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«Am Anfang ist das Wort. Lexika in der Schweiz»

«Him Hanflang war das Wort» kalauerte Ernst Jandl einst, die Schweizerische Nationalbibliothek aber meint es ernst: «Am Anfang ist das Wort» heisst eine Ausstellung, die im November in Bern eröffnet werden wird und die der Frage nachgeht, wie ein Lexikon entsteht. Wer in der Schweiz könnte das besser wissen als die Leute vom Historischen Lexikon der Schweiz, die als Partner für die Ausstellung und für die zur Ausstellung geplante Publikation gewonnen werden konnten.

Die Ausstellung wird auch «die brisante Frage der Wissensvermittlung und -speicherung im digitalen Zeitalter», aufgreifen, wie der Pressetext der Nationalbibliothek verspricht. Eine «interaktive Raumprojektion» wird «auf spielerische Weise» sich dem Thema widmen. Wir sind gespannt.

Wikimedia Deutschland e.V. » Zedler-Medaille

Passend zu meiner demnächst beginnenden Wikipedistik-Lehrveranstaltung schreibt Wikimedia Deutschland gemeinsam mit der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur sowie der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft zum zweiten Mal die «Zedler-Medaille» aus:

In diesem Jahr ist der Preis zweigeteilt: erstmalig werden – neben Beiträgen aus dem Bereich der Geisteswissenschaften – auch solche aus den Naturwissenschaften ausgezeichnet. Die Zedler-Medaille ist der weltweit erste Preis, der für einen Lexikoneintrag vergeben wird.

Ziel der Ausschreibung ist es, einen Anreiz zur breitenwirksamen Aufbereitung wissenschaftlicher Themen zu geben und diese damit für ein breiteres Publikum sichtbar zu machen. Die Zedler-Medaille ist in beiden Kategorien mit jeweils 2.500 Euro dotiert und wird wie im Vorjahr von dem Heidelberger Verlag Spektrum der Wissenschaft gestiftet.

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury aus Wissenschaftlern der Mainzer Akademie, Mitgliedern der Autorenschaft der deutschsprachigen Wikipedia und Wissenschaftsjournalisten des Verlags Spektrum der Wissenschaft. Bei den Einreichungen kann es sich um neue Artikel zu einem bislang nicht in der deutschsprachigen Wikipedia enthaltenen Thema handeln oder um eine signifikante Verbesserung bestehender Einträge.

Etwas seltsam nur, dass Wikipedia auf dem Prinzip des gemeinsamen Schreiben («collaborative writing») basiert, während mit der Zedler-Medaille ein einzelner Autor resp. eine einzelne Autorin ausgezeichnet werden soll …

Kurs in Wikipedistik an der Uni Basel

«Die Wikipedistik ist die Anlaufstelle für alle, die sich wissenschaftlich mit der Wikipedia beschäftigen.» So steht es in der Wikipedia unter dem Eintrag «Wikipedistik» und so soll es auch in meiner Lehrveranstaltung im kommenden Herbstsemester an der Universität Basel sein.

Ich möchte dabei anknüpfen an die Erfahrungen, die ich zusammen mit Studierenden im Kurs «Schreiben für Wikipedia» im Sommersemester 2007 gemacht habe. Der Kurs soll eine Fortsetzung, Vertiefung, aber auch eine thematische Ausweitung sein. Was passiert eigentlich «in» der Wikipedia? Wer schreibt? Wie wird diskutiert? Welche Tools gibt es, um das Geschehen in der Wikipedia zu beobachten und zu analysieren? Und nicht zuletzt: Welche Erfahrungen haben andere mit der Wikipedia respektive mit der Wikipedistik gemacht?

Der Kurs wird (wieder) als Medienpraktischer Kurs am Institut für Medienwissenschaft der Universität Basel angeboten. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt (und der Kurs bereits überbucht), aber es wird, wie bereits Tradition, eine öffentliche Schlussveranstaltung geben. Diese ist geplant für Montag, den 8. Dezember 2008 zwischen 14 und ca. 18 Uhr; Ort und genaues Programm folgen noch. In diesem Workshop soll aus laufenden Projekten berichtet werden und ein Blick hinter die Kulissen von Wikipedia geworfen werden.

Millionensegen für Wikipedia

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Wie die Nachrichtenagentur AP meldet, erhält die Wikimedia-Stiftung, die hinter Wikipedia steht, drei Millionen Dollar für die nächsten drei Jahre von der amerikanischen Sloan Stiftung.

Mit dem Geld soll die finanzielle Unabhängigkeit von Wikipedia garantiert, aber auch der Inhalt der freien Enzyklopädie verbessert werden. Die Spende ist die grösste Zuwendung, die Wikimedia bisher erhalten hat. Das Jahresbudget der Wikimedia-Stiftung beträgt rund 4,6 Millionen Dollar, die vor allem für die Serverinstrastruktur und die Netz-Bandbreite benötigt werden. Die Autoren und Administratoren der Wikipedia arbeiten alle ehrenamtlich.

Die Alfred P. Sloan Foundation ist eine philanthropische Stiftung, die 1934 von Alfred P. Sloan jr. gegründet wurde, dem damaligen Präsidenten und Chief Executive Officer von General Motors.

