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Digitale Immigranten, zwitschernde Eingeborene und die Positivismusfalle

Beim Umgang von Historikerinnen und Historikern mit dem Netz können wir einen interessanten Wandel beobachten: Grundsatzkritik an der Verwendung des Netzes in geschichtswissenschaftlicher Lehre und Forschung findet sich kaum mehr. Noch vor gut zehn Jahren war das anders. Da waren die Bedenkenträger nicht zu überhören, die das Netz für die (Geistes-)Wissenschaften als unnütz und unnötig einstuften und entschlossen waren, dieses vermeintlich kurze technische Intermezzo auszusitzen – Vertreter vor allem der älteren Generation, die sich schon mit der Einführung des Personal Computers seit den 1980er-Jahren schwertaten. Heute geht es vielmehr um die Frage, in welchen Bereichen und mit welchen Fragestellungen das Netz in den Forschungs- und Lehralltag zu integrieren ist.
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OT: Konvergenz, Divergenz und die Zukunft des Service Public bei Radio und Fernsehen

Heute morgen erschien in der besten aller Basler Zeitungen ein Bericht von Christian Mensch über die aktuelle Debatte rund um die geplante Konvergenz von Radio und Fernsehen bei der öffentlich-rechtlichen SRG. Konvergenz? Konvergenz ist heute ein Schlüsselwort in der Medienpolitik und meint die Zusammenführung von Radio, Fernsehen und Onlinemedien unter einem gemeinsamen (digitalen) Dach.

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Fünf Merkmale digitaler Medien

Was heisst eigentlich «digital»? Im Kopf dieses Weblogs steht «Weblog zu Geschichte und Digitalen Medien» und in meinem Forschungsprojekt geht es um die «Geschichtswissenschaften im digitalen Zeitalter». Was also heisst «digital»?

Mein erster Computer war nicht nur digital, sondern er hatte auch den Anspruch, mir das Prinzip der Digitalität zu erklären. Auf der Packung stand:

Jeder kann ohne Schwierigkeit ein elektrisches Schaltgerät zusammensetzen, mit dem man das wesentliche Prinzip kennenlernt, nach dem auch die grössten Computer arbeiten.

Der Kosmos Spielcomputer LOGIKUS (siehe Bild!) war ein simpler, steckbarer Computer, den man als Tischrechner, Geheimschriftenübersetzer oder als «Intelligenztestgerät» (gemäss Packungsaufdruck) einsetzen konnte. Der LOGIKUS veranschaulichte mir und wohl einer ganzen Generation von technikbegeisterten Schülern, welche Auswirkungen das Dualsystem hatte.

In seinem Buch «The Language of New Media» hat Medientheoretiker Lev Manovich wesentlich präziser beschrieben, was Digitalität – hier im Kontext von Medien – bedeutet und hat fünf Merkmale digitaler Medien herausgearbeitet:

  • Numerische Repräsentation: Mit numerischer Repräsentation bezeichnet Manovich die Tatsache, dass in medialen Medien alle Objekte mathematisch beschreibbar und damit quantifizierbar werden. Ein digitales Photo zum Beispiel wird durch seine Auflösung, das heisst die Anzahl Bildpunkte («Pixel») pro Fläche bestimmt, ein Film durch die Anzahl Bilder pro Sekunde. Bei der Photographie konfiguriert die Auflösung den photorealistischen Effekt, da mit einer zu geringen Auflösung das Bild vom menschlichen Auge als «pixelig», das heisst als nicht-realistisch wahrgenommen wird.
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