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Der Altavista lebt! … (und der Lycos und der Hotbot auch)

Altavista Lebet
So höret Ihr Kinder, ich will Euch erzählen von alter Zeit. Es gibt einige ältere Mitbürger/innen unter uns, die mit „Altavista“ nicht eine Outdoor-Sportmarke, ein Brillenfachgeschäft oder ein Arnold-Schwarzenegger-Zitat1 assoziieren. Denn, oh ja, es war einmal eine Zeit, als in den Bibliotheken noch Zettelkästen stunden und die tapfersten und aufgewecktesten der jungen Generation, geschmacklos in leuchtende Farben gekleidet, sich dem neusten Schrei der Technik hingaben und zu ihren Freunden sprachen: Siehe, ich tippe ein Wort in ein Suchfeld und es werde, dass daraus eine Hyperlink-Liste entstünde, die zu allerlei Hypertexten auf der ganzen Welt verlinket. Und es geschah also. (mehr …)

  1. Altalavista, Baby! []

«Suchmaschinen» avant la lettre?


Ausschnitt aus Illustration „Kapitän Nemo nimmt den Höhenstand der Sonne auf“1

Interessant, was ich bei der Lektüre von Jules Vernes „20 000 Meilen unter dem Meer“ entdecke:

Der Kapitän Nemo, ohne mir zu antworten, winkte mir, ihm in den großen Saal zu folgen. Der Nautilus tauchte einige Meter unter das Wasser, und die Läden öffneten sich. Ich eilte an das Fenster, und erkannte unter Korallen versenkt, mit Seepflanzen überdeckt, mitten unter zahllosen reizenden Fischen, etliche Trümmer, welche die Suchmaschinen nicht hatten fassen können, lauter Gegenstände gescheiterter Schiffe.2

Suchmaschinen? Ist Jules Verne also nicht nur das Erdenken elektrisch betriebener U-Boote und der Mondfahrt zuzuschreiben, hat der berühmteste Science-Fiction-Autor der Grande Nation auch das Internet vorhergesagt? (mehr …)

  1. Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter’m Meer. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band IV–V, Wien, Pest, Leipzig 1874, S.112, verfügbar bei WikiCommons (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:JulesVerneNemo.jpg&filetimestamp=20110213025900). []
  2. Verne, Jules: Zwanzigtausend Meilen unter’m Meer. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band IV–V, Wien, Pest, Leipzig 1874, S. 163-164; zitiert nach Zeno.org (http://www.zeno.org/Literatur/M/Verne,+Jules/Romane/Zwanzigtausend+Meilen+unter%27m+Meer/1.+Theil/19.+Capitel). []

Google goes Facebook?

Bevor Kollega Hodel wieder einen seiner berüchtigten Erstaprilscherze hier ablässt, hier noch eine seriöse Meldung, die ich heute aus der News-Flut gefischt habe und die mich etwas nachdenklich gestimmt hat: Verschiedenen Berichten zu Folge führt Google eine neue Funktion ein, welche es den Nutzer/innen ermöglicht, Anzeigen und später auch Treffer zu «liken». So wie bei Facebook auch.
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Wolfram Alpha und Geschichte?

wolphram-alpha
Kollega Mills Kelly hat die neue Suchmaschine Wolfram Alpha, die vor wenigen Wochen ihren Beta-Betrieb aufgenommen hat, etwas genauer unter die Lupe genommen. Er kommt dabei, wenig überraschend, aber überzeugend zum Schluss, dass sich die neue Suchmaschine, die nicht nach passenden Textstücken in gespeicherten Web-Seiten sucht, sondern die Frage der User mittels spezieller Algorithmen aus bestehenden, strukturieren Datenbeständen beantworten will, für geschichtswissenschaftliche Zwecke kaum nutzen lässt. (mehr …)

Vor-Google in Wien (II)

Nun liegt die schöne Tagung in Wien schon fast eine Woche zurück, höchste Zeit also, ein paar Eindrücke zusammenzufassen. Für mich war es eine der fruchtbarsten Tagungen, die ich letzter Zeit besucht hatte. Nicht nur war sie bestens organisiert und konzipiert worden, auch Grösse, Lokalität und Stimmung waren optimal.
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Suchen in den Zeiten vor Google

Kollega Hodel hat ja freundlicherweise darauf hingewiesen, dass Google kürzlich sein zehnjähriges Geburtstagsfest feiern durfte (ja, hist.net ist gleich alt, über gemeinsame Festivitäten verhandeln wir noch).

Aus der simplen Suchmaschine mit dem eingängigen Logo und dem anfänglich guten Image ist eine omnipräsente Datenkrake geworden, vor dessen Diensten mittlerweile viele Datenschützer mit Nachdruck warnen. Google, das ist für viele heute der Inbegriff des nimmersatten Computer-Molochs, unheimlich und faszinierend zugleich. Denn Google, das ist auch die scheinbare Einlösung des Versprechens, endlich «information at your fingertips» zu haben, wie es Bill Gates bereits 1990 vorausgesagt hatte.
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Suchen im Netz: «algorithmisch» und/oder «sozial»?