Wir dürfen gespannt sein, wie sich dieser Geldsegen auf die Struktur und das Selbstverständnis der Wikipedianer auswirken wird. Auch wenn die jährliche Million keinen Riesensprung im Budget bedeutet, ist damit zu rechnen, dass diese Zuwendung weitere Spenden nach sich ziehen wird.

Zur Ideologie der Wikipedia-Bewegung gehört die Unabhängigkeit und die Ehrenamtlichkeit der Mitarbeiter. Wenn bei Wikipedia in Zukunft grössere Geldbeträge zirkulieren werden, so wird irgend jemand entscheiden müssen, wozu dieses Geld verwendet wird: Verbesserung der technischen Infrastruktur? Finanzierung von qualitätsverbessernden Massnahmen? Flankierende bildungspolitische Aktionen? Übersetzungen in Minderheitensprachen?

Auf jeden Fall, so viel lässt sich wohl schon heute sagen, wird sich der Charakter von Wikipedia in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach nachhaltig verändern.

Hochschullehre 2.0

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In einem halben Dutzend Lehrveranstaltungen an den Univeristäten Basel, Luzern und Zürich habe ich in den letzten Semestern mit Wiki-Systemen und Weblogs gearbeitet. In jeder Lehrveranstaltung variierte ich das Szenario, um Erfahrungen zu sammeln und die unterschiedlichen Nutzungspotentiale auszuloten.

Die (Zwischen-)Bilanz ist durchaus positiv: Die Möglichkeiten sind enorm, die Bereitschaft der Studierenden, auf diese neuen Tools einzusteigen (mit ganz wenigen Ausnahmen) auch. Die Ergebnisse sind alles in allem erfreulich, und zwar auch dann, wenn die Nutzung und der Einsatz nicht oder kaum reglementiert und besprochen werden.

Ich habe eine erste Beschreibung der verschiedenen Szenarien auf unserer Plattform hist.net zusammengestellt. Im Laufe des Sommers soll eine ausführlichere und auch didaktisch fundiertere Auswertung folgen. Anregungen und Hinweise zu ähnlichen Unterfangen werden gerne und dankend in den Kommentarzeilen entgegengenommen!

Für das kommende Herbstsemester sind übrigens in Basel ein Forschungsseminar zum Thema «Wikipedistik. Medienpraktische Forschungen im Web.2.0» geplant sowie ein reguläres und intensiv mit einem Weblog begleitetes Seminar mit dem Titel «Archiv, Speicher, Gedächtnis. Wissenschaftshistorische und medientheoretische Erkundungen».

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Ehrlich gesagt war ich schon ein wenig erstaunt über das mediale Interesse an meiner Lehrveranstaltung im letzten Semester am Institut für Medienwissenschaft der Universität Basel zum Thema «Schreiben für Wikipedia». Nach den beiden gestrigen Radioauftritten auf DRS1 und DRS2 durfte ich heute sogar in der Hauptausgabe der Tagesschau zwei Sätze sagen. Ja, klar, es hat mich gefreut, keine Frage. Auch die Reaktionen, die ich daraufhin erhielt, waren schön.

Ich hoffe nur, dass dieses Interesse auch ein wenig dazu beiträgt, dass an den Universitäten die Bereitschaft wächst, sich auf das Thema einzulassen. Kritisch. Lustvoll. Differenziert.

Insbesondere der letzte Punkt ist mir wichtig. Noch immer nehme ich die Debatten rund um Wikipedia als einen holzschnittartigen Glaubenskrieg wahr: Entweder wird Wikipedia als ein Werkzeug des Teufels und als das sichere Zeichen des nahenden Unterganges einer gebildeten Menschheit gelesen oder aber Wikipedia ist die Inkarnation der demokratischen und heilbringenden Wissensrevolution. Während die Wikipedianer zu Zweiterem neigen, schwingt in akademischen Kreisen nicht selten das erstere Bild mit. Beides ist natürlich Quatsch. Wikipedia ist ein Informations- und Kommunikatinsinstrument wie viele andere Instrumente auch und es ist nun an uns, dieses Instrument richtig zu nutzen. Mit richtig nutzen meine ich, dass man insbesondere die Funktionsweise und die Grenzen von Wikipedia kennt. Das sollte heute für (angehende) Geisteswissenschafterinnen und Geisteswissenschafter eine selbstverständliche Kompetenz sein.

Aus der Welt der Wikis: “Stabile Versionen” bei Wikipedia

Jimmy Wales kündigte es bei der Wikimania bereits an, und C-net spitzte es letzthin mit einem leicht ironischen Titel zu (“Can german engineering fix wikipedia?“): Bei der deutschen Wikipedia soll bald eine “Zwei-Klassen-Gesellschaft” für die Beiträger (und die Autor/innen) entstehen. Es gibt dann stabile (=geprüfte) Versionen, die nur von ausgewählten Personen noch veränder werden können, und “gesichtete”, also frei veränderbare Versionen. Was diese Unterteilung für Konsequenzen hat und wie die Einführung von statten gehen wird beschreibt eine gute Übersicht bei Wikipedistik, die auch mit verschiedenen falschen Vorstellungen und ungenauen Aussagen zu diesem neuen Ansatzes bei Wikipedia aufräumt.

Übersicht: Aus der Welt der Wikis

 

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