weblog.hist.net

«Web 2.0 und Geschichtswissenschaft» in Siegen (III): Nachlese

siegen2

Rüdiger Hohls hat im Docupedia-Blog einen ausführlichen Kommentar zum Thema der Siegener Tagung veröffentlicht. Darin geht er auf verschiedene grundsätzliche Probleme der Tagung ein: So stellt er die Frage (die ich mir auch gestellt habe), wieso es im Titel der Tagung «Geschichtswissenschaft» und nicht «Geschichte» oder wenigstens «Geschichtswissenschaften» geheissen hat. Mit «Geschichte» hätte man das Feld von Anbeginn öffnen und auf die in Siegen sehr präsenten Themenfelder Geschichtsvermittlung und «laienhistorisches Engagement» mit einbeziehen können, «Geschichtswissenschaften» indes hätte die «epochalen, regionalen und thematischen Spezialisierung[en]» des Feldes angemessener berücksichtigt.
(mehr …)

OT: Spitze

another_montblanc

Seien es polemische Spitzen, spitze Bemerkungen, zugespitzte Argumentationen und Spitzfindigkeiten von Spitzenbloggern oder unbeteiligte Bergspitzen in (angesichts der aktuellen sommerlichen Temperaturen vermutlich für kühle Kopftemperaturen sorgende) luftigen Höhen: Unser Statistik-Programm, dass die Auswertung der Zugriffe auf unseren Blog betreut, hat sich gestern darüber gefreut, sich für einmal in andere (höhere) Sphären vorwagen zu dürfen. Wir finden diese Spitzenresultat, nun – einfach Spitze, und (ohne es auf die Spitze treiben zu wollen) halten fest: Wenn zwei sich streiten, freuen sich die Dritten, und klicken bis zum Abwinken.

Man könnte es auch nüchterner formulieren: sobald uns Kollega Graf vom vermutlich bestbesuchten historischen Blog des deutschen Sprachraums mit einer Verlinkung beehrt, schnellen unsere Zugriffszahlen in die Höhe. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob wir Gegenstand einer spitzen, abmahnenden Bemerkung werden, oder ob uns Herr Graf einfach nur Spitze findet (was ab und an vorkommen soll).

Mehr Witz zum Spitz fällt mir nicht mehr ein. Die Kommentarspalten sind geöffnet.

Ignore the Charts…!?

Ignore the Charts

Was sollen wir tun? Die Zugriffszahlen auf unseren Weblog steigen und steigen – aber unsere Platzierung in den Wissenschafts-Blogcharts ist seit März 2008 (damals Platz 14!) kontinuierlich gesunken. (mehr …)

«The making of» oder Weblogs als sekundäre Medien

Die Redaktion der Tagesschau betreibt ein offenbar recht erfolgreiches Weblog, viele andere klassische Medien machen das auch. Dort berichten Redakteure über ihren Alltag, über Recherchen, Frust und Hintergründe ihrer Arbeit. Ein klassischer «Making of»-Kanal also. Vielleicht würde der Begriff der «sekundären Medien» hier passen.

Auch unser Weblog ist letzlich nicht viel mehr, als ein «Making of»: Während Kollega Hodel mit viel Schwung und Elan an seiner Dissertation arbeitet, versuche ich mich auch gerade an einem allerdings eher theoretisch ausgerichteten Text zum Thema «Geschichtswissenschaft im digitalen Zeitalter». Beide dokumentieren wir hier im Weblog gewissermassen unsere Streifzüge durch das Netz und durch die Bibliotheken, zeigen Fundstücke, die wir am Wegesrand gefunden haben, stellen Thesen und Theorien zur Diskussion. Das Weblog ist unser sekundäres Medium zum Primärmedium Buch, wo unsere Arbeiten schliesslich (demnächst) enden werden.

Damit agieren wir im Feld der Geisteswissenschafter und Geistesarbeiter eher atypisch. Geisteswissenschafter sitzen, so will es zumindest das Klischee, in ihrem Elfenbeinturm, brüten über den Büchern und Akten, die sie in Archiven und Bibliotheken ausgegraben haben, und schreiben dann, inspiriert alleine vom Geist der alten Papiere, ihren Text, Geniussen gleich, solitär und singulär.

Die Realität ist eine andere. Wir werden permanent geflutet von Informationen, wissenschaftlichen, halbwissenschaftlichen, pseudowissenschaftlichen, unwissenschaftlichen, von Medienberichten und Konferenzen, H-Soz-u-Kult-Mails und Weblogs. Kein Gedanke, den wir zu Papier bringen (oder zuerst auf den Bildschirm) ist unserem genialen Geiste allein entsprungen. Immer ist eine Assoziationskette, angelesenes Wissen, Erfahrung dabei.

