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Archiv für das Jahr 2005

HOK: Schreiben: Blogs und Wikis

Erik Möller kommt bei der Frage „Sind Blogs Journalismus“ (die ich hier auch schon behandelt habe) zum Schluss: „Tatsächlich sind die meisten politischen Blogs eher vergleichbar mit täglichen Kolumnen“ (Die heimliche Medienrevolution, 133). Gibt es eine Tendenz zu einer unausgesprochenen „Arbeitsteilung“ bei der Webpublikation:

  • einerseits die sehr subjektiven, von Einzelpersonen verantworteten, zugespitzt formulierten Blogs, die Meinungen, Haltungen, Deutungen präsentierten und
  • andererseits die kollaborativ erstellten, lexikalischen, einem neutralen Standpunkt verpflichteten (und daher so viel mehr umstrittenen und diskutierten) Wikis – wie im Paradebeispiel Wikipedia, das eher Faktenwissen generiert?

Wikis, so scheint mir, tendieren dazu, Texte mit grösstem gemeinsamen Nenner zu generieren – oder sie werden schnell unübersichtlich. Dies ist leicht nachzuvollziehen, wenn man die Diskussionseiten zu den verschiedenen Wiki-Seiten aufruft. Die verschiedenen Diskussionstränge werden schnell unübersichtlich und schwer nach zu verfolgen.

Möller hat diese Schwäche nicht nur erkannt, sondern mit Liquid Threads einen Vorschlag unterbreitet, der die Diskussion nicht nur besser gliedern soll, sondern durch regelmässige Zusammenfassungen (offensichtlicher Unsinn wird dann „weg-zusammengefasst“) und differenziertes Rechtemanagement (Autoren können selber festlegen, ob sie anderen Usern das Verändern des Textes erlauben wollen) auch deren inhaltliche Qualität besser sichern könne.

Darüberhinaus kann sich Möller durchaus vorstellen, dass die unterschiedlichen Funktionalitäten bzw. Nutzungen von Blogs und Wikis sich in Zukunft dank besserer technischer Lösungsmodelle vermischen können.

Literatur:
Möller, Erik: Die heimliche Medienrevolution.Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern, Hannover: heise 2005.

Übersicht: HOK Schreiben

Aus der Welt der Blogs VII: Rechne nie damit, dass niemand Deinen Blog liest

Auch das Medium Blog scheint Leute anzuziehen, die sich gerne selber vor Publikum in Schwierigkeiten bringen – dies scheint kein Privileg von Nachmittags-Talkshows zu sein. Telepolis berichtet von einigen Beispielen, wie sich unvorsichtige Blogger um ihren Job (wegen image-schädigenden Aussagen über den Arbeitgeber) oder ihre Freiheit (wegen Ausplaudern strafbaren Verhaltens) gebracht haben („Mein Blog liest ja sowieso kein Schwein“).

Auch gefährlich: Ironie. Der Iraner Hossein Derakhshan („Hoder“), ein bekannter Blogger, der diese Medienform zur freien Meinungsäusserung über die politischen Begebenheiten in Iran nutzt und in verschiedener Form für sein publizistisches und riskantes Schaffen gewürdigt wurde, hat die unangenehme Seite der Internet-Transparenz bemerkt, die das Bloggen so mit sich bringt. Bei der Einreise in die USA wurde er von Zollbeamten kontrolliert. Die Zollbeamten googelten seinen Namen und kamen zum Schluss, er habe (unbewilligt) einen Wohnsitz in den USA und erziele in den USA ein Einkommen. Dabei spielte auch ein (als Scherz gemeinter) Blogeintrag eine Rolle, in dem Derakshan sich ausmalte, dass er von den iranischen Behörden bei einer Einreise in den Iran zum Geständnis gezwungen werden könne, er bekäme von der CIA Geld. Was die Grenzer als Hinweis auf Gehaltszahlungen der US-Regierung verstanden. Diese Auffassung konnte Hoder zwar noch korrigieren, dennoch erhielt er ein sechsmonatiges Einreiseverbot.

