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Der unverschämte Buchhandel oder: Wieso ich Bücher nur noch bei Amazon bestelle

Ich wollte heute ein paar Bücher bestellen und entdeckte ein besonders stossendes Beispiel, wie Grossbuchhandlungen versuchen, auf Kosten der Leserinnen und Leser abzusahnen.

Es geht um das Büchlein von Jörg Baberowski «Der Sinn der Geschichte: Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault», erschienen 2005 bei C.H.Beck. Amazon gibt einen Verkaufspreis von Euro 12,90 an. Wenn ich das Buch aus der Schweiz bestelle, dann zieht mir das System automatisch 84 Cent Mehrwertsteuer ab, das ergibt einen Verkaufspreis von Euro 12,06. Zur Zeit verkauft Amazon Bücher in die Schweiz mit einem Sonderrabatt und zieht mir nochmals Euro 1,74 ab. Meine Kreditkarte wird also mit Euro 10,32 belastet, was nach aktuellem Kurs 12.79 Franken entspricht. Wen ich dann noch die Kreditkartengebühr von 1,5 Prozent dazu zähle, dann kostet mich das Buch 12.98 Franken (und rund eine Woche Wartezeit).
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SPAM of the day: Gekaufte Rezensionen

Die PR-Fuzzis werden auch immer unverschämter: Heute landete in meiner Mailbox ein Aufruf, gegen Bezahlung eine Rezension für ein vermutlich einschlägiges Werk mit dem Titel «Der PreSales Marketing Kundenmagnet» zu verfassen. Initiator dieser unappetitlichen Aktion ist ein gewisser Robert Nabenhauer von der Firma «Nabenhauer Consulting» in Steinach. Mal abgesehen davon, dass die ungefragte Zusendung von SPAM in der Schweiz strafbar ist, ist zu hoffen, dass diese Art von «Rezensionen» nicht noch mehr Schule machen wird.
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Die Last der Abwesenden

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Sie haben keinen Stand an der Buchmesse aufgeschlagen, trotzdem sind sie hier sehr präsent: Google und Amazon. Beide Konzerne halten die Buchbranche seit Jahren in Trab. Google mit seinen Digitalisierungsprojekten, Amazon zuerst mit dem Online-Versand und nun mit dem e-Book-Reader Kindle.
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Amazons Bücherverbrennung und Buch 2.0

amazon

Die von Amazon durchgeführte Löschaktion hat für einigen Wirbel im Netz gesorgt. In der Tat lässt sich ausgehend von diesem Vorfall weiterphantasieren, was noch so alles auf uns zukommen könnte. Das Buchhandels-Fachblatt boersenblatt zum Beispiel hat darüber nachgedacht, was wäre, «wenn im Falle einer Einstweiligen Verfügung ein Verlag beanstandete Passagen auf den E-Book-Versionen seiner Kunden löschen würde?» Gute Frage.
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Der Fluch des Teufels oder: Amazon und die digitale Bücherverbrennung

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Don Alphonso erzählt in seinem bei der FAZ gehosteten Weblog «Stützen der Gesellschaft» eloquent und kulturhistorisch hübsch eingebettet die Geschichte der modernen Bücherverbrennung, wie sie von Amazon offenbar neuerdings praktiziert wird. In einem Satz: Wegen angeblicher rechtlicher Probleme hat Amazon in seinem Bücherleihmaschinchen namens Kindle Kopien von Orwells Dystopie 1984 wieder gelöscht. Ausradiert. Einfach so. Und ausgerechnet das Buch 1984.
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HOK Lesen: Quellen: Urheberrecht und Medienkunst

Der Medienkunstschaffende Hans Bernhard, Mitglied des Künstlerkollektivs ubermorgen, kündigte eine Aktion an, ab Herbst mittels eines eigenen Programms Inhalte aus den bei Amazon digital bereitgestellten Büchern legal zu kopieren und weiter zu verbreiten. Amazon will sich (nach eigenen Worten) mit geeigneten Mitteln gegen dieses Vorhaben wehren. Die Zuschauer sind gespannt – und fragen sich, ob nicht die Ankündigung selbst bereits das Kernelement der Aktion ist.

Auch eine interessante Art, sich mit dem ungeliebten Thema des Urheberrechts auseinander zu setzen.

