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Archiv für das Jahr 2006

HOK Reden: Internet Governance

Wer regiert das Internet? Die Frage ist in einem Blog-Eintrag nicht zu beantworten – wenn sie überhaupt zu beantworten ist. Ein guter Ausgangspunkt ist die Artikel-Sammlung von Telepolis, die sich unter dem Titel „Cyber-Weltgipfel“ seit der WSIS in Genf Ende 2003 mit Fragen der Internet-Regulierung befasst. Im Wesentlichen dreht sich die Auseinandersetzung darum, wer die Informationen verwalten darf, die das Internet überhaupt am Laufen halten: die Domain-Informationen, bzw. die Informationen darüber, wer welche Domains verwaltet. Das war jahrelang eine informelle Sache von US-amerikanischen Hochschul-Angestellten und Verwaltungsinstanzen der US-Regierung, welche die Entwicklung des Internets (zumindest seiner Ursprünge) finanzierte. Neuerdings wacht die ICANN, eine Stiftung nach amerikanischem Recht, über die Namensgebung im Internet.

Der jüngste Artikel „Weiter Uneinigkeit über Kontrolle des Internet“ behandelt die momentan unklare Interessenlage. Neben der US-Regierung, die noch immer massgeblich Einfluss nehmen will, ist auch die UNO-Tochterorganisation ITU (Internationale Telecommunication Union) daran interessiert, hier ihren Einflussbereich zu definieren. Dies steht im Widerspruch zum Internet Governance Forum (IGF), das im Oktober unter der Leitung der UN erstmals zusammentraf. Im IGF arbeiten im Gegensatz zur ITU nicht nur Regierungsdelegationen, sondern auch Vertreter der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft zusammen. Dies soll einen Ausgleich der verschiedenen Interessen an der Regulierung des Internets gewährleisten, bedeutet aber eine Einschränkung des staatlichen Vorrechts auf Regelsetzung.

Dabei geht es noch gar nicht um technische Spezifikationen, welche das W3C durchzusetzen versucht (mit mässigem Erfolg, weil fast alle grossen Web-Unternehmen oder auch Microsoft die Standards ignorieren und lieber selber welche etablieren), und auch nicht um die Bereitstellung der technischen Infrastruktur, also der physikalischen Netze (die etwa beim Streit um die (hier bereits besprochene) Net Neutrality im Mittelpunkt stehen).

Sollen Aber sie wirft eine weitere Frage auf: inwiefern sind die Machtverhältnisse im Internet für die Historische Online-Kompetenz von Relevanz? Und in welchen Kompetenz-Bereich sind diese Fragen anzusiedeln? Hier ist zugleich anzufügen, dass Kompetenzen nicht mit Wissen gleichzusetzen ist. Dennoch bleiben viele Kompetenzmodelle unklar in der Frage, inwiefern Wissen Bestandteil, Gegenstand oder Voraussetzung von Kompetenzen ist.

Das Wissen über die Funktionsweise von ICT (Neuen Medien) und den Interessengruppen, welche die Entwicklung von Anwendungen vorantreiben und die Nutzungsmöglichkeiten regeln, ist für alle Kompetenzbereiche von Bedeutung. Ich weise es in erster Linie dem Bereich „Lesen“ zu, da die Kompetenz, sich über die Interessen und Machtverhältnisse zu informieren, Grundlage dafür ist, ihre Auswirkungen für „Lesen“, „Schreiben“ und „Reden“ einzuschätzen. Die Fähigkeit zur Einschätzung ist wiederum mit der Kompetenz der Reflexion und der Erörterung („Reden“) verbunden.

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Aus der Welt der Wikis: studentisches Wikipedia-Missverständnis

Heute überraschte mich eine Kollegin mit der erstaunten Frage: Könne es sein, dass ich unseren Lehramtsstudierenden gesagt habe, dass man in einer schriftlichen Arbeit aus Wikipedia zitieren dürfe?

