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Buchmesse (1): Wozu noch Buchmesse?

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Seit heute morgen ist die Buchwelt wieder im Ausnahmezustand. Pünktlich um 9 Uhr öffnete nämlich die diesjährige Frankfurter Buchmesse ihre Tore. Der übliche Rummel: 7200 Austeller aus 113 Ländern, unendlich viele Neuerscheinungen, lange Schlangen überall.

Beim ersten Rundgang hier habe ich mich gefragt, wieso es die Buchmesse eigentlich noch braucht. Als ich das erst Mal hier war, Ende der 80er Jahre, gab es noch kein Internet. Die Buchmesse war eine grandiose – und einmalige – Gelegenheit, um sich über Bücher und sonstige Publikationen zu informieren, die den Weg in die heimisch Buchhandlung oder Bibliothek nicht schaffen würden. Bücher aus fremden Ländern, Produkte kleiner und kleinster Verlage, «graue Literatur» – das alles gab es an der Buchmesse zu entdecken. Und nur hier.

Schwer beladen mit Prospekten und Katalogen torkelte ich jeweils nach Hause. Und heute? Hin und wieder notiert man sich eine URL, nimmt, ganz, ganz selten, einen gedruckten Katalog mit. Der Rest ist Internet. Ist verfügbar, immer und überall.

Aber das führt auch dazu, dass mehr Zeit bleibt für Gespräche und Begegnungen, zum Besuch von Lesungen und Informationsveranstaltungen. Das Internet hat die Buchmesse verändert. Aber zum Glück nicht überflüssig gemacht.

GMW 07: Tag 1 – OpenAccess und Netzwerktheorien

Was bin ich blöd, dachte ich beim Hinsetzen, dass ich (neben vielen anderen) mich immer wieder dazu hinreissen lasse, mir die Eröffnungs-Vorträge von Tagungen zuzumuten. Der Erkenntnisgewinn ist minimal, der Sprachduktus einschläfernd und die Zeit wird nie eingehalten. Aber siehe da: Gemessen an meinen (zugegeben geringen) Erwartungen war diese Eröffnung ein regelrechtes Feuerwerk. (mehr …)

Finding Quaero (II)

Die Süddeutsche Zeitung schreibt einen Artikel über die französische Suchmaschinen-Firma Exalead, welche die Suchmaschinen-Technologie zum deutsch-französischen Anti-Google-Projekt Quaero (wir hatten es schon mal davon) beisteuern sollte. Exalead versucht es nun auf eigene Faust. Ganz unfranzösisch bescheiden möchte Exalead-Chef François Bourdoncle nur die Nummer fünf im Suchmaschinen-Business werden. Und dies erst noch mit Hilfe von Google-Konkurrent Yahoo, der für die Anzeigen-Schaltungen verantwortlich zeichnet. Doch als Nummer fünf hätten die Franzosen neben Google und Yahoo nur noch MSN und Ask.com vor sich.

Archivalien verwalten

Historiker arbeiten bekanntlich nicht nur mit gedruckten Quellen, sondern auch mit Archivalien. Erstaunlicherweise sind aber Bibliographierprogramme nicht in der Lage, Archivalien sauber zu verwalten. Das war für uns mit ein Grund, Lit-Link zu entwickeln und in der neuen Version eine eigene Eingabemaske für Archivmaterialien zu reservieren. In einem nächsten Schritt soll Lit-Link auch in der Lage sein, Einträge aus bestimmten Online-Findbüchern direkt zu übernehmen – so, wie dies bei etlichen grossen Bibliothekskatalogen bereits möglich ist mit dem Firefox-Plugin XMLdump von Florian Petran.

Buchmarkt auf Abwegen?

Die neue Ökonomie des Netzes treibt hin und wieder interessante Blüten: So ist nun bekannt geworden, dass bei Amazon.com die Preise für Bücher alles andere als stabil sind, wie Konrad Lischka in seinem schönen Weblog «seite 4» schreibt. Vermutlich würde die Buchpreisbindung hierzulande solche Mechanismen verhindern. Aber das kann sich ja auch noch ändern.

Cliopatra: Geschichtsblog des Monats Dezember 2006

Ehe das Jahr zu Ende geht, folgt hier der Dezember-Eintrag in der Rubrik „Geschichtsblog des Monats„. Die Wahl fällt nicht deshalb auf cliopatra, weil der Titel wieder aus einem Wortspiel besteht (wie im November) und auch nicht aus Gefälligkeit (weil der Vorgänger-Blog von weblog.histnet.ch bei Cliopatra auf einer Liste nicht-englischsprachiger Websites aufgeführt wird). Vielmehr ist cliopatra ein Beispiel dafür, wie Weblogs zur Vernetzung und zum Informationsaustausch von Historikerinnen und Historikern beitragen können.