Aus der Welt der Wikis: Wikipedia-Nörgeln

Während die einen das kollaborative Modell der Wikipedia als Beispiel kollektiver Intelligenz loben (etwa ein Artikel in der Weltwoche, die nach Google nun auch Wikipedia entdeckt haben), kommen andere nicht umhin, ausdauernd an Wikipedia herumzunörgeln. Sei es grundsätzliche Kritik wie jene von Daniel Brandt, der auf seiner Website Wikipedia-Watch aber doch eher einen Privatkrieg gegen Wikipedia auf Schülerzeitungsniveau zu führen scheint. Immerhin gelang ihm mit relativ einfachen Mitteln herauszufinden, wer für die Fehleintragungen zu John Seigenthaler verantwortlich war. In einem Interview bei ZDNet über sein Vorgehen und seine Schlussfolgerungen aus diesem Fall klingt er hingegen vergleichsweise vernünftig: er findet, dass Biographien lebender Personen besonderer Behandlung bedürfen und dass die Art der Benutzerkennung anders gehandhabt werden müsse. Jedenfalls hat Brandt einiges an Aufmerksamkeit bekommen, was etwa der Spiegel Online als „schmerzlich“ für Wikipedia bezeichnet, weil bis anhin dieser Kritiker ignoriert werden konnte – was als Feststellung auch schon etwas nörglerisch klingt. Brandt betreibt übrigens auch Google-Watch. Unnötig zu erwähnen, worum es auf dieser Website geht.

HOK: Lesen: Quellen

Übersicht über die Artikel zur Historischen Online-Kompetenz, die sich mit Fragen der Quellenkritik befassen (neuste zuerst – Update: 1.12.2006 – mit dem Wechsel zu weblog.histnet.ch ist die Kategorie „Quellen“ der geeignet Zugang zu diesen Einträgen):

HOK: Lesen – Quellen IV: Plagiate

Die Copy/Paste-Mentalität greift in den Bildungsinstitutionen dermassen um sich, dass Dozenten sich angehalten sehen, ziemlich rigide auf gängige Zitierpraxis in wissenschaftlichen Publikationen hinzuweisen (ein Problem, dass auch Wikipedia plagt…). Die Studierenden fügen nach einer erfolgreichen Internet-Recherche in ihren Arbeiten oft ganze Abschnitte ein, ganz im Sinne von „besser hätte ich das auch nicht formulieren können“. Plagiate sind zwar vergleichsweise einfach aufzudecken: Sätze, die in Stil, Wortwahl und Tonfall stutzig machen, können in Google gezielt gesucht werden – oft wird dann das Original gefunden. Ein Angebot der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) Berlin bietet einen kleinen Online-Kurs, mit dem man seine eigene „Plagiat-Auffind-Kompetenz“ beurteilen kann.

Aus der Welt der Blogs VI: Tim Berners Lee bloggt

Auch hier (bei hodel.hist.net.blog) der obligate Eintrag: der Erfinder des WWW, Tim Berners Lee, hat nun auch einen Blog. Doch so richtig begeistert tönt das nicht:

„So this is for all the people who have been saying I ought to have a blog“

Berners Lee weist darauf hin, dass er bei der Konzeption des WWW eigentlich davon ausging, dass Editieren mit dem Browser möglich sein sollte, also das Schreiben (und Publizieren) auf dem Web. Hilfsmittel wie Blogs oder Wikis hätten gar nicht nötig sein sollen. Doch schliesslich setzten sich bei den verbreiteten Browsern (Netscape und dann Explorer) die „Edit“-Funktionen nicht durch. Und nun muss auch Berners Lee bloggen. Dafür wird er mit einer Aufmerksamkeit belohnt, die fast jener für Elton Johns Hochzeit gleichkommt. Auf seinen ersten Eintrag reagierten 400 Kommentatorinnen und Kommentatoren (wobei die Menge, wie gesagt, noch nichts über die Qualität aussagt. Berners Lee (wie Elton John von der Queen zum Ritter geschlagen) will übrigens über das semantische Web, sein Steckenpferd, bloggen. Die Aufmerksamkeit der Blogger-Community ist gross. Beim Blog-Suchdienst Technorati erzeugt „Tim Berners Lee“ 5600 Einträge, grösstenteils ausgelöst durch seinen Blog-Start.