Nun, offenbar habe ich die Differenzierungsfähigkeit der Studierenden etwas überschätzt. Denn: Nein, selbst Wikipedia-Gründer Jimmy Wales (wie hier im Blog bereits zitiert) sagt: aus Wikipedia soll man in schriftlichen Arbeiten auf Hochschulniveau nicht mehr zitieren. In der Regel. Natürlich sind Ausnahmen denkbar: wenn es etwa um den Vergleich von Definitionen geht, oder um die Darstellung spezieller Sachverhalte (etwa biografische Angaben zu Jimmy Wales), die nirgends sonst in zitierfähiger Form publiziert sind. Aber das heisst ja weder, dass „man aus Wikipedia zitieren darf“ noch, dass man „Wikipedia nicht brauchen darf“.

Jimmy Wales bringt es ganz gut auf den Punkt (auch dies im Blog bereits einmal zitiert):

Es ist einfach lächerlich, Studenten zu sagen, sie dürften die Wikipedia nicht nutzen. Sie tun es ja doch. Professoren sollten wieder ihre Verantwortung wahrnehmen, den Studenten beizubringen, mit der Welt auf eine erwachsene Art und Weise umzugehen.(…) Wenn Sie einen Roman über den Zweiten Weltkrieg lesen und da ein Begriff auftaucht, den sie nicht kennen, greifen Sie zu einer Enzyklopädie und schauen es nach. Müssen Sie eine Seminararbeit zu dem Begriff schreiben, sind weder Britannica noch Wikipedia die richtige Quelle.
(TR-Interview vom 11.8.2006)

Also mache ich das hier einmal ganz ausdrücklich. Ob Brockhaus oder Wikipedia: Lexikon-Einträge gelten nicht als wissenschaftliche Literatur. Wenn in wissenschaftlichen Arbeiten, wie sie an Hochschulen von den Studierenden erwartet werden, solche Literatur zitiert werden soll – dann kein Wikipedia.

Natürlich kann Wikipedia als aktuelle Quelle (wie ein Zeitungsartikel) zitiert werden. Dann ersetzt sie nicht die wissenschaftliche Literatur, sondern wird für die Erläuterung eines bestimmten Sachverhaltes beigezogen.

Ein Grenzfall sind wissenschaftliche Handbücher: Es ist möglich, dass einzelne Wikipedia-Artikel die Qualität von Handbuch-Artikeln haben (vor allem, wenn sie von dort abgeschrieben wurden, aber das Thema Plagiat wollen wir hier nicht vertiefen) und dass in wissenschaftlichen Arbeiten unter Umständen auch aus Handbüchern zitiert werden kann (vor allem bei Begriffsbestimmungen). Daraus lässt sich aber keine allgemeine „man kann aus Wikipedia zitieren“-Regel ableiten.

Hingegen können gute Lexikon-Artikel (und solche finden sich auch in Wikipedia) durchaus als erste Orientierung und als Einstieg in eine Recherche zu einem wissenschaftlichen Sachverhalt geeignet sein.

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HOK (in eigener Sache): Geschichte lehren an der Hochschule

Heute hab ich ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk erhalten: Die Publikation „Geschichte lehren an der Hochschule„, die meinen Aufsatz zur Historischen Online-Kompetenz enthält und die auf jene Tagung zurückgeht, die der Anlass zur Eröffnung dieses Blogs war, ist bei mir in Form eines Belegexemplars eingetroffen.

Der Klappentext erläutert:

Wer als Dozent je vor einem schweigenden Seminar gestanden hat, weiß um die Bedeutung didaktischer Kompetenzen und Methoden.

Doch das Buch ist eigentlich das Gegenteil von Geschichte, als Erscheinungsjahr ist 2007 eingedruckt und entsprechend kann man es zwar schon vorbestellen, aber die Auslieferung dürfte für Nicht-Autoren nicht mehr vor Weihnachten stattfinden. Dennoch: eine lohnende Investition (nicht meines Aufsatzes wegen! Jedenfalls nicht nur…).