Cliopatra widmet sich vielfältigen Aspekten der Geschichtswissenschaft. Entwicklungen im Bereich der Neuen Medien, geschichtswissenschaftliche Debatten oder politische Ereignisse werden thematisiert. Vielfach werden (ganz blog-typisch) Fundstücke aus dem Netz präsentiert, die den Autorinnen und Autoren von geschichtswissenschaftlichem Interesse erscheinen.

Cliopatra verleiht auch die cliopatra-Awards für die besten Geschichts-Blogs in verschiedenen Kategorien: Einzel-Blog, Gruppen-Blog, Newcomer-Blog, Blog-Autor, einzelner Blog-Beitrag, Serie von Blog-Beiträgen. Die Awards wurden letztes Jahr bereits einmal verliehen. Die Nominationen für die Awards 2006 sind Ende November gesammelt worden, die Gewinner werden Anfang 2006 anlässlich der Jahrestagung der American History Association bekannt gegeben.

Cliopatra startete als Gruppen-Blog vor etwas mehr als drei Jahren mit einem Eintrag von Spiritus Rector Ralph E. Luker. Laut diesem Eintrag stammt der Blog-Titel aus Finnegans Wake und ist der Blog die Fortsetzung eines älteren Blogs mit anderem Namen (wie bei weblog.histnet.ch). Neben Luker tragen noch weitere 16 Autorinnen und Autoren zu cliopatra bei, die oft auch eigene Weblogs führen.

Cliopatra ist Teil des „History News Network“ (HNN), selbst ein interessantes Projekt, das eine ausführlichere Beschreibung verdiente: HNN ist ein News-Portal, das von Historikerinnen und Historikern betrieben wird und sich mit dem aktuellen (vorab US-amerikanischen und politischen) Geschehen befasst. HNN wird auf einem Server der George Mason Universität (Fairfax, Virginia, USA) gehostet, der gleichen Institution, an der auch des Center for History and New Media angesiedelt ist. HNN bietet neben cliopatra noch einer ganzen Reihe weiterer Blogs Gastrecht.

Alles in allem ist cliopatra als Ergänzung zu den e-Mail-basierten wissenschaftlichen Kommunikationsformen zu sehen, wie sie sich in unzähligen H-Net-Listen bereits etabliert haben. Mir scheint es daher durchaus denkbar, dass auch im deutschsprachigen Raum ein cliopatra ähnlicher Gruppen-Blog H-Soz-u-Kult ergänzen könnte.

Eckdaten
Titel: cliopatra
URL: http://hnn.us/blogs/2.html
Autor: Diverse (Ralp E. Luker)
Region: USA
Frequenz: täglich

Finding Quaero

Quaero ist (oder besser war) zwar nicht die Antwort auf Google – beteuerte zumindeste der Projektleiter Wolfgang Wahlster vom DFKI, denn (so zitierte ihn Heise):

Ein Ansatz „Kill Google“ wäre seiner Ansicht nach schon allein deswegen kontraproduktiv, weil der gegenwärtige Suchmaschinenprimus noch im Web-1.0-Zeitalter verhaftet sei.

Doch Quaero soll nicht zuletzt deshalb als deutsch-französische Kooperation zur Entwicklung einer Suchmaschine der nächsten Generation zustande gekommen sein, weil Monsieur le Président Jacques Chirac im Frühling 2005 Gerhard Schröder davon überzeugen konnte, dass man den Amerikanern den zukunftsträchtigen Markt der Web-Suche nicht überlassen dürfe.

Wie auch immer, seit wenigen Tagen ist diese Kooperation Geschichte (oder, mit den Worten von Spiegel Online: Quaero ist geplatzt – bitte zeichnen!). Franzosen und Deutschen können nicht miteinander (Die Zusammenarbeit war – wie es heisst – „nicht einfach“), denn die französische Seite will eher schnell eine klassische Suchmaschine entwickeln (eben doch web 1.0), während die deutschen Partner noch immer das Ziel verfolgen (neuerdings unter dem Namen „Theseus“ – ja genau, der im Labyrinth des Minotaurus, der dank des roten Fadens von Ariadne… usw.) eine web-2.0-artige Suchtechnologie zu entwickeln. Da tauchen Schlagworte wie semantisches Web und Metadaten und Strukturierung auf und die Hoffnung, durch die Zähmung des wilden web-2.0-taggings endlich Ordnung in das chaotis Web bringen zu können (gute Zusammenfassung in der Rede von Wolfgang Wahlster anlässlich der Abschlussveranstaltung des Informatikjahres des BMBF, darin wird der Unterschied zwischen einer semantischen Suche nach Bedeutung und der heute in Suchmaschinen üblichen Suche nach Zeichenketten geschildert).

