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Wikipedia. Ein Web 2.0-Projekt, das eine Enzyklopädie sein möchte

Obwohl sich in den letzten Jahren mit der sogenannten Wikipedistik ein eigentlicher Forschungszweig rund um Wikipedia etabliert hat und in diesem Bereich auch internationale Kooperationen bestehen, scheint im konkreten Umgang mit dem Phänomen Wikipedia – insbesondere was die Schulen betrifft – noch immer grosse Verunsicherung zu herrschen: Darf man aus der Wikipedia zitieren? Eignen sich die Texte als Einstiegslektüre? Wie zuverlässig sind die historischen Fakten und Daten, die man in der Wikipedia findet? Und: Gibt es eine Möglichkeit, die Zuverlässigkeit einzelner Einträge zu überprüfen?

Die Auseinandersetzungen um diese und noch weitere Fragen rund um Wikipedia halten nun schon seit Jahren an und ein Ende scheint sich noch nicht abzuzeichnen. Schule und Universität versuchen zwar, zunehmend pragmatisch auf Wikipedia zu reagieren, aber beantwortet wurden die Fragen eigentlich erst ansatzweise. Die Fragen werden auch hier nicht eine Antwort finden. Ziel dieses Beitrages ist es vielmehr, einen möglichen Rahmen für die Diskussionen rund um Wikipedia zu definieren und auf aktuelle Probleme des Phänomens Wikipedia im Zusammenhang von Schule und Universität hinzuweisen.
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Wikipedia und wie die Welt vor die Hunde geht

agora

Starker Tobak für die Wikipedianerinnen und Wikipedianer: Auf der Liste der weltweit am häufigsten aufgerufenen Websites wurde Wikipedia kürzlich ausgerechnet von Facebook überholt und rutschte auf Platz 5 ab.

Nach Angaben von Erick Schonfeld auf TechCrunch sieht die aktuelle Liste (Stand Juni 2009) folgendermassen aus; gezählt wuden eindeutige Besucher, sog. «unique visitors»:

1. Google Sites: 844 million
2. Microsoft Sites: 691 million
3. Yahoo! Sites: 581 million
4. Facebook: 340 million
5. Wikimedia Foundation sites: 303 million
6. AOL: 280 million
7. eBay: 233 million
8. CBS Interactive: 186 million
9. Amazon: 183 million
10. Ask Network: 174 million
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«Nachschlagewerk Internet?»

Die Kollegen in Potsdam vom Projekt Doucpedia Zeitgeschichte planen eine interessante Veranstaltung am 16. April, auf die wir gerne verweisen möchten: «Unter Wissenschaftlern und Studierenden ist die Nachfrage nach verlässlichen, schnell verfügbaren Einstiegstexten für das wissenschaftliche Arbeiten nach wie vor groß. In diesem Bereich herrschten bislang Bibliotheks- und Verlagsangebote vor, es spielen jedoch zunehmend auch freie Plattformen wie die Wikipedia oder Online-Angebote von Forschungseinrichtungen eine Rolle. So übt der anhaltende Erfolg der freien Enzyklopädie Wikipedia derzeit erheblichen Druck auf alle Anbieter redaktionell verantworteter Nachschlagewerke aus, unabhängig ob sie im print oder online erscheinen. Und im Rahmen des Projekts Docupedia-Zeitgeschichte entsteht ein Online-Portal mit Einführungstexten namhafter Autoren in Kombination mit Materialsammlungen zu Methoden, Theorien und Debatten der zeithistorischen Forschung.»

«Am Anfang ist das Wort» – Ausstellungseröffnung

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Am letzten Donnerstag ist die Ausstellung „Am Anfang ist das Wort. Lexika in der Schweiz“ (wir berichteten bereits davon) mit einer Vernissage eröffnet worden, an der gut 200 Personen nicht nur den Ansprachen von Marie-Christine Doffey, Direktorin der Schweizerischen Nationalbibliothek, Marco Jorio, Chefredaktor Historisches Lexikon der Schweiz, Peter Erismann und Andreas Schwab, Kuratoren der Ausstellung, sowie Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss lauschten, sondern auch mit Interesse die Ausstellung begutachteten, die sich auf bemerkenswerte Weise der Herausforderung gestellt hat, eine „undinglichen“ Vorgang wie die Herstellung eines Lexikons zu präsentieren.

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Das Buch der Woche: Wikipedia goes Foucault!