Literatur:

  • Pöppinghege, Rainer (Hg.): Geschichte lehren an der Hochschule. Bestandsaufnahme, methodische Ansätze, Perspektiven, Schwalbach: Wochenschau 2007 (ISBN: 978-3-89974294-7; 24.80 EUR).

Aus der Welt der Blogs: Welcome as new member of the category „Primarily Non-English Language“ History Blog

Also bitte, Cliopatra, der Geschichts-Blog im englischsprachigen Raum (und zukünftiger Blog des Monats), hat meinen Blog entdeckt – und im über 500 Einträge umfassenden Blog-Verzeichnis („Blogroll“ für Insider, noch umfassender als in meinem letzten Hinweis) in der Kategorie „Primarily Non-English Language“ eingeordnet. Prima. Wie meint Blog-Gründer Ralph E. Luker:

Even if English is your primary language, try exploring these in other languages

Ja, genau! Und auch wenn die Muttersprache Deutsch ist, darf man diesen Blog erforschen!

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HOK Lesen: Suchen und Finden: Literaturverwaltung und Web-Integration

Am Montag war ich an eine Diskussion über zukünftige Features des Literatur-Verwaltungsprogramms Lit-Link (das noch einiges mehr als Literatur-Verwaltung beherrscht) eingeladen. Dabei ging es unter anderem auch um die Frage, in welche Arbeitsumgebung die Literaturverwaltung eingebunden werden soll:

  • in ein Textverarbeitungsprogramm (à la EndNote – meiner Ansicht ein Ansatz aus der Vor-Web-Ära)
  • in einen Browser (also webbasiert – ein aktueller Ansatz des web 2.0)
  • in einer Literatur-Verwaltungssoftware (die als Schnittstelle agiert)

Jeder beantwortet diese Frage gemäss seinen Arbeitsgewohnheiten und -überzeugungen wohl anders. Feststeht jedenfalls, dass alle drei Lösungsvarianten sich aufeinander zu bewegen, dass mit anderen Worten Import- und Exportschnittstellen wichtig werden.

Wie viel da an Integration schon geboten wird, zeigen zwei kleine Beispiele. Zotero habe ich hier schon kurz vorgestellt, mich damals aber über mangelnde Zeit beklagt, das Ding zu testen, Prompt habe ich ein wesentliches Merkmal übersehen. Zotero ist ein FireFox-Plugin, das auf einer Website automatisch erkennt und mit einem Symbol (1) anzeigt, ob Daten vorliegen (2), die in die Literatur-Verwaltung übernommen werden können (3). Ein Klick, und die Daten sind in der Zotero-Datenbank.

Ähnliches leistet das Firefox Plugin XML-Dump (hier die Installations-Seite bei Litlink), das mit Lit-Link zusammenarbeitet – aber auch für andere Literatur-Verwaltungslösungen geeignet ist, da es das Austausch-Format XML produziert. Das XML-Dump-Plugin stöbert ebenfalls auf Knopfdruck (1) in der angezeigten Web-Seite Informationen auf, die auf eine bibliographische Angabe hinweisen, und bereitet diese als XML auf (2) und legt diese an einen frei wählbaren Ort ab.


In den Einstellungen kann auch spezifiziert werden, welche Angaben im Text wie interpretiert werden soll.


Auch die (Windows only-)Literaturverwaltung citavi bietet eine solche Web-Integration, die aber anders funktioniert: hier werden markierte Daten extrahiert, bzw. in bestimmten Literatur-Datenbanken abgefragt und die dort gelieferten Ergebnisse in die Datenbank aufgenommen.

Was fehlt? Eine Literaturverwaltung nur auf dem Netz? Gibt es auch: zum Beispiel Bibsonomy (auch schon hier kurz erwähnt), das stark an den Social Bookmark-Dienst de.licio.us erinnert (von wo auch Einträge samt Tags importiert werden können, habe ich mal gemacht). Dort können auch Literaturangaben erfasst und ge-„taggt“ werden. Auch Import und Export in verschiedenen Formaten sind möglich; so habe ich Zotero-Einträge im BibTex-Format exportiert und in Bibsonomy eingelesen.

