Der Bielefelder Erziehungswissenschafter Klaus Peter Treumann hat mit seinem Team letztes Jahr den Schlussbericht eines grossen mehrjährigen Forschungsprojekts zum jugendlichen Medienhandeln publiziert.1 Über 3600 Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren wurden darüber befragt, wie sie im Alltag Medien nutzen. Dabei wurden die Fragen nach dem Bielefelder Medienkompetenz-Modell gegliedert: Sie zielten auf instrumentelle Medienkenntnisse, auf Kenntnisse des Mediensystems, auf Medienkritik und Mediengestaltung und zwar in den “alten” Medien ebenso wie in den “neuen”.
Im Ergebnis bestätigt die Studie den Eindruck, den ich im Umgang mit Jugendlichen und Studierenden gewonnen habe: einige können sehr kompetent mit Neuen (und alten) Medien umgehen, andere nicht. Die Kompetenzen sind dabei sehr unterschiedlich verteilt, es gibt also nicht einfach ein Gruppe von Kompetenten und eine von Inkompetenten.
Treumann, Klaus Peter; et al.: Medienhandeln Jugendlicher. Mediennutzung und Medienkompetenz: Bielefelder Medienkompetenzmodell, Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss. 2007. [↩]
Die Nicht-Frage von Kollega Haber zum Eintrag “Digital Secondos – No Net Generation“, was das mit Geschichtswissenschaften zu tun habe, mündete in die konkrete Frage, ob Rolf Schulmeister in seiner Publikation “Gibt es eine Net Generation?” zu den Auswirkungen auf die Hochschullehre Aussagen gemacht habe. Ja, hat er, bzw. haben einzelne Studien und Arbeiten, die er rezipiert1. Dazu noch einige kurze Bemerkungen.
nur zwei Nennungen: 1. Palloff, Rena M./Pratt, Keith: Virtual Student. A Profile an Guide to Working with Online Learners. Jossey-Bass. San Francisco 2003. – 2. Kennedy, Gregor E./Judd, Terry S./Churchward, Anna/Gray, Kathleen/Krause, Kerri-Lee: First year students’ experiences with technology: Are they really digital natives? In: Australian Journal of Educational Technology 2008, 24(1), S. 108-122. [↩]
Während sich Kollege Haber an den politisch brisanten Verhandlungen zur Memopolitik in der Bundeshauptstadt aufhält (und sich live zuschaltet, wenn es etwas Bemerkenswertes zu berichten gibt), habe ich mich auf das ruhige Land zurückgezogen und als Referent am Workshop “e-education” der ICT-Gruppe der SATW teilgenommen. Ich befürchte, dass ich zur Fragestellung des Workshops (“Über welche ICT-Kompetenzen sollen die Lehramts-Studierenden bei Studienbeginn und bei Studienabschluss verfügen, und wie (und von wem) kann dies sicher gestellt werden?”) nicht allzu viel habe beitragen können mit meiner Fallstudie des Einsatzes von ICT in meinen Lehrveranstaltungen. (weiterlesen …)
Das Google seit neustem im Bereich der Mobiltelefonie mitmischt (bzw. nach Meinung verschiedener Medien das Mobiltelefon neu erfindet), sei hier nur der Anlass, auf eine andere interessante Neuerung im Google-Universum hinzuweisen. Seit letzter Woche bietet Google mit OpenSocial eine Möglichkeit für Betreiber von Social Software-Anwendungen, die Daten Ihrer Nutzer/innen einfach von einem Dienst zu anderen zu transferieren.1 Dies kommt einem Paradigmenwechsel im Social-Software-Universum gleich, waren bzw. sind doch Dienste wie Flickr, YouTube, MySpace und dergleichen eher darauf ausgelegt, dass die Nutzer/innen auf immer und ewig an den eigenen Dienst gebunden werden – auch wenn die Nutzungsbedingungen sich verschlechtern oder verteuern (oder beides). (weiterlesen …)
Konkurrent Facebook bietet eine ähnliche Programmierschnittstelle allerdings schon seit geraumer Zeit an. Dort gibt es einige tausend (!) Anwendungen, die sich an die offene Schnittstelle von Facebook anklinken. Dies war vermutlich auch ein Grund für Google, sich hier zu engagieren. Dafür hat sich mit Myspace ein weiterer grosser Anbieter einer Community-Plattform [↩]
Ein wenig spektakulärer Bericht bei CNet über eine neue Funktion einer Social-Web-Anwendung hat mir (wieder mal) das Potential von web 2.0 für wissenschaftliche Anwendungen jenseits allen Hypes gezeigt. Es geht um den Dienst StumbleUpon, der einem im Zufallsmodus Websites vorschlägt, die den bei StumbleUpon mitwirkenden Internet-Nutzer/innen interessant erscheinen. StumbleUpon bietet nun neu ein Addon1 für Internet Explorer und Firefox an, das bei der Nutzung von Google und Wikipedia Informationen der StumbleUpon-Community in die Suchergebnisse, bzw. die Wikipedia-Seite einblendet. (weiterlesen …)
Addon ist ein Stück Software, das die Funktionalität des Firefox-Browsers erweitert [↩]
Ein sehr schöner Kurzfilm von Michael Wesch, dem wir auch den Beitrag zu Web 2.0 (The Machine is Us/ing Us) verdanken (vor einiger Zeit hier besprochen), thematisiert die Veränderung der Handhabung von Information (insbesondere die Strukturierung und Ordnung, aber auch die Generierung und Speicherung), die auf ihre digitale Gestalt zurückzuführen ist. Kernaussage: Da die Informationen keine physikalischen Beschränkungen mehr unterworfen sind, wird die Ordnung der Informationen vielfältiger, flexibler und für jedermann einfacher zugänglich.
