weblog.hist.net

So nicht!

Nein, so nicht! Wir alle sind ja für die Vernetzung von Wissen. Zugleich bemühen wir uns um eine gesteigerte Produktivität, also die Herstellung von mehr Produkten (in diesem Fall Weblog-Einträge) mit weniger Aufwand. Deshalb sind Cross-Postings ein willkommenes und akzeptiertes Vorgehen, um mit einem Post in verschiedenen Blogs die eigenen Erkenntnisse und Gedanken möglichst vielen Leser/innen zur Kenntnis zu bringen. Bei uns ist es beispielsweise Mills Kelly, der seine Beiträge bei weblog.histnet.ch auch auf seinem eigenen Weblog veröffentlicht. Das alles finden wir ok.

Nicht ok finden wir, wenn andere – zudem anonyme – Weblogs unsere Beiträge ohne unser Wissen und Zutun “crossposten”, bzw. wiederveröffentlichen, wie das ein nicht besonders gescheiter Zeitgenosse hier tut. (weiterlesen …)

Geschichtslernen mit Copy & Share

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An der Tagung “Historisches Lernen im Virtuellen Raum”, die letzte Woche in Heidelberg stattfand, habe ich erstmals aus meiner laufenden Forschungsarbeit (Geschichte 2.0) berichtet. Ich habe mir Gedanken zum Copy/Paste-Verhalten der von mir befragten Schüler/innen gemacht, und mir die Frage gestellt, was das mit dem Geschichtslernen zu tun hat.
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CopyPaste reloaded

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Heute hat doch tatsächlich unser Lokalblatt namens Basler Zeitung die “CopyPaste Generation” entdeckt (eine unliebsame Variante der Net Generation, die ich hier ja schon ausführlich behandelt habe). Wäre der Artikel nicht gespickt mit Namen bekannter lokaler Protagonisten der hiesigen Universität, man würde den Verdacht nicht los, auch hier wäre Copy/Paste zur Anwendung gelangt, dermassen wiederholen sich die Statements.

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Stefan Weber und die Plagiatsfalle

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Stefan Weber ist ein scharfsinniger, ein gnadenloser und wohl ein ziemlich gestrenger Plagiatsjäger. Er hat zahlreiche Plagiatsfälle auffliegen lassen und strenge Regeln aufgestellt darüber, was rechtens und was nicht rechtens ist im edlen Feld der Wissenschaften. Auch wenn wir in vielen Fragen eine andere Meinung haben: Seine Hartnäckigkeit und sein entschiedenes Auftreten gegen den Sitten- und Niveauzerfall in den Wissenschaften (“Textkultur ohne Hirn”) sind ihm hoch anzurechnen und mit seiner Arbeit übernimmt er eine wenig dankbare Rolle im gegenwärtigen Hype um alles Neue und Moderne.

Umso mehr mussten wir schmunzeln, als wir sahen, dass er bei seinen eigenen Buchtiteln nicht so gar strenge Masstäbe anzusetzen scheint, wenn es darum geht, einen originellen und auch noch originären Titel zu finden. Letztes Jahr erschien sein vielbeachtetes Buch mit dem Titel “Das Google-Copy-Paste-Syndrom“, ein schöner Mix aus “Google-Syndrom“, das wir vor Jahren als Begriff eingeführt hatten und dem Allerweltsausdruck “Copy/Paste” (was aber immerhin der Titel eines Seminars von mir vor Jahren war …). Als ich augenzwinkernd über diesen kleinen Schönheitsfehler berichtete, schrieb er mir postwendend zurück, das sei ihm nicht bekannt gewesen …

Auch mit seinem neuen Buch ist der Plagiatsjäger – zumal seinen eigenen Kriterien gemäss – vermutlich in die Plagiatsfalle getrampt. “Die Medialisierungsfalle. Kritik der Neuen Medien” heisst das für 2008 angekündigte Buch. Wir freuen uns schon heute auf die Lektüre und runzeln ob des phantasievollen Titels die Stirn: “Kritik der Neuen Medien. Ein eschatologischer Essay” nannte Uwe Jochum, der demnächst in Basel auftreten wird, sein hübsches und provokatives Büchlein, Jahrgang 2003.

Und weil wir grad dran sind: Auch Lehrveranstaltungen laden zum – wie sollen wir das nun nennen? – Sich-inspirieren-lassen ein …: das da hat doch mit dem respektive dem eine gewisse Ählichkeit, oder haben wir etwas übersehen? Naja, das seminarbegleitende Weblog fehlt immerhin.