Die Blogosphäre, die wissenschaftsaffine zumal, ist dabei ein besonderer Tummelplatz. Hier kämpfen zumeist institutionell schlecht verankerte Nachwuchsforscher um Aufmerksamkeit und versuchen, vom wervollsten Kapitel der Netzreisenden, von der Zeit, etwas zu ergattern. Sie tun dies in aller Regel in der Hoffnung, dabei indirekt auf dem gesicherten Boden der Offline-Welt mehr Standfestigkeit zu erhalten.

Das «Making of» hat dabei etwas Exhibitionistisches. Es lebt vom Reiz, dass die verbreiteten Informationen meist um eine imaginäre Scham- und Anstandsgrenze von Academia oszillieren.

Heute sind wissenschaftliche oder wissenschaftsaffine Weblogs eine Randerscheinung, eine quantité negligeable in jeder Hinsicht. Das könnte sich indes bald ändern und einiges spricht dafür, dass in wenigen Jahren, wenn die zweite Internet-Generation die Hörsäle füllt, die kulturellen Praxen im Umgang mit Öffentlichkeit und Wissen sich nochmals grundlegend ändern werden.

Geschichte schreiben mit Google

Google bietet nicht nur Goethe-Ausgaben aus dem Jahre 1659 an, sondern auch eine Timeline, die hilft, gefundene Einträge von Google News chronologisch darzustellen. Dass dieses gerade für die Geschichtswissenschaften eigentlich interessante Spielzeug noch nicht wirklich brauchbar ist, zeigt ein einfacher Versuch mit dem Begriff Wikipedia.

Wer gedacht hat, dass man auf diese Weise die Berichterstattung über Wikipedia recherchieren könnte, wird enttäuscht. Was hier angezeigt wird, ist ein krudes Durcheinander von Wikipedia-Einträgen, Wikipedia-Berichten und sonstigen News-Meldungen.

Wir dürfen gespannt sein, wann die ersten Seminararbeiten eintrudeln, die uns mit Hilfe der Google’schen Timeline die Geschichte neu erklären werden …

Für etwas präzisere News-Recherchen empfehlen wir übrigens das Archiv der Times, das neuerdings die Jahrgänge 1785 (!) bis 1985 frei zugänglich anbietet. Da hat es sich dann ausgegoogelt.

P.S.: Den Hinweis auf die Timeline entnahmen wir der wunderbaren Polemik von Peter Glaser, in der er einen unglaublich arroganten und fast schon bewundernswert ignoranten FAZ-Schreiberling namens Marco Dettweiler (Kürzel „made“) nach allen Regeln der Kunst herunterputzt. Wir finden: Lesenswert (inklusive Kommentare) weil es die panische Angst des traditionellen Journalismus vor der Blogosphäre anschaulich illustriert. Peter Glaser ist übrigens beim elektrischen Reporter in zwei sehr informativen Beiträgen auch als Oral History-Zeitzeuge zu den Anfängen des Internet zu geniessen (Teil 1, Teil 2).

Chronologs: Geschichtsblog des Monats April 2008

Chronologs

Chronologs ist in mancher Hinsicht eine bemerkenswerte Ausnahme in der Geschichts-Blogosphäre: Es handelt sich nicht nur um einen, sondern gleich um mehrere geschichtlich ausgerichtete Weblogs. Und sie tummeln sich in einem kommerziellen Umfeld: Sie sind Teil des Webauftritts des Verlags „Spektrum der Wissenschaft„, der eine ganze Reihe von Weblogs hostet – naturwissenschaftliche und historische. Interessantes, nicht unwesentliches Detail: wer will, kann sich mit seinem Blog-Projekt anmelden und (falls der Verlag einverstanden ist) auf die Chronologs-Plattform aufspringen. (mehr …)

Ein Weblog ist ein Weblog ist ein Weblog

tantner550.png

Kollege Dr. Tantner von der Univeristät Wien führt die Tradition der Weblog-Lehrveranstaltungen fort. Die Lehrveranstaltung trägt den Titel „Informatik und Medien in der Geschichtswissenschaft. Suchmaschinen im analogen Zeitalter“ und wird zum Teil online, zum Teil mit Präsenzunterricht durchgeführt.