Also, wenn dieser Film keine Diskussion auszulösen vermag (Sollen, bzw. können wirklich Tag-Clouds von Laien die Referenzsysteme von Fachexperten ablösen?), dann weiss ich auch nicht mehr weiter. In diesem Sinne wünsche ich dem Film die von Beat Döbeli vorhergesagte “Durchreichung” durch die einschlägigen Blogs. Denn er scheint mir die Kernfrage zu behandeln: wie organisiert die Wissengesellschaft im digitalen Zeitalter ihre Informationen? Verschwinden innerhalb kurzer Zeit die etablierten Kulturtechniken der Suche, die sich auf hierarchische Strukturierungssysteme beziehen, die einem sachlogischen Aufbau folgen und die die Informations-Recherchen entsprechend gliedern, indem sie der eigentlichen Suche die Entscheidung des Suchenden verlangen, welcher Kategorie er sein Themengebiet zuordnet? Die Volltext-Suche legt ja nach dem Trial & Error-Prinzip einfach mal los, die Strukturierung entsteht ja ad hoc beim Akt des Recherchierens aus dem Vorwissen des Suchenden und den Ergebnissen der Suchmaschinen. Es braucht keine hierarchische Struktur mehr, meint Wesch, “the links alone are enough”.
Mag es mir schon etwas ungewohnt vorkommen, dass Nachrufe in Weblogs verfasst werden (und nicht nur wie gewohnt in Zeitungen), so überrascht mich der Weblog thanksroy erst recht (via Historia i Media). Für mitteleuropäische Verhältnisse mag es seltsam anmuten, dass ein Kondolenz-Buch gleich als Weblog veröffentlicht wird. Offenbar haben die amerikanischen Kollegen hier weniger Vorbehalte gegenüber dieser Art des Gedenkens, denn der Weblog ist voll mit sehr unterschiedlichen und persönlichen Einträgen. Ich vermute, dass dieser Weblog eine Einzelerscheinung bleibt, die auf die besondere Rolle Rosenzweigs als Protagonist des digitalen Wissenschaftsbetriebs zurückzuführen ist, und gehe davon aus, dass sich Kondolenz-Blogs nicht so rasch als Formen des Trauerns und Gedenkens etablieren werden. Aber vielleicht irre ich mich auch.
Aus Anlass einer Podiumsdiskussion in Wien, zu der ich als Diskutant eingeladen wurde, habe ich versucht, einige Erkenntnisse aus meiner bisherigen Forschungsarbeit zusammenzufassen. Dabei interessierte mich (ausgehend von der Frage des Podiums nach der Rolle von Hypertext und digitalen Medien im universitären Alltag) als Historiker und Kulturwissenschaftler, ob Nutzungstechniken ausgemacht werden können, die die den digitalen Medien inhärent sind, also nicht von anderen Medien (etwa Büchern oder elektronischen Medien) auf die digitalen Medien übertragen werden. Natürlich interessiert mich als Didaktiker die Frage, ob daraus Schlussfolgerungen für E-Learning-Szenarien gezogen werden können. (weiterlesen …)
Jonas Wegener von histucation hat unter dem Stichwort “Zeitleisten im Web 2.0” einige Projekte vorgestellt, die einen web-2.0-Zugang zur Geschichte anstreben. Auf Webplattformen sollen registrierte Nutzer ihre persönlichen Erlebnisse entlang einer Zeitleiste eintragen. Denkt man dies zu Ende, gäbe dies eine komplette Erfassung aller Ereignisse, die Menschen auf der Welt erleben und für wichtig erachten. Einerseits ein riesiger Fundus für die Geschichtswissenschafter, andererseits aber auch Ausdruck des Traums von der zugleich “totalen” und “individualisierten” Geschichte. (weiterlesen …)
In der deutschsprachigen Wikipedia ist vor einigen Tagen ein hübsches Portal zum Thema Archivwesen aufgeschaltet worden. Zur Vorgeschichte dieses Portals schrieb der Churer Professor für Archivwissenschaft Niklaus Stettler in der bibliothekarischen Fachliste SWISSLIB: «Im Jahre 2004 erhielt der Ausschuss e-Archiv des VSA vom Verbandsvorstand u.a. den Auftrag, das Verständnis für die Archivierung als ganzheitliche Aufgabe zu fördern und dazu insbesondere ‘Konzepte und Pläne für ein gesamtschweizerisches Archivportal’ zu entwickeln.» Der Ausschuss entwickelte ein dreiteiliges Konzept: Zum einen sollte das Portal Zugang zum allgemeinen theoretischen und praktischen Archivwissen gewährleisten, zum zweiten sollte das Portal Zugang zu den einzelnen Archiven vermitteln und drittens schliesslich sollte das Portal auch Zugang zu den Archivalien gewährleisten. Diese Wunschliste, so Stettler, erwies sich als zu ambitioniert.
Es ist vor allem dem grossen Einsatz des Luzerner Archivars Markus Lischer zu verdanken, dass die ursprünglichen Pläne nun auf Wikipedia zumindest in einer redimensionierten Version haben realisiert werden können. Beteiligt war auch ein Team von Stettler. In einem Projektkurs hat er zusammen mit seinen Studierenden eine Ontologie zum Archivwesen erarbeitet und auf dieser Grundlage das nun aufgeschaltete Portal realisiert.