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Archiv für das Jahr 2012

Der Altavista lebt! … (und der Lycos und der Hotbot auch)

Altavista Lebet
So höret Ihr Kinder, ich will Euch erzählen von alter Zeit. Es gibt einige ältere Mitbürger/innen unter uns, die mit „Altavista“ nicht eine Outdoor-Sportmarke, ein Brillenfachgeschäft oder ein Arnold-Schwarzenegger-Zitat1 assoziieren. Denn, oh ja, es war einmal eine Zeit, als in den Bibliotheken noch Zettelkästen stunden und die tapfersten und aufgewecktesten der jungen Generation, geschmacklos in leuchtende Farben gekleidet, sich dem neusten Schrei der Technik hingaben und zu ihren Freunden sprachen: Siehe, ich tippe ein Wort in ein Suchfeld und es werde, dass daraus eine Hyperlink-Liste entstünde, die zu allerlei Hypertexten auf der ganzen Welt verlinket. Und es geschah also. (mehr …)

  1. Altalavista, Baby! []

«Lecture des sources historiennes à l’ère numérique». Ein Kommentar

Unser geschätzter Kollege Frédéric Clavert vom Centre Virtuel de la Connaissance sur l’Europe in Luxembourg hat kürzlich in seinem Blog einen interessanten Post über die Quellenlektüre im digitalen Zeitalter publiziert. Darin unterscheidet er einerseits close reading und distant reading, andererseits lecture humaine und lecture computationelle. Mit diesen beiden «Achsen» gelingt es Clavert, eine gewisse Struktur in eine der wichtigsten Debatten im Feld der Digital Humanities zu bringen.

Anders als viele rein theoretische Abhandlungen zu diesem Thema expliziert Clavert seine Argumente an konkreten Beispielen. Dabei verarbeitet er Erfahrungen aus der Quellenarbeit zu seiner Dissertation, die sich mit der Politik von Hjalmar Schacht, dem deutschen Reichsbankpräsidenten 1933-1939, befasst hat. Die Dissertation wurde 2006 in Strasbourg abgeschlossen und erschien 2009 in Bruxelles. Mit anderen Worten: Sie wurde also noch weitgehend im prä-digitalen Zeitalter erstellt. Sehr anschaulich beschreibt Clavert, wie ihm einerseits die Nähe zu den Quellen geholfen hat, die Situation und den Zeitgeist der damaligen Zeit zu verstehen. Andererseits aber hätte ihm bei bestimmten Fragen auch eine Auswertung eines grossen Quellenkorpus geholfen, eine Arbeit die so nicht geleistet werden konnte, da hier eine maschinelle oder zumindest eine maschinell unterstützte Auswertung notwendig gewesen wäre.

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Digital verschollen – 4 Gründe

Kollega Haber mokiert sich nicht ganz zu Unrecht über meine nun längere Zeit andauernde Weblog-Abstinenz.1 Woran liegt’s? Vier persönliche, aber irgendwie auch allgemeine Gründe:
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  1. Übrigens: was für ein grässliches Foto, ich habe ja schon überall Schimmel angesetzt… []

Kulturwissenschaftliches Kompetenzzentrum Neue Medien der Universität Basel (kk:nm)

In diesen Tagen schrieb uns das Rechenzentrum der Universität Basel, dass alle unter der Domain pages.unibas.ch gehostete Seiten Ende Jahr abgeschaltet werden. Wir hatten im Jahre 2003 das Konzept eines Kulturwissenschaftliches Kompetenzzentrum Neue Medien für die Philosophisch-Historische Fakultät entwickelt. Nachdem das von Jan Hodel und mir geleitete Projekt History Toolbox 2002 ausgelaufen war, lautete unser Auftrag, mögliche Nachfolgeprojekte zu skizzieren. Wir legten zwei unterschiedliche Konzepte vor:

Das eine Projekt nannten wir Swiss History Portal, es bildete den Nukleus für die Jahre später gegründete Plattform infoclio.ch.

