weblog.hist.net

Wie ein Buch entsteht

Wer heute ein Buch schreibt und dann das Manuskript einem Verlag übergibt, kriegt zumindest einen Teil des weiteren Arbeitsprozesses recht gut mit. Als Autor ist man verpflichtet, das Manuskript entweder gleich druckfertig oder dann doch in einer Form abzuliefern, die eine automatische Übernahme in das Satzsystem ermöglicht. Umfangreiche Styleguides oder – im besseren Fall – ausgefeilte Formatvorlagen helfen dem in typographischen Angelegenheiten zumeist unbedarftem Autor über die Runden.

Was dann geschieht, ist aber weitestgehend eine Blackbox. Irgendwann kommen die Fahnen, dann das fertige Buch. Wie es früher war, zeigt ein wunderbarer Film der Encyclopædia Britannica Films Inc. aus dem Jahre 1947.

Via vöbblog

Leseliste zu «Die zwei Körper des Buches. Zur Persistenz eines kulturellen Symbols»

Wiederum auf Wunsch oder vielmehr Anregung von Professor Hodel verlinke ich gerne die Lese- und Literaturliste zum noch laufenden Seminar «Die zwei Körper des Buches. Zur Persistenz eines kulturellen Symbols» am Historischen Seminar der Universität Basel.

Klaus Wagenbach wird 80. Wir gratulieren

Geschichte studieren in den 90er Jahren ohne die wunderbaren Bücher aus dem Wagenbach Verlag – das war schier undenkbar.

Kult waren insbesondere die schmalen Bände aus der Kleinen Kulturwissenschaftliche Bibliothek. Peter Burke, Carlo Ginzburg, Stephen Greenblatt, Pierre Nora, Roy Porter, Pierre Bourdieu, Yosef Hayim Yerushalmi, Abi Warburg, Natalie Zemon Davis, Krzysztof Pomian, Arnaldo Momigliano – das meiste von dem, was «man» damals «bei uns im Haus» am Hirschgässlein so gelesen hatte, stammte von Wagebach. Wagenbach bot aber noch viel mehr: gute, vor allem italienische, Belletristik, politische Literatur und immer wieder bibliophile Glanzleistungen.

Wir gratulieren Klaus Wagenbach in Dankbarkeit zu seinem 80 Geburtstag und freuen uns auf viele weitere spannende Bücher aus Berlin.

Wynken de Worde: Geschichtsblog des Monats Dezember 2008

wynkendeworde

Wir nehmen die Verleihung der Cliopatra-Awards für die besten Geschichtsblogs zum Anlass, den Titelträger der Rubrik „best new blog“ als Geschichtsblog des Monats vorzustellen. Wynken de Worde befasst sich mit der Buchgeschichte, ursprünglich mit jener der frühen Neuzeit, daher trägt das Weblog den Namen von Wynken de Worde (auch bekannt als Wynkyn de Worde), einem Buchdruck-Pionier im England des 15. Jahrhunderts. Im Weblog stellt Sarah Werner, ihres Zeichens «Director of the Undergraduate Program at the Folger Shakespeare Library» an der Georgetown University in Washington (D.C.), auch allgemeinere Überlegungen zu den wesentlichen Eigenschaften des Buches und seiner Rolle im digitalen Zeitalter an.

(mehr …)

Typographische Persistenz im digitalen Zeitalter

Elizabeth Eisenstein hat in ihrem epochalen Werk über die Erfindung des Buchdruckes die «typographische Persistenz» als eines der wesentlichen Merkmale des Buch-Zeitalters bezeichnet. Der Buchdruck schuf eine neue Stabilität des Wissens und die moderne Technik der Reproduktion ersetzte im «Typographeum» (Michael Giesecke) die handschriftlichen Unikate durch ubiquitär verfügbare Wissensspeicher mit identischem Inhalt.
(mehr …)

Erschienen: Architexturen einer Grenzregion

Vor kurzem ist der Band «Architexturen einer Grenzregion. Medien und Kommunikation am Oberrhein» erschienen. Das Buch ist das Ergebnis einer Tagung, die im Mai 2007 in Basel statt fand, und die gemeinsam vom Deutschen Seminar und dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Basel, der Hochchule für Kunst und Gestaltung Basel sowie der Regio Basiliensis organisiert wurde.

Dabei ging es um eine Archäologie der Gegenwart, das heisst, um die Frage, was wissen wir über die Mittel und Inhalte, die die Architektur einer ‚oberrheinischen Öffentlichkeit’ heute bestimmen? Und es ging um die Frage, ob diese Mittel und Inhalte geeignet sind, die Gestaltung zukünftiger Kommunikations- und Kulturräume zu beeinflussen.

Aus dem Inhalt: Frank Haase: Medien und Kommunikation am Oberrhein; Peter Haber: Archäologie des Buchdrucks; Karin Drda-Kühn: Neue Informationstechnologien: Chancen für den europäischen Medien- und Kulturraum und Niggi Ullrich: Abschied von den Medien – Herausforderung für die Kulturförderung.

Die vollständigen bibliographischen Angaben:

Haase, Frank / Jacob, Eric (Hrsg.): Architexturen einer Grenzregion. Medien und Kommunikation am Oberrhein, München 2008.

Die letzten Zuckungen eines maroden Marktes?

buchzentrum.jpg

Vor einigen Tagen ist in inetbib eine heftige Diskussion über den Verlag Dr. Müller oder auch VDM-Verlag (was ja schon Unsinn ist, wenn doch „Verlag“ in der Abkürzung enthalten ist) entbrannt. Dieser Verlag produziert jährlich Hunderte Bücher von zum Teil fragwürdigster Qualität und verkauft sie zu haarsträubenden Preisen an wissenschaftliche Bibliotheken. Zu den zahllosen Schwerpunkten des Verlages gehört auch der Bereich Bibliothekswesen. Die Mehrheit der Arbeiten basiert auf Diplomarbieten und erfüllt nur selten die Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit.