P.S.: natürlich gibt es noch weitere gute und sinnvolle Literatur-Verwaltungsprogramme. Wer will, darf seine Favoriten in die Kommentare schreiben.

Übersicht: HOK Lesen: Suchen und Finden

HOK Lesen/Schreiben: OpenAccess (Übersicht)

Wer sich zu OpenAccess informieren will, ist beim Weblog Archivalia bestens bedient, gleich mehrere Einträge der letzten Zeit fassen wesentliche Informationen zusammen und verweisen auf wichtige weitergehende Quellen:

Auch sonst ist die Rubrik „OpenAccess“ dieses Weblogs als Informationsquelle zu empfehlen, zusammen mit dem Blog von OpenAccess-Spezialist Peter Suber. Siehe auch die in diesem Eintrag besprochenen Artikel zu OpenAccess in Telepolis.

Übersicht HOK Lesen/Schreiben, HOK Lesen: Quellen

HOK Reden: Über die Zeit III (Unterbrechungen)

Dank Beats Blog bin ich auf den Artikel von Jürgen von Rutenberg in der Zeit gestossen, der auf das Phänomen hinweist, dass wir von SMS, E-mail und Anrufen ständig unterbrochen werden – und einige von uns mittlerweile sogar schon süchtig nach den Unterbrechungen sind. Das ist dann der Fluch der Unterbrechung – kein Wunder, hat man keine Zeit…
Und wenn Rutenberg zum Schluss kommt:

Zerstreute Leute hat es schon immer gegeben, aber noch nie betrieben so starke Mächte die Erziehung der Menschheit zum Kurzdenken. Das zersplitterte Bewusstsein der Unterbrochenen ist inzwischen die herrschende Geisteshaltung unserer Zivilisation

– dann frage ich mich schon, ob es da nicht Zusammenhänge mit dem Copy/Paste-Syndrom gibt.

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HOK Lesen/Schreiben: Plagiate – oder: vom Abschreiben zum Fotokopieren zum Copy/Paste

Der bekannte Wikipedia-Kritiker Daniel Brandt (von wikipedia.watch) kommt in einer selbst durchgeführten Studie zum Schluss, dass mindestens 1% der Artikel in der englischen Wikipedia Plagiate enthalten (via Wikimetrics). Brandts Vorgehen klingt zwar plausibel, ist aber nur schwer nachzuvollziehen. Einerseits sind die Original-Daten (offenbar eine Liste von Biographien von Menschen, die vor 1890 lebten) nicht offengelegt. Auch die Ergebnisse seiner Auswertungen, die Sätze aus den Artikeln, mit welchen er ein Plagiat zu identifizieren sucht, ja noch nicht einmal die 142 Artikel, die aus seinem Sample von 16750 Artikeln als mit Plagiaten versehen identifizierte, sind zugänglich. So bleibt die Aussagekraft dieser Untersuchung unklar.

Schade, denn das Problem mit Plagiaten interessiert in der Bildungsszene (in Schulen und Universitäten) brennend, wenngleich auch eher umgekehrt – nämlich da, wo aus Wikipedia abgeschrieben wird. Die Lage ist gerade bei Wikipedia noch etwas komplizierter, weil dort das Kopieren von Inhalten explizit erlaubt ist – als Ausdruck eines „freien“, nicht durch Urheberrechte geknebelten Wissens (hier passt der Link zur OpenAccess-Debatte). Doch beim Problem des Plagiats geht es weniger um Urheberrechtsfragen als um das Konzept wissenschaftlicher Redlichkeit, wonach fremde Leistungen nicht als eigene ausgegeben werden dürfen.

Hier wird dann gerne von Seiten der Lehrenden das mangelnde Verständnis der Schüler, Schülerinnen und Studierenden (=Lernende) für dieses Prinzip angemahnt, bzw. ein fehlendes Unrechtsbewusstsein beklagt.