Das andere Projekt nannten wir Kulturwissenschaftliches Kompetenzzentrum Neue Medien. Drei grosse Rahmenthemen hatten wir definiert: Information–Wissen–Gesellschaft, Archiv–Gedächtnis–Erinnerung sowie Interaktion–Kommunikation. Und die konkreten Arbeitsfelder nannten wir: Qualitätskriterien für Online-Ressourcen, Medienkompetenz in der curricularen Entwicklung sowie Kulturwissenschaften und Cyberscience.

Aus dem Plan wurde nie etwas. Nach zehn Jahre werden die Seiten jetzt vom Netz genommen und wir erinnern uns daran, dass Academia sehr eigene Gesetzlichkeiten hat.

Urheberrecht und Bibliotheken. Eine Weiterbildung

Falls hier auch Bibliothekarinnen und Bibliothekare mitlesen: Im Herbst 2013 bietet Bibliothek Information Schweiz (ja, die mit dem von mir vielzitierten Chef) eine sechstägige Weiterbildung zum Thema Urheberrecht in Bibliotheken an. Auch wir von hist.net werden unseren Teil dazu beitragen.

Europe Body Count

Editorial notice: The following text is written by Nicolas Kayser-Bril, a french journalist and a pioneer in advanced data journalism. Some of his projects are highly relevant for the digital history community and we are very glad to have Nicolas presenting his new project here at hist.net! You can contact Nicolas at nkb@jplusplus.org. (ph)

A few weeks back, I read that the number of people killed by Nazi Germany before 1939 was, at most, in the low 5 figures. I was struck by the number, as I thought that the intensity of horror of the Nazi regime increased more regularly between 1933 and 1942, when it reach its apex. As a journalist, I wanted to tell this story in a powerful way and decided to visualize the number of victims of Nazi Germany month by month on a line chart.

After Google failed to give me a lead, I asked Peter Haber for advice, who referred me to his colleagues. It turned out that there is no month by month data of victims of Nazi Germany available. Simon Erlanger even pointed out that not all victims are known. New details just emerged about 1,100 Jewish ghettos.

With that in mind, I set out to design a prototype for a data store that could handle data on a variety of scales, from macro to individual data, allowing for the concurrent use of data of different precision and reliability. To give an example, we know that about 1,1 million people were murdered at Auschwitz over the course of 55 months between 1940 and 1945: 20,000 monthly deaths. The accuracy of this figure is obviously low. If one were to add a sub-event to it, such as the 8,000 French Jews deported there in July 1942, the monthly number of victims would be 27,800 for July 1942 and 19,800 for all other months. This iterative process can be repeated until sub-events reach the scale of individual victims.

Working on different scales at the same time, we can store data about individuals as well as rough estimates for larger events. Using a graph database, we can describe victims on an ad hoc basis (e.g. we might have the age of some victims, but not all), using what is available. The very early prototype is called Europe Body Count (inspired by the Iraq Body Count project, considered to be the most reliable source of information about civilian deaths in Iraq). It is highly unstable and incomplete, but it makes the concept clear.

It is important to tell non-historians that Nazi Germany did not become gradually murderous but that massacres changed in magnitude in mid-1941. It is important because it explains why democracies did not get tougher on Hitler earlier on. It is important because, as survivors die (1942’s 20-year-olds just turned 90), we need facts more than ever.

National and ethnic narratives have failed at explaining what happened. If you only know that 6 million Jews were slaughtered in camps, you probably think (as a solid share of the European population does) that they were quite naive and afraid to fight back. Add the context of a more widespread bloodbath in the region and it becomes more understandable. If you only take the 500,000 Germans who died between 1944 and 1946 as they were expelled from eastern regions of Germany, it looks outrageous. Add the context of years of massacres and slave labor and the German plight appears as within the bounds of normality in those years in the region.

A comprehensive database, an excellent API and good-looking visualizations won’t transform Europeans in critical historians. But it will give tools to those journalists and story tellers who want to fight back revisionist narratives. As survivors die, we’ll need that more than ever.

Fahndungsmeldung: Kollega Dr. Hodel seit Wochen vermisst!

