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DOCUMERICA – die USA der 1970er in Fotos

Das Bild, von dem hier ein Ausschnitt zu sehen ist, zeigt Wissenschaftler der Ölfirma Shell am Rande des Golfs von Mexiko vor Key Largo. Sie machen sich bereit zum Tauchen, um die Korallen und die Unterwasser-Geologie vor Ort zu erforschen. Die Aufnahme von Flip Schulke ist undatiert, sie stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1975. Sie ist eine von ca. 15’000 Fotografien aus dem Fundus des Projekts „Documerica„, die die US National Archives in Flickr veröffentlicht haben. Die amerikanische Umweltbehörde EPA hat in den frühen 1970er Jahren das Projekt „Documerica“ durchgeführt, um den Zustand der Umwelt in den USA zu dokumentieren, und dafür eine Reihe von freien Fotographen angeheuert. Diese haben den Auftrag auch relativ „frei“ interpretiert und eindrückliche Zeitdokumente der Gesellschaft in den USA zu Beginn der 1970er Jahre erstellt. Mit der Veröffentlichung dieser Kollektion ergänzen die National Archives die umfangreiche Sammlung an Bildern, die sie in Flickr, wie viele andere Institutionen des kulturellen Gedächtnis (vgl. den Eintrag von Mills Kelly) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben. Filme stellen die National Archives auch zur Verfügung – passenderweise auf Youtube (vgl. Eintrag von Peter Haber).

Georgian London: Geschichtsblog des Monats Dezember 2009

Immer am Jahresende werden von den amerikanischen Kollegen des Gruppenblogs History News Network die Cliopatra Awards für die besten (englischsprachigen) Geschichtsblogs vergeben – eine (wie in entsprechenden Einträgen der letzten Jahren nachvollziehbar) ideale Vorlage für unsere Rubrik „Geschichtsblog des Monats“. Dieses Mal ging die Auszeichnung für das beste individuelle Geschichtsblog an „Georgian London“ von Lucy Inglis.
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Bild/ Code/ Speicher. Strategien des digitalen Erinnerns

iml-tagung

Aus Anlass des 60. Geburtstages von Prof. Rudolf Gschwind, Leiter des Imaging and Media Lab (IML) der Universtität Basel, führt das IML eine wissenschaftliche Tagung zum Thema «Bild, Code Speicher» durch.

«Die Tagung ‚Bild, Code, Speicher‘ reflektiert die Bedingungen, Methoden und Strategien des digitalen Erinnerns. Im Fokus stehen die digitale Langzeitarchivierung, die Alterung analoger Bildträger (auf die wir auch im digitalen Zeitalter angewiesen sind), deren Digitalisierung und die neuen Möglichkeiten der digitalen Restauration von Film und Fotografie. Die Sichtweise der technischen Machbarkeit wird jeweils durch Perspektiven der Museumspraxis und durch kulturwissenschaftliche Nutzerperspektiven ergänzt.» Schreibt Tagungsorganisator und hist.net-Blogger Elias Kreyenbühl.

Auch wr gratulieren Ruedi herzlich zum Geburtstag und freuen uns auf das schöne Programm!

Bild-Archiv von „Life“ bei Google

google life

Wir sind nicht die ersten, die davon berichten – die Meldung kam sogar in den Gratis-Pendler-Zeitungen hier in der Schweiz (was unterstreicht, wie attraktiv und bedeutsam die Bildersuche im Internet geworden ist): Google bietet in Zukunft das gesamte Bild-Archiv der bekannten amerikanischen Illustrierten „Life“ an. Die Sammlung umfasst 10 Millionen Bilder, die bis ins Jahr 1750 zurückdatieren. In einer ersten Tranche sind 20 Prozent des Bestands nun zugänglich (darunter der berühmte Matrosenkuss, oder Martin Luther King bei der Rede „I Have A Dream“). Zu den Nutzungsbedingungen machen weder die Ankündigung bei Google und noch die Startseite nähere Angaben. Ich nehme an, dass die Nutzung zu privaten Zwecken gestattet ist – lasse mich aber von kundiger Seite gerne eines besseren belehren.

Schockierendes Video entdeckt!

Beim ahnungslosen Herumsurfen auf amerikanischen Nachrichtenkanälen mussten wir soeben einen schockierenden Fund machen, den wir unserer treuen Leserinnen- und Leserschaft nicht verheimlichen können:

Wir fragen: Kann Geschichte so grausam sein? Ist das wirklich die historische Wahrheit? Werden wir jemals die Hintergründe dieser tragischen Geschichte aufdecken? Und: Wie werden Historikerinnen und Historiker in 100 Jahren über den Fall Jan H. urteilen?