Die Techniken des Suchens im Netz gehören noch immer zu den am meisten diskutierten Themen beim wissenschaftlichen Umgang mit dem Internet. Während man sich vor zehn Jahren noch zwischen systematischen Suchdiensten wie Yahoo und Volltextsuchen wie Hotbot und später Google entscheiden musste, lautet die Frage heute «algorithmische Suche» oder «soziale Suche»? Mit einer «algorithmischen Suche» sind Volltextsuchen gemeint, eine «soziale Suche» bezeichnet die Verwendung von Web 2.0-Angeboten, die mit offenen Beschlagwortungen, sogenannten Folksomomien, arbeiten.
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Das Schlaue Buch (II): 10 Jahre Google – oder: Das weisse (Daten-)Loch

Google Start 1998

Ich fand ja den Kunstgriff von Kollega Haber, zwecks Veranschaulichung von Allmachts- oder besser Allwissenssphantasien das «Schlaue Buch» des Entenhausener Universums ins Feld zu führen, schon genial, als er ihn im Jahr 2005 noch auf das «Google-Syndrom» angewandt hat1 – übrigens auch eine Haber’sche Wortschöpfung.

Nun kann man sich streiten, ob Wikipedia dem «Schlauen Buch» besser entspricht als Google – beide bedienen Phantasien des allgegenwärtigen, sofort abrufbaren Wissens – so verschieden sie sind. Und Sie sind in mehrfacher Hinsicht sehr verschieden. Google bedient dabei die Ängste, die mit solchen Phantasien auch verbunden sind, weitaus besser. (mehr …)

  1. Haber, Peter: «Google-Syndrom». Phantasmagorien des historischen Allwissens im World Wide Web, in: Epple, Angelika; Haber, Peter (Hg.): Vom Nutzen und Nachteil des Internet für die historische Erkenntnis. Version 1.0, Zürich: Chronos 2005, S. 73-89. []

Digitale Information: Evolution, Revolution, Erosion?

Ein sehr schöner Kurzfilm von Michael Wesch, dem wir auch den Beitrag zu Web 2.0 (The Machine is Us/ing Us) verdanken (vor einiger Zeit hier besprochen), thematisiert die Veränderung der Handhabung von Information (insbesondere die Strukturierung und Ordnung, aber auch die Generierung und Speicherung), die auf ihre digitale Gestalt zurückzuführen ist. Kernaussage: Da die Informationen keine physikalischen Beschränkungen mehr unterworfen sind, wird die Ordnung der Informationen vielfältiger, flexibler und für jedermann einfacher zugänglich.

Also, wenn dieser Film keine Diskussion auszulösen vermag (Sollen, bzw. können wirklich Tag-Clouds von Laien die Referenzsysteme von Fachexperten ablösen?), dann weiss ich auch nicht mehr weiter. In diesem Sinne wünsche ich dem Film die von Beat Döbeli vorhergesagte „Durchreichung“ durch die einschlägigen Blogs. Denn er scheint mir die Kernfrage zu behandeln: wie organisiert die Wissengesellschaft im digitalen Zeitalter ihre Informationen? Verschwinden innerhalb kurzer Zeit die etablierten Kulturtechniken der Suche, die sich auf hierarchische Strukturierungssysteme beziehen, die einem sachlogischen Aufbau folgen und die die Informations-Recherchen entsprechend gliedern, indem sie der eigentlichen Suche die Entscheidung des Suchenden verlangen, welcher Kategorie er sein Themengebiet zuordnet? Die Volltext-Suche legt ja nach dem Trial & Error-Prinzip einfach mal los, die Strukturierung entsteht ja ad hoc beim Akt des Recherchierens aus dem Vorwissen des Suchenden und den Ergebnissen der Suchmaschinen. Es braucht keine hierarchische Struktur mehr, meint Wesch, „the links alone are enough“.

Google, meine Daten und ich

Nicht ich nutze Google – Google nutzt meine Nutzung von Google und ich frage mich: Gehören die Daten, die ich bei der Benutzung von Google generiere, mir – oder Google?

Wenn ich bei Archivalia den Hinweis lese, dass in GoogleBooks neuerdings auch die Einsicht in die Quelltexte möglich ist (Texterkennungsoftware sei dank – obwohl diese (noch?) vor alten Schriften kapitulieren muss), denke ich spontan: wie praktisch! Bald (also in 5 Monaten oder in 5 Jahren, je nachdem), sind alle für mich relevanten Bücher auf dem Netz (Volltextversion und Google-Indizierung sei dank) mit einem Mausklick zu durchforsten. (mehr …)