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Internet? Zum Vergessen.

Viktor Mayer-Schönberger hat ein Buch darüber geschrieben, dass dem Internet das Vergessen beigebracht werden müsste. Zu viele private und kompromittierende Daten schwirrten durch das Internet und brächten die Leute in Schwierigkeiten, etwa wenn Leute entlassen (oder gar nicht erst eingestellt werden), weil auf Facebook freizügige Fotos der letzten Beach-Party zu sehen sind. Dass Herr Mayer-Schönberger ein (angesehener) Jurist ist, der sich mit der Rechtsetzung im Bereich der Informationstechnologie befasst, erklärt, warum er gerne eine juristische Lösung mit „Verfalldaten“ einführen würde, an denen heikle Daten im Netz automatisch gelöscht werden sollen. Wäre Herr Mayer-Schönberger Archivar, Medienwissenschaftler oder Soziologe, würde er das Problem wohl aus einer anderen Warte betrachten und entsprechend zu einem anderen Schluss kommen. (mehr …)

Internet-Archäologie: Es war einmal… Gopher

C-net bereitet uns einen unverhofften Einblick in die Früh-Geschichte des Internets, in die Prä-Web-Ära, als die Links zwar schon erfunden, das Internet aber noch eine „text only“-Veranstaltung war. Die angesagte Technologie damals war ein Protokoll namens Gopher – wenn man es unwissenschaftlich ausdrücken will, eine Art Twitter von 1991: zunächst hoch gehypt, dann aber dem „new next thing“, dem Protokoll „http“ (besser bekannt als World Wide Web) auf die Länge doch unterlegen.
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The origin of «spam»

Aufmerksam geworden durch Daniel Eisenmengers Hinweis auf das 40-Jahr-Jubiläum von Monty Python bin ich auf den legendären Sketch gestossen, der den unerwünschten digitalen Mitteilungen (zunächst im UseNet, dann vor allem im E-Mail-Verkehr) ihren Namen gegeben hat. (mehr …)

Spiegel Online „entdeckt“ Paul Otlet

mundaneum

Ein interessanter Artikel bei Spiegel Online berichtet über den belgischen Bibliotheks- und Dokumentations-Pionier Paul Otlet, der bereits 1898 eine universelle Bibliothek (das Mundaneum) mit begründete und 1934 in seinem Werk Traité de Documentation bereits eine vernetzte Wissensstruktur skizzierte, wie sie der (weitaus berühmtere) Vannevar Bush 1945 in seinem bekannten „As we may think“ umschrieb. Dies fasst Hilmar Schmundt bei Spiegel Online in die knackige Phrase:

Ist das Internet also keine amerikanische Vision, sondern eine europäische?

Anlass des Artikels über den (laut Spiegel Online) „selbst bei Medienwissenschaftlern unbekannten“ Pionier ist womöglich eine Neu-Erscheinung zum Mundaneum, die bei Impression Nouvelles für den September angekündigt wurde, vermutlich war das auch Anlass einen Artikel in der New York Times, den Sebastian Böll im InfoWissBlog auch gerade eben angezeigt hat.

Eine kurze Recherche im Netz lässt an der behaupteten Unbekanntheit von Paul Otlet Zweifel aufkommen, nicht nur wegen der (unvermeidlichen) Wikipedia-Einträge, sondern auch wegen bspw. dieser Filmdokumentation des holländischen Fernsehens über Paul Otlet aus dem Jahr 1998 (!) oder des Artikels über Paul Otlet, den Frank Hartmann bereits im Oktober 2006 bei Telepolis veröffentlichte.

Der elektrische Reporter

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Nachdem wir gestern die schöne kanadische Website zu Innis und McLuhan vorgestellt haben, möchten wir heute auf eine andere faszinierende Art hinweisen, die Geschichte des Netzes aufzuarbeiten. Der elektrische Reporter, ein grossartig gemachter Videoblog (kürzlich mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet), hält eine ganze Reihe von Video-Interviews bereit, die sich (auch) mit der Geschichte des Netzes und der Netzideen beschäftigen. Tolle Interviewpartner, wunderschönes Bildmaterial, ein extravagantes Retro-Design. Empfehlenswert! (Quelle: Monika Bargmann auf Inetbib)