HOK: Lesen – Quellen III: Copy/Paste – Left&Right

Zur Kompetenz, Informationen aus dem Internet der Quellenkritik zu unterziehen, gehört auch das Wissen um die Rechtslage. Die digitale Medien-Gesellschaft macht das verlustlose Kopieren zur einer Frage weniger, gutplazierter Mausklicks. Die Urheber befürchten um ihren Verdienst betrogen zu werden. Die Konzerne der Unterhaltungsindustrie drohen Zehntausenden Nutzerinnen und Nutzern von Peer-to-Peer-Netzen mit happigen Strafklagen. Aber auch interessante wissenschaftliche Arbeiten sind oft kostenpflichtig. Da die Lizenzen etwa für Online-Journale ins Unermessliche steigen, können sich viele Universitäten diese Lizenzen nicht mehr leisten. Der Weg in die wissenschaftliche Zwei-Klassen-Gesellschaft ist vorgezeichnet.

Die OpenAccess, eine Initiative aus Kreisen der Bibliotheken, ist eine Reaktion auf die Probleme, die durch die Kommerzialisierung bei wissenschaftlichen Publikationen enstehen. Die kommerziellen Interessen der Verlage führen insbesondere dazu, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht frei zugänglich sind.

Aus diesem Grund hat Lawrence Lessig, auf Internet-Recht spezialisierte Professor an der Stanford Law Scholl, eine neue Form urheberrechtlicher Lizenzen, die Creative Commons (CC), vorgeschlagen. Diese gibt den Urhebern die Möglichkeit, ihre Werke für die weitere Verwendung entweder ohne oder mit gewissen Einschränkungen freizugeben. So ist etwa möglich, die weitere Verwendung mit Nennung des Autors zu erlauben, oder nur nichtgewerbliche Nutzungen oder nur Nutzungen ohne Veränderung des Originals. In der Schweiz kümmert sich die Organisation OpenLaw um die Anpassung der Creative Commons an schweizerisches Recht. In Deutschland liegt bereits eine angepasste Form der CC-Lizenzen vor, so kann man hier seine gewünscht Lizenform online zusammenstellen. da es sich nicht um freie Lizenzen (wie etwa bei Open Source Software) handelt, gibt es Probleme bei Fällen gemischter Lizenzen, da sich Open Source Lizenz (wie etwa GNU) und CC teilweise gegenseitig ausschliessen. CC-Lizenzen werden mit folgendem Bild gekennzeichnet:

Oft ganz andere Probleme bei der Frage der Urheberrechte stellen sich Lehrverantwortlichen in Schule und Universitäten: Plagiate.

HOK: Lesen: Vom Suchen und Finden

Übersicht über Blogeinträge zur Historischen Online-Kompetenz, die sich mit dem Aspekt Lesen befassen, spezifisch mit Fragen des Suchen und Findens (neuste zuerst – Update: 6.12.2006 – mit dem Wechsel zu weblog.histnet.ch ist die Kategorie „Suchen und Finden“ der geeignete Zugang zu diesen Einträgen):

Aus der Welt der Blogs

Übersicht über die Blogeinträge „aus der Welt der Blogs“ (letztes Update 6.12.2006 – mit dem Wechsel zu weblog.histnet.ch ist die Kategorie „Blogs“ der geeignete Zugang zu diesen Einträgen):

Aus der Welt der Wikis

Übersicht über die Blog-Einträge „Aus der Welt der Wikis“ (neueste zuerst – Letztes Update: 7.12.2006 – mit dem Wechsel zu weblog.histnet.ch ist die Kategorie „Wiki“ der geeignete Zugang zu diesen Einträgen):