Metadaten Guidelines für den Umgang mit digitalen Bildern

In der neuen digitalen Welt sind die Selbstverständlichkeiten der alten abhanden gekommen. Bilder müssen fortan stehen lernen, da sie sonst ihrem inneren Naturell Folge leisten und kurzerhand davonlaufen würden. Der Kulturgüterschutz hat soeben eine Broschüre mit dem Titel «Metadaten bei stehenden* digitalen Bildern» veröffentlicht. Auf der Titelseite wird ergänzt: «* Für die Präzisierung stehende «digitale Bilder (digital still images)» gilt in diesen Guidelines in der Folge überall die elliptische Version digitale Bilder»
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Historische Bilder und Töne im Geschichtsunterricht

Der Verein Memoriav organisiert jedes Jahr ein Kolloquium zur Weiterbildung interessierter Kreise. In diesem Jahr lautet der Titel «Bilder und Töne entziffern» und befasst sich mit der Interpretation von audiovisuellen Quellen vornehmlich im Unterricht.
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Babelblog: ein erster Rückblick / a first review

babelblog

Vor zwei Monaten starteten wir den Versuch „babelblog“: Wir öffneten unseren Weblog einer international zusammengestellten Gruppe von Historiker/innen, die aus ihrer Perspektive über die Geschichtswissenschaften im digitalen Zeitalter berichten sollten. Nach zwei Monaten und acht Einträgen von drei Autoren wollen wir einen ersten Rückblick halten.

Mills Kelly berichtete von einem Projekt, das die Entwicklung von Hilfsmitteln zur Erschliessung grosser Textmengen von historischem Interesse zum Ziel hat, vom Versuch der Library of Congress, ihr Bildarchiv auf Flickr bereit zu stellen und mit kollaborativem Tagging erschliessen zu lassen, einem Wiki, das dem (vor allem US-amerikanischen) Archiv-Wesen gewidmet ist, und von einem OpenSource Software-Paket, das mit Web-2.0-Technologien das Erstellen von Ausstellungs-Websites ermöglicht, bzw. vereinfacht.

Marcin Wilkowski berichtete von zwei Projekten in Polen, die historische Sachverhalten mit Web-2.0-Technologien darstellen und stellte die Frage, inwiefern die Erinnerung public domain ist, bzw. ob ein Privatunternehmen Bildmaterial von historischen Ereignissen, die eine ganze Gesellschaft betreffen, zu Werbezwecken einsetzen darf.

Loudovic Tournes schliesslich stellt die provozierende Frage, ob im digitalen Zeitalter die althergebrachten Bibliographien überhaupt noch einen Zweck erfüllen.

Wir warten gespannt auf die nächsten Einträge und sind zuversichtlich, dass bald weitere Autor/innen mit eigenen Beiträgen auf sich aufmerksam machen werden.

In January we started our project „Babelblog“: we invited some historians from different parts of the world to join our blog and post about the historical sciences in the digital age from their point of view. After two months and eight posts from three contributors, we think it’s time for a first look back.

Since most of the posts are in english, we do without replicating them one by one. We would like to point out the post of Loudovic Tournes though, not because it’s the only one in french so far, but rather because he asks boldly, whether in the digital age compiling and maintaining bibliographies is still making sense, or whether new technologies make those pre digital techniques needless.

In any case we are looking forward to a lot more interesting posts, that will come up during the next months – not only from the contributors we already have read, but also from new ones.

HOK Lesen: Quellen: Vom Vertrauen in Bilder

Es führte hier zu weit, die Bedeutung von Bildern in den Geschichtswissenschaften und in der Geschichtsdidaktik mehr als nur anzudeuten. Der Bericht „Seeing is deceiving“ bei C-net über die Implikationen, welche die verbesserten Bilbearbeitungsmöglichkeiten bei der neusten Generateion von Digital-Kameras nach sich ziehen, lässt mich jedenfalls auch im Zusammenhang mit der historischen Online-Kompetenz daran denken, dass wir im Web nicht nur mit Text-Quellen (und der Frage nach dem Umgang mit ihnen) konfrontiert werden.

„People in the legal world are now concerned about whether photos can be accepted as evidence anymore, especially when you can alter the scene as you click the shutter,“ said Peter Southwick, associate professor and director of the photojournalism program at Boston University.

Nun ist die Manipulation von Fotografien nicht erst im digitalen Zeitalter möglich geworden (man denke an das berühmte Bild der Lenin-Rede ohne Trotzki oder andere Beispiele in der Ausstellung X für U – Bilder die lügen). Und gerade die Aufregung um „nachgebesserte“ Bilder aus dem Libanon-Krieg hat dies wieder aufgeworfen. Doch die neuste Entwicklung macht die Veränderung des Bildes gleich beim oder unmittelbar nach dem Entstehen besonders einfach. Und wirft grundsätzliche Fragen auf, welchen „Wahrheitsgehalt“ wir Bildern zusprechen. Denn ob unmittelbar nach der Aufnahme des Bild verändert und ein Vergleich mit dem „Original“ (wie bis anhin in der Diskussion um manipulierte Bilder) nicht mehr möglich ist: Gerade im Libanon-Krieg kam ja auch die einfachste Form der Manipulation von Bildern zur Geltung: gestellte Fotografien.

Letztlich (und damit gelangen wir wieder zu den theoretischen Implikationen, die ich zu Beginn nur andeuten wollte) sind Bilder immer eine „Manipulation“ der Wirklichkeit, nie deren wahrheitsgetreue Abbilder. Aber wenn wir ein Bild sehen, scheinen wir in der Regel diese Einsicht zu vergessen.

Und noch etwas: die Blogosphäre scheint gerade bei Bildern ein Flair für detektivische Kleinarbeit zu hegen. Die manipulierten Bilder im Libanon-Krieg waren ebenso eine Entdeckung von Bloggern wie die geschönten Irak-Fotos eines US-Politikers. Dabei werden die Blogger selber zur Partei und schnell entstehen auch Verbindungen zu allerlei Verschwörungstheorien unterschiedlichster Ausprägung.

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