P.S.: Lesenswert indes der Beitrag von Weber auf Inetbib zur laufenden Debatte “Wikipedia vs. Brockhaus”

P.P.S.: Das Bild stammt von der digitalen Edition des Grossen Konversationslexikons von Meyer, das Peter Hug freundlicherweise ins Netz gestellt hat (nein, nicht der Peter Hug …).

Zitieren von und in Weblogs

blogzitat1.pngIn der Wissenswerkstatt (welch passender Name für einen Wissenschaftsblog), die von Marc Scheloske geführt wird,1 habe ich zwei Beiträge gefunden, die sich aus unterschiedlicher Warte mit der wissenschaftlich elementaren Arbeitstechnik des Zitierens befassen: Wann darf man im wissenschaftlichen Kontext aus Weblogs zitieren, und wie? Und welche Regeln gelten für Zitate in Weblogs? (weiterlesen …)

  1. Scheloske steht auch hinter dem Wissenschafts-Café, das wir hier kürzlich erwähnt haben []

Endlich entdeckt: «Die Bedrohung des Menschheit»

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Die Technische Universität Graz, so berichtet heise.de soeben, «warnt mit drastischen Worten vor der ‘Bedrohung der Menschheit’ durch Google. Der Suchmaschinenprimus schicke sich nicht nur an, den Schutz der Privatsphäre auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen, heißt es in dem 187-Seiten umfassenden Bericht ‘über die Gefahren und Chancen großer Suchmaschinen unter besonderer Berücksichtigung von Google’. Das ‘monopolistische Verhalten’ des Marktführers bedrohe vielmehr, ‘wie wir die Welt sehen und wie wir als Individuen wahrgenommen werden’. Damit gerate sogar die gesamte Weltwirtschaft in Gefahr. Google habe in unerhörter Art und Weise Macht angehäuft, sodass ein Gegenangriff überfällig sei.»

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Und nochmal: Plagiate

Spiegel Online rollt das Thema Plagiate noch einmal auf (und würzt es trendgerecht mit dem Titel 2.0). Aufhänger sind diesmal die Anti-Abschreib-Programme, die an den Universitäten eingeführt werden, um die plagiatorischen Studierenden zu überführen. Interessant sind die Anmerkungen der Berliner Plagiats-Spezialistin Debora Weber-Wulff allemal. Unter ihrer Leitung entstand auch der Online-Lehrgang “Fremde Federn finden” zum Thema Plagiate, auf das wir hier schon mehrmals hingewiesen haben. Sie stellt den Anti-Abschreibprogrammen ein schlechtes Zeugnis aus: diese fänden je länger je weniger Plagiate!! Das Problem das Plagiierens sei, so Weber-Wulff, ohnehin nicht mit Software zu lösen. Es gelte bei entdeckten Plagiaten klare Vorgehensweisen zu definieren – und ein sauberes wissenschaftliches Arbeiten auch im Alltag vorzuleben. Denn auch die arrivierten Wissenschaftler/innen würden nur zu oft einfach abkupfern.

Deutschland muss sich eine Kultur des korrekten Zitierens wieder angewöhnen. Es ist keine Schande, die Werke anderer zu nutzen. Aber man muss angeben, woher man die Gedanken hat, nach bestem Wissen und Gewissen. Wir Lehrenden müssen erst mal vorleben, was gute Wissenschaft ist. Bei der Lehre müssen wir das Wort “Betreuung” ernst nehmen und tatsächlich Zeit investieren, um mit jungen Leuten über ihre Arbeiten zu reden, um ihnen zu zeigen, wie man schreibt. [...] Dass Studenten und Wissenschaftler abschreiben, ist ein ernstes Problem für die Hochschulen. Mit Software ist es nicht zu lösen.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

Copy/Paste und Knete machen

«Mash-ups für Professoren»

Pflichtlektüre für alle Bewohnerinnen und Bewohner von Academia!

Plagiatsdebatte ff.

Vor einigen Tagen habe ich hier geschrieben, ich werde Stefan Webers Buch über Plagiate und das «Das Google-Copy-Paste-Syndrom» noch vorstellen. Das dünne Buch war schnell gelesen, der schale Eindruck, den es indes hinterlassen hat, wirkte noch recht lange nach.