Aber vielleicht gibt es auch eine andere Sichtweise, die stärker von den Effizienz-Potentialen medialer Praktiken (bzw. dem Bequemlichkeitspotential der Lernenden) ausgeht. Hier meine These. Das Prinzip der wissenschaftlichen Lauterkeit wird von Lernenden nicht verstanden, weil sie die ihnen gestellten Aufgaben einfach nur sehen als „Zusammentragen und Reproduzieren von Informationen, die andere Personen geschrieben haben“. Ob man das in eigene Worte fasst oder nicht – es ist ohnehin eine Reproduktion von Gedanken eines Anderen, da ist „Copy/Paste“ viel effizienter. Die gesparte intellektuelle Energie wird dann in die Produktion eigener Outputs investiert. Im Idealfall in die zusammenfassende Auswertung, vielleicht aber auch in das nächste Level des neuen XBox-Games oder in eine Viertel-Stunde Online-Chat.

Man könnte die „Copy/Paste-Seuche“ auch als Fortsetzung der Verdrängung von Exzerpten durch Fotokopien sehen. Auch das wurde ja mal als Verlust intellektueller Betätigung beklagt, war auch von Effizienz-Überlegungen getrieben und war auch urheberrechtlich nicht unproblematisch (aber halt noch kein Plagiat). Die Überlegung lautete damals: „ich hab’s kopiert, also hab ich’s auch gelesen“, nun heisst es: „ich hab’s kopiert, also hab ich’s auch geschrieben“. Ich warte noch auf Berichte, dass Schüler mit Foto-Handy die Wandtafel-Anschrifen abfotografieren und der Lehrperson mitteilen, dass sie Foto dann ausdrucken und ins Heft kleben.

Vielleicht bedeutet das Plagiats-Problem für die Lehrenden nicht nur, dass sie „besser“ kontrollieren und über die Wichtigkeit des Redlichkeitsprinzips „aufklären“ müssen. Wäre ja eine Überlegung wert, welche Bedeutung dem „Zusammentragen und Wiedergeben“ von Informationen gegeben wird, bzw. wie diese begründet („Verstehen durch Erklären in eigenen Worten“) und eingebettet werden („Ausgangslage für Entwicklung eigener Argumentation“). Das bedeutet nicht, dass die Lernenden auf Anhieb verstehen, warum das „Copy/Paste“-Verhalten nicht nur von den Lehrenden verpönt, sondern am Ende auch für sie selber (bzw. ihr Sachverständnis) wenig gewinnbringend ist.

Bestätigt fühle ich mich durch die Analyse des Medienwissenschaftlers Stefan Weber, der das Problem der seiner Ansicht nach grassierenden Plagiate folgendermassen auf den Punkt bringt:

Die Universitäten fördern in ihrer Unbeholfenheit den Trend zur Umschreib-Mentalität, zur Textkultur ohne Hirn. (aus „Textueller Missbrauch„)

Bei der Beurteilung des Verhaltens der Lernenden ist auch zu berücksichtigen, inwiefern die Lehrenden selber hier mit gutem Beispiel vorangehen (oder eben nicht). Bedenke: auch die Lernenden können mit einer Google-Recherche ausfindig machen, ob das Arbeitsblatt, die Aufgabenstellung oder die Zusammenfassung von wo anders stammt.

Zum Wandel des Schreibprozesses im digitalen Zeitalter im Zusammenahng mit der Frage von Plagiaten lohnt, nebst der pessimistischen Analyse von Stefan Weber zum Google-Copy-Paste-Syndrom, die Lektüre des Artikels Pimp My Text von Frank Hartmann.

