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Der unverschämte Buchhandel oder: Wieso ich Bücher nur noch bei Amazon bestelle

Ich wollte heute ein paar Bücher bestellen und entdeckte ein besonders stossendes Beispiel, wie Grossbuchhandlungen versuchen, auf Kosten der Leserinnen und Leser abzusahnen.

Es geht um das Büchlein von Jörg Baberowski «Der Sinn der Geschichte: Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault», erschienen 2005 bei C.H.Beck. Amazon gibt einen Verkaufspreis von Euro 12,90 an. Wenn ich das Buch aus der Schweiz bestelle, dann zieht mir das System automatisch 84 Cent Mehrwertsteuer ab, das ergibt einen Verkaufspreis von Euro 12,06. Zur Zeit verkauft Amazon Bücher in die Schweiz mit einem Sonderrabatt und zieht mir nochmals Euro 1,74 ab. Meine Kreditkarte wird also mit Euro 10,32 belastet, was nach aktuellem Kurs 12.79 Franken entspricht. Wen ich dann noch die Kreditkartengebühr von 1,5 Prozent dazu zähle, dann kostet mich das Buch 12.98 Franken (und rund eine Woche Wartezeit).
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Historische Lehrbücher und Überblicksdarstellungen



Historische Lehrbücher haben ebenso wie Überblicksdarstellungen einen schweren Stand auf dem Markt der wissenschaftlichen Publikationen. Weder mit der einen noch mit der anderen Textsorte lassen sich im Feld der professionellen Geschichtsschreibung besonders viele Meriten verdienen. Immer noch haftet dieser Textgattung scheinbar der Makel an, keine „richtige“ Forschungsleistung zu sein und mehr den Fleiss der Autoren widerzuspiegeln als Ausdruck ihres wissenschaftlichen Könnens zu sein.
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Salami-Wissenschaft oder die Unverschämtheit der Verlage

Zu den hervorstechenden Merkmalen des Buchdruckes gehört die Tatsache, dass ein Buch eine gewisse Persistenz aufweist, schrieb Elisabeth Eisenstein bereits 1983 in ihrem berühmten Buch «The printing revolution in early modern Europe». Einige Verlage scheinen das mit der Persistenz offenbar missverstanden zu haben oder sie gehen davon aus, dass sie ihre Leser für dumm verkaufen können.

2003 erschien beim Verlag J. B. Metzler ein von Ansgar und Vera Nünning herausgegebener Sammelband mit dem Titel «Konzepte der Kulturwissenschaften». Fünf Jahre später erscheint von den gleichen Herausgebern im gleichen Verlag ein Buch mit dem Titel «Einfühung in die Kulturwissenschaften».

Titel, Umschlag und ISBN sind verschieden und suggerieren, dass es sich um ein neues Buch handelt. Dieser Eindruck wird noch versärkt durch ein fünfseitiges Vorwort, in dem gut sichtbar Fundstellen aus den Jahren 2004 und 2008 eingestreut sind. Wer aber weiterblättert, traut seinen Augen nicht. Die Seiten 1 bis 392 sind vollkommen identisch, auch der Umbruch wurde beibehalten, lediglich die Kopfzeie ist in der Ausgabe 2008 etwas modernisiert worden. Im Impressum findet sich kein Hinweis darauf, dass es sich um eine Neuauflage handelt und auch im Vorwort steht nur im letzten Satz ein verschämter Hinweis dazu.

Besonders irreführend: Da offenbar an den Satzdaten wirklich rein gar nichts verändert wurde, danken die Herausgeber in der ersten Fussnote des einleitenden Kapitels «allen Kolleginnen und Kollegen, die die Originalbeiträge für diesen Band geschrieben haben»! Peinlich auch dies: Auf seiner Publikationsliste führt Ansgar Nünning dieses Buch dann plötzlich als «aktualisierte Neuauflage» der Ausgabe von 2005 auf. Wie bitte? Sind – gerade bei diesem Thema – fünf Seiten Vorwort ausreichend, um diesen Nachdruck als «aktualisierte Neuauflage» zu verkaufen?

Egal ob diesen Etikettenschwindel der Verlag oder die Herausgeber zu verantworten haben: Kein Wunder befindet sich der wissenschaftliche Buchmarkt in einer Krise

In der Wissenschaftsforschung kursiert übrigens seit einiger Zeit der Ausdruck «Salami-Wissenschaft». Gemeint ist der Umstand, dass Forschungsergebnisse mehrmals publiziert oder aber aufgeteilt in kleine Häppchen publiziert werden, um die eigene Publikationsliste zu strecken. Die Zeitschrift Nature hat sich einmal die Mühe gemacht, den Kosten dieser Salami-Publiziererei nachzugehen.