Übersicht: HOK Lesen: Quellen

HOK Lesen: Suchen und Finden: EPIC 2015

Beim RSS abgrasen und ziellosen Rumsurfen (Serendipity!) stiess ich bei tagesschau.de auf die Meldung zum Rechtsstreit darüber, ob Google frei Bücher einscannen darf (Google darf, wir hatten es schon mal (kurz) von Googles Projekt, die gesamten (?) Buchbestände der Welt zu digitalisieren und online verfügbar zu machen). In Sicht- und Klickweite fand ich eine Multimedia-Box zu Google. (Es gibt ja kaum noch ein Mainstream-Medium, dass uns nicht die neue „Macht Google“ unter die Nase reibt. Dank dem Stern-Cover weiss jetzt selbst meine Mutter, die sogar die elektrische Schreibmaschine mit spitzen Fingern anfasst und PC und Internet nur vom Hörensagen kennt, von den Gefahren, die vom aufkommenden Monopol Google’s ausgehen werden.)
Besagte Multimedia-Box zeigt also eine weitere Mainstream-Sicht auf den Internet-Giganten: etwas melodramatisch mit bedeutungsschwanger tönenden Off-Texten unterlegt, krawattentragende Bedenkenträger vor zahlreichen Bildschirmen (scheint die Medienkompetenz des Sprechers zu verstärken), als „Computeranimation“ gekennzeichnete Computeranimationen (man könnte ja den Eindruck erwecken, dass richtige Roboter aus Blech und Stahl die Informationen im Internet zusammentragen) – aber auch ein paar bemerkenswerte, in der Vereinfachung überraschend klare Aussagen: G-mail mit dem Empfehlungssystem rekonstruiert soziale Netze, Googles Geldmaschine AdSense mit genau platzierten Anzeigen lädt ein zum „Click-Fraud„usw.
Richtig spannend ist aber der Schluss-Hinweis auf eine Arbeit des imaginären Museum for Media History in Florida aus dem Jahr 2014 (dahinter stecken die Autoren Robin Sloan und Matt Thompson verfasst wurde): ein Blick in die Zukunft, in der das fusionierte Unternehmen Googlezon (aus Google und Amazon) Microsoft *und* die New York Times aus dem Markt verdrängt und mit EPIC den neuen optimalen Informations-Agenten eingeführt hat (deutsche Version – ausserdem gibt es eine neuere englische Version). Brave New World des beginnenden 21. Jahrhunderts: Gerne würde ich das genauer analysieren (oder hat das schon wer? Hinweise erbeten). Bahnbrechend neu ist das Filmchen nicht: Diskutiert wurde es bereits (Übersicht beim Blog von Sloan und Thompson) und eine Geschichte der Entstehung und Beweggründe ist auch bereits im Netz zu finden, ebenso (natürlich) eine Wikipedia-Eintrag. Die New York Times hat angeregt durch den Film eine eigene Version von Google 2084 (sic!) entworfen.

Historische-Online-Kompetenz-Relevanz?

  • Wikipedia kann nicht von Google gekauft werden – uff. Aber muss es das überhaupt? Wikipedia taucht ohnehin bei vielen Suchbegriffen zuoberst auf. Wer hilft da wem?
  • Im Vergleich zu den Strukturen bei Google ist Wikipedia (trotz allen Vorbehalten) ein Ausbund an Transparenz und Mitbestimmung! (Zitat Hendrick Speck aus der Mediabox der Tagesschau zur Problematik des geheimen Such- und Ranking-Mechanismus: „Google entspricht damit einer Bibliothekarin, die unkontrollierbar, nach welchen Kriterien auch immer, nach eigenem Gutdünken, Ihnen als Nutzer Bücher zuteilt oder entsprechend vorenthält, und Ihnen dafür natürlich keine Rechenschaft in irgend einer Art und Weise ablegt.“ – Bitte keine spöttischen Kommentare, diese Beschreibung komme der Wirklichkeit in Ihrer örtlichen Bibliothek ziemlich nahe…)

Nachtrag: Passend zur momentan grassierenden Google-Skepsis („Is Google the new Microsoft?“) die vorgängige Meldung von Cnet.News zum neuen Internet-Zahlungssystem „checkout“, das Google diese Woche vorgestellt hat: „Open your wallet to Google„. Pikant, dass das neue Zahlungssystem vor allem als Kampfansage an Amazon (der „zon“-Teil von Googlezon) interpretiert wird. Ein Interview dazu mit (aha!) Hendrik Speck.

Übrigens: Blogger gehört auch Google…

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