Literatur:

Übersicht HOK: Lesen/Schreiben, HOK Lesen: Quellen

HOK Reden: Über die Zeit II (Tod Web 2.0/Zotero/Ehrensenf)

In einem Eintrag bei den „Hard bloggin scientists“ bekennt Stefan Baumann, das web 2.0 habe aus ihm einen Informationsabhängigen gemacht, der sich täglich dem multimedialen RSS-Terror aussetze. Darum schrecke ihn die Aussage „das web 2.0 ist tot?“ nicht besonders. Hätte ich Zeit (…), könnte ich da mehrere Anknüpfungspunkte finden. Denn das web 2.0 ist wird ja schon seit geraumer Zeit tot gesagt (oder zum Hype deklariert), und Informationsabhängigkeit ist (glaub ich) schon eine anerkannnte Krankheit (zumindest in der Form der Internet-Sucht).

Stattdessen versuche ich das neue, vom Center for History and New Media (CHNM) vorgestellte Firefox-Plugin „Zotero“ aus seine Tauglichkeit zu testen. Zotero ist ein Bibliographie-Tool, das im Browser mitläuft und ziemlich clever Annotationen und Verlinkungen zulässt. Solange ich aber zuerst alle Bücher auch noch von Hand erfassen muss, ist mir das zu umständlich. Und nur zur Verwaltung von Websites? Ich stelle hier so eine Art Zettelkasten-Syndrom fest: Kaum hat man sich ein neues Format zugetan und alle Einträge brav eingspeisen kommt ein neues, besseres System. Dieses erforderte aber die Bearbeitung aller bisherigen Einträge. Dieser ständige Kampf mit Standards, Heterogenität und Medienbrüchen…
Aber Eindrücke und Erfahrungen mit Zotero sind jederzeit hier willkommen!!

Interessanterweise ist Zotero auch ein Gegenbeispiel zu meiner eben geäusserten Vermutung, dass das persönliche Informationsmanagement in Zukunft webbasiert vor sich geht. Vielleicht könnten Plugins wie Zotero auch eine Brücke zwischen PC und Web-Arbeitsumgebung bilden.

Und wo wir es schon von Zeit und „Information Overload“ und Multimedia haben: Der TV-Webcast „Ehrensenf“ macht ja eigentlich seit Jahren nichts anderes, als schräge Fundstücke und kleine Juwelen aus dem Internet auf launig-witzige Art in einer 5-Minuten-Mini-Fernsehsendung zu präsentieren. Alle, die knapp in der Zeit sind, seien vor dem Anklicken gewarnt. Bei den 5 Minuten bleibt es in der Regel nicht, weil irgend ein aberwitziger oder interessanter Hinweis einen in die Fernen des Cyberspace führt. Zum Beispiel zu diesem kleinen schwarzhumorigen Animationsfilm über moderne Management-Methoden bei Gevatter Tod. Womit wir den Kreis zum Beginn des Blogeintrags wieder geschlossen hätten. Und einen neuen Anknüpfungspunkt: Hat das Web 2.0 einen Hang zur Parodie? Fehlt es der Web-Community einfach am nötigen Ernst?

Übersicht: HOK Reden

Aus der Welt der Wikis: Wikifehlia und die „Bild“

Die Online-Ausgabe der Bild-Zeitung hat ein neues Feind-Bild entdeckt: die Wikifehlia. Auslöser waren die derben Wikipedia-Scherze rund um den Kinostart des Films „Borat„. Diese haben die Bild aufgeschreckt und zu tiefsinnigen Einsichten verholfen:

Können Sie sich vorstellen, dass jemand nachts in die Brockhaus-Redaktion einbricht, ein paar Lexika-Bände umschreibt und die dann auch noch so gedruckt werden?

Klar, wurden die aufmerksamen Redaktoren schnell in der Wikifehlia fündig (nein, es werden nicht nur Monate alte Fälle, wie jener von John Seigenthaler aufgerollt!): Dieter Thomas Heck wird als erstes Promi-Opfer präsentiert und die Öffentlichkeit aufgefordert, weitere Fehler im Online-Nachschlagewerk der Bild-Redaktion zu melden.

Gefunden via Telepolis.

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