Anlässlich des fünften Geburtstags von Wikipedia gibt Torsten Kleinz auf Telepolis der Internet-Enzyklopädie fünf Ratschläge für die Zukunft.

  1. Das Projekt muss personell und finanziell besser organisiert, bzw. besser ausgestattet werden, damit es nicht Opfer des eigenen Erfolgs wird.
  2. Die Lizenz, welche die Nutzung von Wikipedia-Inhalten regelt, gestattet zwar eine kostenlose Nutzung, ist aber kompliziert und zudem inkompatibel zur Common Creative License, hier brauche es eine Lösung.
  3. Wikipedia muss die zweischneidige Frage der Transparenz lösen. Bei den Artikel-Editionen sei Wikipedia zu transparent, weshalb viele Leute aus Angst vor Nachforschungen durch Arbeitgeber oder andere ihre Beiträge nur anonym eintragen; bei den Entscheidungsfindungen und der internen Organisation von Wikipedia hingegen zuwenig transparent, da die Entscheidungsfindungen schwer durchschaubar seien.
  4. Wikipedia müsse mehr Fachwissenschaftler für die Mitarbeit gewinnen. Dafür ist im Juni 2006 eigens eine Konferenz in Tübingen anberaumt worden.
  5. Wikipedia müsse aktiver werden, um die eigenen Ansprüche und Ziele in der Öffentlichkeit zu vertreten, die durch zahlreiche Meldungen zu Falscheinträgen (wie bei Bertrand Meyer oder John Seigenthaler) einen einseitigen Eindruck von Wikipedia erhalten habe. Dazu kommen noch Schwierigkeiten mit Zensurmassnahmen (etwa in China) oder einstweiligen Verfügungen (wie kürzlich im Fall “Tron”).

Im Wesentlichen laufen die Ratschläge auf eine Professionalisierung des Projekts hinaus, mit dem unausgesprochenen Anspruch, die Qualität der Enzyklopädie zu sichern. Ich fürchte jedoch, dass die Professionalisierung dem Projekt den Schwung nehmen wird, den es so auszeichnet. Eine Professionalisierung bedeutet mehr Geld, dies führt zu steigenden Erwartungen der Geldgeber und schliesslich zu direkten oder indirekten Ausschluss-Prozessen von Mitwirkenden. Ob Wikipedia dann noch funktionieren kann oder zur Episode wird (wie das Vorgänger-Projekt Nupedia), wird die Zukunft weisen.
Problematisch finde ich die (vom Aspekten des Datenschutzes her verständliche) Forderung nach weniger Transparenz. Gerade die Offenlegung der Entwicklung der Artikel durch verschiedene Versionen der jeweils Verantwortlichen trägt wesentlich zur Vertrauensbildung und Qualitätssicherung bei. Wenn nur Eingeweihte (Fachredaktoren) diese Versionen einsehen dürfen, dann bewegt sich Wikipedia in konventionelle Richtung der Wissens- und Orientierungsgenerierung auf dem Netz. Und da ist die Konkurrenz wohl besser.

Übersicht: Aus der Welt der Wikis

 

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