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CfP: «Vom Wandel der historischen Fachkommunikation»

Seit einigen Tagen sind die Panel-Themen der 3. Schweizerischen Geschichtstage (7. bis 9. Februar 2013) im Netz. Zu allen Panels können ab sofort noch Vorschläge eingereicht werden! Mit diesem Vorgehen geben die Organisatorinnen und Organisatoren allen Forscherinnen und Forscher die Möglichkeit, sich mit einem eigenen Beitrag um die Aufnahme in einem Panel zu bewerben.
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Das Schweigen der alten Männer

Bereits gestern haben die 2. Schweizerischen Geschichtstage begonnen und hüben wie drüben wird schon fleissig gebloggt. Nur weblog.histnet.ch schweigt. Was ist los?

Wir sind zwar beide vor Ort, aber das Live-Bloggen scheint an Attraktivität verloren zu haben. Liegt es daran, dass das Programm so dicht ist? Oder dass wir als Einhemische hier so viele Kollegen treffen und lieber im Café statt vor dem Bildschirm sitzen?

Es wird so sein. Aber wir werden eine Nachlese machen und auf die Highlights des wunderbar organisierten Anlasses eingehen.

Geschichtstage: 1968er und Neue Rechte

In der Sektion „1968: Revolution und Gegenrevolution“ wird die Frage verhandelt, welche politischen Auswirkungen die 1968er Bewegung hatte und wie stark die Neue Rechte von der 1968er Bewegung inspiriert wurde.

Wolfgang Kraushaar stellt in seinem Referat klar dar, dass zum einen die Rede von einer „1968“er-Bewegung erst um 1980 aufkam, als sich die damalige Jugendbewegung von ihr absetzen wollte. Ausserdem wurde auch erst im Rückblick das Jahr 1968 (mit der Koinzidenz von Pariser Mai und Prager Frühling) zum Bedeutungsträger, davor war es eher das Jahr 1967 gewesen. Zudem weist er darauf hin, dass die 68er-Bewegung nicht ein konkretes politisches Programm verfolgte, sondern stärker als Gegenbewegung agierte (antifaschistisch, antikapitalistisch, antiimperialistisch) und sich an den allgemeinen Vorstellungen orientierte, welche die Vordenker der kritischen Theorie entwickelt hatten. Die Bewegung konnte mit ihren konkreten eigenen politischen Anliegen auch keinen Erfolg erzielen: Sowohl die Notstandsgesetze, als auch die Verhinderung der marktbeherrschenden Stellung des Axel-Springer-Verlages konnten nicht verhindert werden.
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Geschichtstage: Technikgeschichte

Monika Dommann (Uni Zürich) berichtete unter dem Titel „Von der Druckerpresse zum Wissenssystem (1960-1975)“ über die Umbrüche und Automatisierungsprozesse in der Bibliothek. In einem ersten Teil ging es um Siegfried Giedion und das Zeitalter der Mechanisierung. Giedion hat in seinem erstmal 1948 englisch erschienen Buch die Prozesse der Mechanisierung untersucht und – zu einem sehr frühen Zeitpunkt – kritisch analysiert. Der zweite Teil des Vortrages behandelte McLuhan, der 1962 in seinem vielzitierten Buch „The Gutenberg Galaxy“ das (vermeintliche) Ende der Buchkultur beschrieben hat. Den Hauptteil des Referates bildete eine Fallstudie über die Mechanisierung des Abschreibens in der Bibliothek. Dommann ging es dabei um die Frage, wie die Geschichtswissenschaft die Nutzung neuer Medien – hier des Photokopierers – untersuchen kann. Sehr anschaulich zeichnete Dommann die Durchsetzung von Kopiermaschinen im bibliothekarischen Kontext nach und spannte einen weiten Bogen hin zu den aktuellen Copyright-Diskussionen. Nur ein Beispiel: Wenn Photokopien von Aufsätzen den Sonderdruck ersetzen, dann verändert sich natürlich auch das Kommunikationsverhalten von Wissenschaftern. Fazit: Ein schönes Beispiel für den fruchtbaren Zwischenraum zwischen Technikgeschichte, Wissensgeschichte und Bibliothekswissenschaft.

P.S.: Die Tatsache, dass in diesem Panel nur drei Vorträge eingeplant waren, erwies sich als sehr angenehm! Schade, dass dies nicht Standard ist an den Geschichtstagen.

Geschichtstage: Osteuropa

Acht Panels finden heute Nachmittag parallel statt. Ich habe keine Ahnung, wie gleichmässig die Teilnehmer/innen sich auf die einzelnen Räume verteilt haben, aber im Raum 215, wo ich jetzt sitze, herrscht Gedränge. Heiko Haumann, Osteuropahistoriker aus Basel, hat gleich seine ganze Abteilung aufgeboten, um zum Thema „Der unruhige Osten. Umbrüche in Osteuropa während des 20. Jahrhunderts und ihre Bedeutung für Europa“ zu referieren.

Geschichtstage: Eröffnung

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Der erste Eindruck beim Check-in an den Ersten Schweizer Geschichtstagen: Papier, Papier, Papier. Die Zunft der Historiker/innen scheint tatsächlich digitalisierungsresistent zu sein. Dicke Verlagsprospekte, Neuigkeitenverzeichnisse, Probenummern … Dafür herrscht in der Aula gedrängte Enge, von den 500 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern scheint doch ein ansehnlicher Teil den Weg nach Bern bereits heute gefunden zu haben.

In ihrer Begrüssungsrede wies Regina Wecker, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte (SGG), ganz explizit auf die Bedeutung des Internet hin und betonte die Relevanz des geplanten Projektes infoclio.ch, das die SGG zusammen mit der Schweizerischen Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaft lanciert hat.

1. Schweizerische Geschichtstage

Nicht dass ich davon ausgehe, dass hier Werbung für die 1. Schweizerischen Geschichtstage notwendig sein sollten, denn da werden wir ja so oder so alle sein, nicht wahr (500 Anmeldungen ist doch eine respektable Zahl für die kleine Schweiz)? Aber für alle Fälle möchte ich darauf hingewiesen haben, dass unser Panel mit Referenten aus Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich bestückt ist, konsequent zweisprachig geführt wird und ausserdem – falls es klappt – mit einem Podcast dokumentiert werden wird. Aber das soll niemanden davon abhalten, am Samstag in Bern persönlich dabei zu sein! Der Titel: «Digitaler Wandel in den Geschichtswissenschaften – zwischen Theorie und Praxis. Potentiels de l’informatique dans les sciences historiques – entre théorie et pratique».