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Warum bei Wikipedia die Autoren wegbleiben – und was man dagegen tun könnte

Darüber berichtet Dirk Franke auf Iberty, einen Bericht von Eric Goldman referierend.

Zusammenfassed hält Goldman (laut Franke) fest:

  • Technische Schranken soweit erhöhen, dass Vandalen und Spammer praktisch keine Arbeitsbelastung mehr sind.
  • Leute direkt bezahlen
  • Möglichkeiten wie bei FOSS finden, bei denen Menschen in ihrer Arbeitszeit mit Wissen und Zustimmung der Arbeitgeber editieren.
  • Wikipedia Akademikerfreundlich gestalten, was für den Anfang heißt, Artikel namentlich zu kennzeichnen und zuzuordnen.
  • Oder in Zusammenarbeit mit Universitäten diese Akademiker zumindest dazu bringen, dass sie ihre Studenten Wikipedia-Artikel schreiben lassen.

Uns gefällt natürlich vor allem der dritte Punkt (wir würden allerdings «Akademikerfreundlich» trotzdem klein schreiben) und sind gespannt, ob die auch von uns schon lange geforderte Transparenz bei der Wikipedia-Gemeinde auf Gegenliebe stösst.

Tagungen online?

Die Kollegen vom Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg SFB/FK 615 «Medienumbrüche» in Siegen haben die Streams der Jahrestagung zum Thema «Leitmedien» ins Netz gestellt. Merci!

Wohl die meisten von uns schauen sich gerne an, wie sie in einem solchen Filmchen wirken. Man entdeckt Macken und ärgert sich über blöde Formulierungen, nimmt sich vor, das nächste Mal vielleicht zum Coiffeur zu gehen etc. Alles neue Erfahrungen (zumindest für die meisten).

Aber: Diese Transparenz bedeutet auch, dass man nicht mehr so einfach einen alten Vortrag nochmals halten kann (was ja in Ordnung ist). Und bedeutet auch, dass man vor allem in den anschliessenden Diskussionen ein wenig vorsichtig wird. Und genau das nicht macht, was man doch an Tagungen, zumal im kleinen Kreis, so gut machen kann: neue Thesen ausprobieren, ein wenig laut denken, einen Gedanken ad hoc entwickeln. Funktioniert das auch, wenn die Kamera mitläuft? Und die Filmchen unkontrollierte Wege gehen und man plötzlich mit Ideen konfrontiert wird, die man so öffentlich gar nicht äussern wollte?

Schwer zu sagen. Vermutlich haben wir noch zu wenig Erfahrung in diesem Bereich.

Siehe auch: Bassler, Harald: Diskussionen nach Vorträgen bei wissenschaftlichen Tagungen, in: Auer, Peter / Bassler, Harald (Hrsg.): Reden und Schreiben in der Wissenschaft, Frankfurt am Main 2007, S. 133-154.

Transparenz und Gedächtnis im digitalen Zeitalter

Zwei kleine Anekdoten, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun – und doch: es gibt einen Zusammenhang.

Wie Jan Hodel berichtet hatte, wurde unser Weblog vor einigen Wochen gehackt und Jan Hodel hat das ganze System neu aufgesetzt und alle Daten neu einlesen müssen. Dabei ist eine Panne passiert, es wurde nämlich ein Textfragment, das ich im April geschrieben habe und vergessen habe zu löschen, für wenige Stunden freigeschaltet. In dieser Zeit wurde unser Weblog von Bloglines indiziert und der Text war sozusagen in die digitale Freibahn entlassen. Herr Graf von Arichvalia störte sich, nicht ganz zu unrecht, an dem Text (es ging um Wikipedia und ich schrieb sehr pointiert, dass Wikipedia nicht zitierfähig sei). Da es sich um ein Fragment handelt, ist meine Argumentation weder schlüssig noch logisch nachvollziehbar. Ausserdem entspricht das, was man jetzt nachlesen kann, auch nicht meiner Meinung. Ich bat Herrn Graf, den Text wieder zu löschen, was er nicht wollte, freundlicherweise hat er seine Angriffe gegen mich wenigstens in eine moderate Form gebracht. Er hoffe, schreibt er, „dass Sie dann mit Ihrer Quengelei aufhören.“

Um das gehts gar nicht. Was mich an dieser Anekdote interessiert, ist der Umstand, dass das digitale Gedächtnis anders funktioniert, als das analoge. Wäre mir in einem Text für ein gedrucktes Werk ein Fehler passiert, so hätte man die Auflage eingestampft oder ein Corrigendum eingeheftet. Kein ernstzunehmender Kollege wäre dann auf die Idee gekommen, mich mit der „falschen“ Version zu zitieren. Wäre die falsche Auflage vernichtet worden, hätte auch kaum jemand etwas von der Panne mitgekriegt. Ganz offensichtlich funktioniert dies im digitalen Zeitalter anders und das finde ich spannend und – ich gebe es zu – dies war mir bisher auch zu wenig bewusst.

Und noch ein Satz zur Sache: Das nun auf Archivalia sezierte Textstückchen werde ich bei gegebenem Anlass in einer revidierten, das heisst vollständigen und differenzierten Version veröffentlichen. Und freu mich auf die Diskussion (auch wenn dann, Herr Graf, unsere Positionen vermutlich so divergent gar nicht sein werden …).

Die zweite Anekdote ist vielleicht tendenziell unterkomplex, aber soll hier trotzdem kurz Erwähnung finden. In der Liste der Backlinks auf unser Weblog fand ich heute einen Link von MediaStar. Dort rapportierte die Bloggerin die Benotung ihrer Seminararbeit. Ich war etwas erstaunt darüber, dass die bei mir eingereichte Seminararbeit offenbar von diversen anderen Leuten auch noch benotet wurde und fragte mich, ob ich – da ich laut diesem Eintrag die beste Note vergeben hatte – zu mild war oder das Niveau in Basel tiefer als anderswo ist. Und: Was genau ist die Relevanz solcher Informationen (okay, die Frage sollte man nicht stellen im Zeitalter von Web 2.0) und: Was könnte wohl die Intention der Autorin gewesen sein … (diese Frage indes sollte man sich sehr wohl stellen, gerade im Sinn einer zeitgemässen Quellenkritik!)?