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Aufmerksame Leser unseres Weblogs werden es ja schon gemerkt haben: Während Kollege Hodel sich immer mehr in die didaktischen Sphären der neuen Netzwelten einarbeitet, widme ich mich seit einiger Zeit vermehrt dem intermedialen Crossover – sprich: dem Medium Buch im digitalen Zeitalter.

So kam mir unlängst – nach einem längeren Streifzug durch die Freihandmagazine unserer Universitätsbibliothek – die Idee, die Rubrik «Das Buch der Woche» hier einzuführen.

Sinn und Zweck dieser neuen Rubrik soll es nicht sein, mit ausführlichen Fachrezensionen bestehende Organe wie H-Soz-u-Kult oder Sehepunkte zu konkurrieren, vielmehr möchte ich in regelmässiger Folge und in kurzer Form auf Bücher hinweisen, die etwas abseits der grossen akademischen Felder liegen, Bücher, die mir besonders gefallen oder die mich besonders aufgeregt haben, Bücher, die man leicht übersieht oder die man einfach gelesen haben muss.

Und so möchte ich mit einem kleinen Büchlein beginnen (entstanden aus einer Magisterarbeit an der TU Chemnitz), das sich Wikipedia widmet und sich dabei einem innovativen Ansatz verschrieben hat: Mit Hilfe des Diskurskonzeptes von Michel Foucault untersucht Pentzold Wikipedia als Informationsspeicher und Diskursplattform. Damit wird die von den Wikipedianern imaginierte und mit viel Aufwand immer wieder beschworene Traditionslinie zurück zur Encyclopédie von Diderot und d’Alembert bewusst ignoriert und Wikipedia gleichsam gegen den Strich gelesen. Im Mittelpunkt der Studie steht die Beschreibung von «Aushandlungsprozessen bei der Verfertigung geteilten Wissens», was an zwei Beispielen untersucht wird. Eine innovative Arbeit, die hoffentlich die etwas frischen Wind in dier verfahrene Wikipedia-Diskussion der letzten Monate bringen wird.

Pentzold, Christian: Wikipedia. Diskussionraum und Informationsspeicher im neuen Netz, München 2007 (= Internet Research; 29).

www.mythos-wikipedia.com

Unter diesem schönen Titel findet man das Weblog zu einem medienpädagogischen Seminar an der Universität Augsburg, das sich mit dem Phänomen Wikipedia auseinandersetzt. Die ersten beiden Beiträge verweisen auf zwei solide Beiträge von je rund zehn Seiten zu den Themen «Enzyklopädien – Von den Anfängen bis in die heutige Zeit» und «Die Entwicklung und die Technologie von Wikipedia». Exakt diesen beiden Themen widmete sich auch die gestrige Sitzung meines Seminars «Zur Medienkultur des Netz-Wissens».

c’t testet und vergleicht Wikipedia

Die Zeitschrift c’t vergleicht in der Ausgabe 6/2007 die Enzyklopädien Bertelsmann, Brockhaus multimedial premium, Encarta und Wikipedia. Bei allen wurden die Tester bei der Suche nach Mängeln fündig, aber im allgmeinen erhalten alle untersuchten Enzyklopädien gute Bewertungen. Dabei steht Brockhaus an der Spitze und die Bertelsmann Enzykopädie am Ende. Das abschliessende Urteil zu Wikipedia lautet wie folgt:

Neben vielen hervorragenden Texten finden sich in der Wikipedia aber dennoch Artikel mangelhafter Qualität. Zum einen sind dies solche, die einfach zu stark unter Redundanz, unwichtigen Details oder fehlender Gliederung leiden. Zum anderen kommt es in Artikeln sämtlicher Wissensgebiete vor, dass die persönliche Sicht eines Autors durchscheint.

Dieser Einschätzung können wir uns anschliessen – und haben uns in der Vergangenheit in ähnlicher Weise bereits geäussert. (mehr …)

Collection «Le Savoir Suisse»

Heute Nachmittag bei einem Spaziergang in Genf in der Buchhandlung Payot entdeckt: Le Savoir Suisse, eine hübsch gemachte Buchreihe, die mit dem Anspruch antritt, das Wissen der Schweiz in ein paar Dutzend kleinen, handlichen Büchlein abzubilden. Natürlich mit einem Augenzwinkern. Und vielleicht – aber das ist nur eine Vermutung – mit einer stillschweigenden Referenz auf die Abenteuer der Encyclopédie der Société Typographique de Neuchâtel, die Robert Darnton so wunderbar beschrieben hat …?