Wir bitten unsere geschätzte Leserinnen- und Leserschaft um Mithilfe: Seit Wochen wird in diesen Spalten Kollega Dr. Hodel vermisst. Der letzte Eintrag datiert vom 17. September 2012 und war mit dem vielsagenden Titel nearly done überschrieben. Darin kündete er den baldigen Abschluss seines laufenden akademischen Qualifikationsschrittes an. Über einen Zusammenhang zwischen dem baldigen Ende dieses Prozesses und seinem Untertauchen kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Mit einer kurzen Wortmeldung tauchte er zwar gestern in den Kommentarspalten auf, verschwad aber sofort wieder ohne einen Beitrag zu hinterlassen.

Der gesuchte Kollege trägt gerne geschmackvolle farbige Jacken und neckische Umhängetäschchen und fährt schnell und zumeist ohne Helm in hohem Tempo Fahrrad. Um schonendes Anhalten und vorsichtiges Thematisieren seiner Schreibabstinzenz wird gebeten. Sachdienliche Meldungen bitte an restredaktion@hist.net.

Wia die Zeit vergeht. Oder wenn Facebook nur noch ein Marketingthema ist

«Wia die Zeit vergeht» heisst eines der schönsten Alben von Hubert von Goisern. Das dachte ich mir heute auch, als ich gegen Mittag im Wildt’schen Haus in Basel eintraf. Das Wildt’sche Haus ist ein Stadtpalais unmittelbar neben dem Kollegiengebäude der Universität, wo gerne repräsentative Anlässe von Regierung und Universität abgehalten werden.

Heute fand dort die Abschlussveranstaltung von «Swiss Academia and the Social Media Landscape» statt, einem Projekt der schweizerischen Wissenschaftsaussenpolitik, Standort San Francisco.

Hm. Interessant, dachte ich mir. Und es war auch interessant. So weiss ich nun, welche Universität wann angefangen hat, Twitter und Facebook zu nutzen, weiss, wer wieviele Follower, Friends und Liker hat, weiss, dass Universitäten, die bei Klout, Instagram oder Pinterest noch nicht dabei sind, schon vorgestrig wirken könnten. Und dachte an Hubert von Goisern.

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren fand am gleichen Ort unsere gemeinsam mit infoclio organsierte Veranstaltung «Geschichtswissenschaften und Web 2.0» statt, ein Workshop der ein Thema aufgriff, für den damals erst wenige Kolleginnen und Kollegen Interesse und/oder Verständnis hatten. Dass das Interesse auch in unseren Kreisen unterdessen angestiegen ist, zeigen die kommentierenden Aktivitäten rund um unser Projekt «historyblogosphere. Bloggen in den Geschichtswissenschaften» drüben bei den Freunden von Oldenbourg.

Doch während in den Texten und Kommentaren bei historyblogosphere über neue Medialitäten, die Grenzen der Selbstvermarktung und auch ganz grundsätzlich über Sinn und Unsinn des Bloggens für Historiker/innen nachgedacht wird, geht es in den Zentralen von Akademia um Klickraten, Kundenbindung und Profilbildung.

Das kommt Ihnen bekannt vor? Hatten Sie auch schon gelesen bei Berichten über Social Media und der Automobilbranche? Social Media und die Zukunft der Grillbuden? Oder Social Media und das Verlagswesen? Das kann durchaus sein. Denn vorgestrig ist, wer erstens noch nicht gemerkt hat, dass Facebook und Co. heute nur noch als Marketingthema interessieren. Und zweitens, wer noch immer nicht akzeptieren will, dass die Märkte für universitäre Dienstleistungen (Lehre, Forschung, Gutachten), Grillbuden und Verlage viel ähnlicher sind, als wir als Angehörige des akademischen Betriebes meist wahrhaben wollen.

Zeit, wieder ein wenig Münch zu lesen oder zu hören!

P.S.: Und vor genau einem Jahr fand – als Folge des Web 2.0-Workshops 2010 – in Lausanne das erste schweizerische THATcamp statt, unter anderem von infoclio und hist.net organisiert. Und dort, in Lausanne, entstand in einer langen Kaffeepause die Idee zum historyblogosphere-Book. Wia die Zeit vergeht. Oder um es mit den Worten von Hubert von Goisern zu sagen: «Manchmal ist’s mir gestern wars, Und manchmal wia a Ewigkeit. Und manchmal hab i Angst, es woa a Traum.»