Keiner bestreitet, dass dies ein echter Mehrwert wäre. Aber irgendwie scheint das Projekt trotz der ca. 90 Millionen Euro Fördergelder (plus weiterer 90 Millionen von den Wirtschafts-Partnern) nicht unter dem besten Stern zu stehen. Aber schauen wir mal, was der Stand in einem Jahr ist.

Kollege Jakob Voss zumindest hat seine Meinung gemacht: „Millionen verplempern mit Suchmaschinen-Grossprojekt“ schreibt er im Blog der Informationswissenschafter an der Humboldt-Universität Berlin. Ich bin ja kein Freund neoliberaler Konzepte, aber hier könnte man ins Sinnieren kommen, inwiefern solche Top-Down-Projekte wirklich zu den gewünschten Resultaten führen können, oder ob das web 3.0, wie es grossmundig angekündigt wird, nicht doch eher als Produkt chaotischer, ungesteuerter Prozesse entstehen wird.

Übrigens: Weder zu Quaero noch zu Theseus gibt es Projekt-Selbstdarstellungen oder gar „proof of concepts“. Das ist (oder war) alles noch sehr luftig. Einem konkreten Hinweis am nächsten kommt ein Blog-Eintrag, den ich bei Helge Städtlers Blog Theta Welle fand und in dem Städtler Google-Alternativen vorstellte. Dabei ordnete er die Suchmaschine ExaLead (die zu jedem Link ein Thumbnail der gefundenen Seite anzeigt) dem Projekt Quaero zu (getreu den eigenen Angaben von ExaLead im About-Text).

HOK Reden: Über die Zeit III (Unterbrechungen)

Dank Beats Blog bin ich auf den Artikel von Jürgen von Rutenberg in der Zeit gestossen, der auf das Phänomen hinweist, dass wir von SMS, E-mail und Anrufen ständig unterbrochen werden – und einige von uns mittlerweile sogar schon süchtig nach den Unterbrechungen sind. Das ist dann der Fluch der Unterbrechung – kein Wunder, hat man keine Zeit…
Und wenn Rutenberg zum Schluss kommt:

Zerstreute Leute hat es schon immer gegeben, aber noch nie betrieben so starke Mächte die Erziehung der Menschheit zum Kurzdenken. Das zersplitterte Bewusstsein der Unterbrochenen ist inzwischen die herrschende Geisteshaltung unserer Zivilisation

– dann frage ich mich schon, ob es da nicht Zusammenhänge mit dem Copy/Paste-Syndrom gibt.

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Aus der Welt der Wikis: Wikiversity

Eine (noch vage) Vorstellung, wozu die Wiki-Technologie und die Wikimedia-Idee in Geschichtswissenschaften und Geschichtsvermittlung auch noch genutzt werden könnte (ausser für eine Online-Lexikon wie Wikipedia, dass ja explizit nicht für die Darstellung von Forschungsergebnissen konzipiert ist, siehe „was Wikipedia nicht ist„), vermittelt das neue, noch im Beta-Stadium befindliche Projekt der „Wikiversity„. Die beiden vorhandenen Projekte im Fachbereich Geschichte zeigen auch gleich die Bandbreite auf: vom Projekt mit universitärem Anspruch bis zur engagierten, methodisch durchaus kontrollierten Schülerarbeit.
Die Frage, die sich mir hierbei stellt: Sollte dieser Ansatz zu einer attraktiven Plattform für Historiker/innen werden (immerhin erhält man hier mehr Resonanz und Feedback als etwa auf „versteckten“ Wikis wie jenem von hist.net), wie lange nehmen die Universitäten dann diesen „Brain-Drain“ tatenlos hin? Wann werden die ersten uni-eigenen Wiki-Plattformen zur öffentlichen Darstellung und Entwicklung von Forschungsprojekten eingerichtet? (Soviel ich weiss, existieren solche noch nicht).

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HOK Reden: Googeln ist kein Verb (sagen Googles Anwälte)

Die Anwälte von Google verschicken Post an Zeitungen in den USA: diese mögen bitten den Gebrauch von „Google“ als Verb (to google somebody) unterlassen und stattdessen eleganter formulieren: I ran a Google search. Die Befürchtung von Google: wenn googeln zu einem allgemein üblichen Verb und zu einem Synonym für Internet-Recherche, dann kann Google keine Markenrechte an dem Namen mehr geltend machen – so wie dies Sony mit dem „Walkman“ passierte. Der Albtraum von Google: dass die Konkurrenz mit Slogans werben kann wie: „Googeln Sie erfolgreicher mit Yahoo!“
Manche Firma wäre froh, ihr Name würde als Verbeträger, äh… als Verb missbraucht. Wenn man bedenkt, dass vor acht Jahren keiner den Namen Google kannte…
Meldung bei Tagesschau.de

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