Weber legt mit seinem Pamphlet zweifelsohne den Finger auf einen wunden Punkt: Moral, intellektuelle Disziplin und vor allem auch wissenschaftliches Interesse vieler Studierender lassen eindeutig zu wünschen übrig. Weber überspitzt diesen Befund allerdings, wenn er daraus eine “Austreibung des Geistes aus der Textproduktion” konstruiert und von einer “Textkultur ohne Hirn” schreibt.

Unter dem Titel “Vorboten” übt sich Weber gleich zu Beginn des Buches in Rundumpolemik gegen die Medienwissenschaften. Zehn Mythen meint er identifizieren zu können, angefangen bei einer “Apriorisierung” über den angeblichen Mythos der Substitutionseffekte bis hin zur “Rhetorik der Konstruktivität” reicht die Brandbreite der Weberschen Kollegenschelte.

A propos Kollegenschelte: Sven Grampp, Mitarbeiter und Lehrbeauftragter am Instituts für Theater- und Medienwissenschaft der Universität Erlangen-Nürnberg, besprach unlängst Webers Habilitationsschrift mit dem Titel “Non-dualistische Medientheorie. Eine philosophische Grundlegung” nicht ohne einige recht unmissverständliche Zustandsbeschreibungen der gegenwärtigen medientheoretischen Fachsimpeleien der Rezension voranzustellen:

“Schaut man sich neuere Publikationen aus diesem Bereich an, wird deutlich, dass der Avantgardegestus auch weiterhin fester Bestandteil medientheoretischer Legitimationsrhetorik ist.” [S. 8]

Und weiter:

“‘Medienphilosophie’ ist so eine Oppositionsmarkierung, die seit ein paar Jahren zirkuliert. Betrieben wird die Medienphilosophie vor allem von einigen philosophisch gestimmten Medientheoretikern, die das Versprechen eines Paradigmenwechsels ihrer Disziplin auch explizit und vollmundig artikulieren.” [ebd.].

Aber kehren wir zum Plagiatsbuch von Stefan Weber zurück. Das Problem, das ich mit dem Buch oder vielmehr mit Stefan Webers Ansatz habe ist, dass ich nicht a priori davon ausgehe, dass alle Studierende faul und unehrlich sind. Für mich gilt grundsätzlich und bis ich mindestens einen konkreten Hinweis habe, dass es anders sein könnte, die Unschuldsvermutung. Ich möchte Weber auf keinen Fall unterstellen, dass er nicht auch von diesem Grundsatz ausgeht, aber ich habe vermisst, dass er dies auch klar formuliert.

Unter dem Titel “Bullshit-PR und heisse Luft: in neuen Medien und über neue Medien” schreibt sich Weber gegen Ende des Buches seine Wut gegen die Kulturwissenschaften aus dem Bauch. Zugegeben, der folgende Absatz, den Weber zitiert, ist, um es höflich zu formulieren, ziemlich grenzwertig:

Meine transdisziplinäre Herangehensweise im Sinn einer kritischen Repräsentationstheorie verbindet Ansätze strukturaler psychoanalytischer Theorie mit Ansätzen neuerer Hegemonie- bzw. Demokratietheorie sowie der Film- und Medientheorie, der Gender- und der Cultural Studies, um Perspektiven auf aktuelle Medienkonstellationen zu eröffnen, die sich jenseits technikdeterministischer oder kulturpessimistischer Einschätzungen bewegen.*

Weber vergibt aber leider eine Chance, indem er in einem gehässigen Stil (“Das Geschwafel von Transdisziplinarität [...] heisse Luft statt Substanz”) zu einem Rundumschlag ausholt und es dabei leider selber hin und wieder an Substanz vermissen lässt. Er schliesst mit folgenden Worten:

Die Produktion von postmoderner heißer Luft durch eine gewisse Gruppe von Wissenschaftlern und die Reaktion mancher Studierender mit dem Google-Copy-Paste-Syndrom sind symptomatisch für die gegenwärtige akademische Kultur der Heuchelei: Copy/Paste als Reaktion auf Bullshit-Diskurse, auf gut Deutsch: die Verdopplung der Scheiße. [S. 147]

Schade. Eine differenzierte Darstellung der kulturwissenschaftlichen Diskussionskulturen – tatsächlich im Anschluss an Sokal und Bricmont, wie Weber schreibt – wäre notwendig und erwünscht. Aber wieso eigentlich in diesem aufgeregten Ton …?

 

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