Save the Date: First Swiss Digital Humanities Summer School

The first Digital Humanities Summer School in Switzerland will take place next year in Bern! Hosted by the University of Bern and organized by a network of Swiss university and research institutions, the first Digital Humanities Summer School Switzerland will feature well-known international scholars of Digital Humanities for four days of intensive training. More news are coming soon on the homepage of the Summer School.

Zehn Tage Open Peer Review bei historyblogosphere. Eine Zwischenbilanz

Seit 10. Oktober ist bei unserem Projekt gemeinsam mit dem Oldenbourg Verlag und der Universität Innsbruck durchgeführten Projekt historyblogosphere das Open Peer Review eröffnet, Zeit also, eine erste Zwischenbilanz zu versuchen. Um es gleich vorweg zu sagen: es läuft gut! Rund 80 Kommentare sind bisher eingetroffen und das ist mehr, als wir eigentlich erwartet hatten. Von den rund 30 angemeldeten Kommentatorinnen und Kommentatoren sind noch nicht alle aktiv geworden, es ist also noch auf jeden Fall mit einigen Beiträgen zu rechen!

Auffallend ist, dass es einen Poweruser und einige regelmässige Kommentatoren gibt. Der Poweruser verantwortet rund die Hälfte der bisherigen Beiträge und das ist natürlich eine schöne Leistung! Vielen Dank! Ebenfalls auffallend ist die breite Varianz der Art und Weise der Kommentierung. So fallen etliche der Kommentare in die Kategorie «Tippfehler und sonstige Kleinigkeiten», daneben finden sich auch einige lobende Worte und Fragen. Grundsatzkritik oder Gegenthesen sind bisher noch keine aufgetaucht. Sind alle Texte derart konsensual? Oder getraut sich (noch) niemand, Texte auch mal richtig grundlegend zu kritisieren?

Zur Zwischenbilanz gehören auch einige selbstkritische Anmerkungen: So kam es gleich zu Beginn zu einigen langen Wartezeiten bei der Freischaltung. Wir haben nun die internen Abläufe angepasst und nun sollten neue Benutzer/innen normalerweise recht schnell freigeschaltet werden. Ausserdem haben wir nicht geschrieben, dass man sich bitte mit Klarnamen anmelden soll, was auch zu ein paar wenigen Zweitanläufen geführt hat. Ebenfalls ein Versäumnis unsererseits war es, nicht genauer anzugeben, was wir mit Kommentaren meinen: Tippfehler? Stilfragen? Grundsatzbemerkungen? Klar, alles soll Platz haben, aber vermutlich wäre es einfacher gewesen, wenn wir für Tippfehler etc. einen anderen Rückkanal vorgeschlagen hätten. Nun werden wir nach einiger Zeit die Hinweise auf Tippfehler und sonstige Kleinigkeiten in die Texte einarbeiten und die entsprechenden Kommentare dann löschen. Das Korrektorat der Buchfassung wird sich natürlich freuen, wenn es weniger zu tun haben wird – vielen Dank also an alle, die sich auch diese Mühe genommen haben! Für allgemeine Bemerkungen zu einem Text hätten wir vorschlagen sollen, dass diese ganz zu Beginn des jeweiligen Textes eingebracht werden sollen (was ja dann auch meistens gemacht wurde).

Besonders erfreulich übrigens, dass das Projekt auch schon ausserhalb des deutschen Sprachraumes wahrgenommen wurde, etwa von John Theibault, Direktor des South Jersey Center for Digital Humanities.

Kurzum: Wir wissen, was wir beim nächsten Mal anders machen würden (werden), freuen uns, dass es so gut läuft, danken allen, die schon mit Kommentieren angefangen haben und freuen uns auf alle kritischen, produktiven, interessierten und zustimmenden Kommentare, die in den nächsten Wochen hoffentlich noch kommen werden!