Eric Steinhauer, promovierter Jurist und Bibliotheksrat an der Bibliothek der Technischen Universität in Ilmenau/Thür, hat in seinem Weblog Skriptorium das Thema aufgegriffen und den Büchermarkt für Diplomarbeiten kurz skizziert (übrigens: ein äusserst lesenswertes Weblog!)

Mein Eindruck ist, dass im wissenschaftlichen Büchermarkt, der alles in allem äusserst marode ist, nun so eine Art von letzte Schlachtenrunde läuft. Bevor der Markt endgültig zusammenbrechen wird, versuchen einige Verlage noch einmal so viel Geld wie möglich abzuschöpfen. Mit dem bevorstehenden Kollaps meine ich übrigens weder die populärwissenschaftlichen Bücher noch den Bereich, der in einer internationalen Liga spielt, sondern den Niedrigstauflagenbereich von Sammel- und Tagungsbänden, Dissertationen und Diplomarbieten, der nur Dank DFG- und SNF-Geldern überleben kann.

Einen schönen Einblick in das Feld der geschichtswissenschaftlichen Buchproduktion gewährt der Sammelband (ja, manchmal gibt es auch gute …) von Olaf Blaschke und Hagen Schulze:

Olaf Blaschke / Hagen Schulze (Hg.): Geschichtswissenschaft und Buchhandel in der Krisenspirale? Eine Inspektion des Feldes in historischer, internationaler und wirtschaftlicher Perspektive, München: Oldenbourg 2006

Eine kurze Rezension des Buches gibt es bei sehepunkte.

Medium Buch. Buchgeschichte(n) aus Basel: Das Buchzentrum

buchzentrum.jpg

Bücher, Bücher, nichts als Bücher. Gegen vier Millonen Bücher lagern im Buchzentrum in Hägendorf bei Olten. Vier Millonen Bücher, das ist mehr, als die Universitätsbibliothek Basel in ihren Magazinen stehen hat. Im Buchzentrum werden die Bücher aber palettenweise gelagert, denn hier befindet sich der grösste Buch-Zwischenhändler der Schweiz.

Das Buchzentrum wurde vor 125 Jahren als Selbsthilfeorganisation der Buchhändler gegründet und erfüllt heute zwei Funktionen. Einerseits ist es die Verlagsauslieferung für die Schweiz von rund 400 Verlagen. Und zugleich ist das Buchzentrum auch ein sogenannter Barsortimenter, das heisst, das Buchzentrum kauft bei den Verlagen auf eigenes Risiko Bücher ein und liefert sie mit einer ausgeklügelten Logistik an die Buchhandlungen in der Schweiz. Endkunden können beim Buchzentrum nicht bestellen, denn damit würde man die Buchhandlungen, denen das Buchzentrum immer noch zu einem grossen Teil gehört, kannibalisieren.

Die heutige Exkursion im Rahmen des Kurses «Medium Buch. Buchgeschichte(n) aus Basel» bescherte uns eine fundiert Einführung in Geschichte und aktuelle Lage des Buchmarktes sowie einen eindrucksvollen Rundgang durch das Herzstück des schweizerischen Buchmarktes. Weitere Bilder gibt es auf Flickr, mehr Hintergrundinfos zum Thema in unserem Wiki und die bisherigen Weblog-Einträge zum Kurs können hier aufgerufen werden.

Forum Buchkultur in Basel

buchkultur550.jpg

Während wir uns dem «Medium Buch» widmen, widmen sich andere der «Buchkultur». Das freut uns, auch wenn sich die Termine ein wenig überschneiden, so wie zum Beispiel heute leider, als Prof. Lucas Burkart über «Wissensspeicher Buch» sprach. Am 13. Dezember wird Wolfgang Hagen zum Thema «Es gibt kein digitales Buch!» sprechen. Wir sind gespannt. Das ganze Programm steht hier zum Download bereit.

Das Buch am Ende? Am Ende das Buch!

buecher550.jpg

Die westliche Kultur ist stark geprägt vom Medium Buch. Seit dem Aufkommen des World Wide Web mehren sich jedoch Stimmen, die das Ende des Buches kommen sehen.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Medium Buch. Buchgeschichte(n) aus Basel» des Instituts für Medienwissenschaft und des Historischen Seminars diskutieren Buchexperten über Überlebenschancen des Mediums Buch in einer digitalen Gesellschaft und über Nutzen und Nachteil einer interdisziplinären Buchwissenschaft.

Diskussionsteilnehmer
Dr. Urs Breitenstein, bis Ende November Verleger des Schwabe Verlages und Präsident des Schweizer Buchhändler- und Verleger Verbandes SBVV | Hannes Hug, Direktor der Universitätsbibliothek Basel | Dr. Uwe Jochum (Konstanz), Autor zahlreicher Bücher zur Buch- und Bibliotheksgeschichte | Martin Kluge, Leiter Abteilung Wissenschaft im Schweizerischen Papiermuseum Basel und Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Universität Basel | Prof. Dr. Christoph Tholen, Vorsteher Institut für Medienwissenschaft der Universität Basel.

Datum
Donnerstag | 20. Dezember 2007 | 16:15 bis 18:00

Ort
Kollegiengebäude der Universität Basel | Hörsaal 119

Moderation
Dr. Peter Haber

Programm als PDF