Zu den Aufgaben der Studierenden gehört es, sich ein eigenes Weblog einzurichten und dort über den Verlauf der Lehrveranstaltung zu berichten. Tantner selbst führt eine Art Zentralweblog zum Kurs, wo er über aktuelle Fragen zum Thema des Kurses berichtet (zusätzlich zu seinem Adresscomptoir-Weblog). Zur Zeit sind zwölf Weblogs der Studierenden eingerichtet, die meisten bei twoday oder bei einem anderen kostenlosen Weblog-Dienst.

Zwischenfrage: Wer den Kurs und die Diskussionen um den Kurs mitverfolgen will, kommt also nicht umhin, mindestens dreizehn RSS-Feeds in sein Repertoire aufzunehmen. Wieso diese – künstliche – Fragmentierung der Diskussion? Wieso nicht ein einziges Weblog für den Kurs, der von allen Teilnehmenden bespielt wird?

A propos Weblogs im Unterricht: Auf clioweb erschien unlängst ein hübscher Bericht über einen Vortrag von Babelblogger Mills Kelly im Center for Teaching Excellence an der George Mason University.

Wissenschaftsblog-Charts 03|2008 – weblog.histnet.ch auf Rang 14

wissenswerkstatt550.jpg

Die Wissenswerkstatt hat den – lobenswerten und hoffentlich auch intensiv diskutierten – Versuch unternommen, über die Struktur der wissenschaftlichen Blogospähre nachzudenken. Wie dicht ist die Vernetzung, welche Weblogs sind wie vernetzt etc.?

Beim Versuch, ein Ranking zu erstellen, sind wir erfreulicherweise mit weblog.histnet.ch auf Platz 14 gekommen. Das freut uns und soll für uns zugleich Anlass sein, das Thema Weblog in der Wissenschaft in Bälde an dieser Stelle ausführlicher zu thematisieren!

Blogosphäre, wissenschaftlich (I)

wissensgesellschaft.jpg

Ein Eintrag im Adresscompoir unseres geschätzten Kollegen Tantner in Wien hat mich dazu angestiftet, über den Wandel des Rezensionswesens im Zeitalter von Weblogs und Web 2.0 nachzudenken. Tantner hat zusammen mit seinem Kollegen Michael Hochedlinger eine Quellenedition herausgegeben und ein weiteres Buch geschrieben. Beide Publikationen wurden unlängst in der Zeitschrift Historicum von einem gewissen – „gestrengen“, wie Tantner findet – Michael Pammer rezensiert.
(mehr …)

Zehn Jahre hist.net – Start von babelblog@histnet.ch

Babelblog 5

Vor zehn Jahren starteten wir – Jan Hodel von der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz und Peter Haber vom Historischen Seminar der Universität Basel – die Plattform hist.net.

Wir finden, dass zehn Jahre hist.net Grund genug sind, in diesem Jahr ausgiebig zu feiern und haben deshalb drei Projekte lanciert:

  • Zum einen startet in diesen Tagen babelblog@histnet.ch. Unter diesem Label werden während des ganzen Jahres 2008 Kollegen aus den verschiedensten Ländern hier in diesem Weblog mitbloggen – jeder in seiner Sprache. Starten werden wir in den drei Amtssprachen der Schweiz sowie mit Englisch und Polnisch. Die Beiträge werden mit Tags in deutscher und/oder englischer Sprache versehen, so dass alle Leserinnen und Leser mitverfolgen können, welche Themen auf babelblog@histnet.ch besprochen werden. Wir möchten das babylonische Stimmengewimmel auf babelblog@histnet.ch bald ausweiten und nehmen Vorschläge und Interessenbekundungen gerne unter folgender Adresse entgegen: babelblog@histnet.ch. Wir möchten mit diesem Experiment die Internationalität der Blogosphäre erforschen und die Möglichkeiten und Grenzen eines internationalen wissenschaftlichen Weblogs erkunden.
  • Zum zweiten werden wir auf hist.net in den nächsten Wochen eine Chronik der letzten zehn Jahre erstellen: Aus der Vielfalt von Lehrveranstaltungen, Kursen, Projekten und Publikationen, die unter dem Label hist.net entstanden sind, werden wir einige Highlights herausgreifen und in Bild und Text vorstellen.
  • Und last but not least werden wir Ende 2008 – selbstverständlich vollständig offline – in Basel eine würdige Zehnjahresfeier organisieren, über die wir an dieser Stelle beizeiten noch berichten werden.

Mit dieser Vorschau auf das Jubiläumsjahr wünschen wir allen unseren Leserinnen und Lesern ein erspriessliches und anregendes 2008!

Peter Haber und Jan Hodel