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Archiv zur Kategorie 'Wissenschaft und Politik'

Alles offen?

openweltuntergang
Wer sich einen Überblick über die Open Access-Debatte verschaffen möchte, die gerade im deutschen Feuilleton tobt, sei entweder (einmal mehr) auf die entsprechenden Einträge bei Archivalia verwiesen, oder auf die Zusammenfassung der Diskussion von Stephan Rosenke im InfoWissBlog mit dem Titel „Open Weltuntergang“. Es sieht so aus, als spitze sich von Peter Haber bereits vor zwei Jahren angesprochene „Krise des historischen Publizierens“ noch einmal zu.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Wie waren wir beeindruckt, als wir als Studenten hörten, unser verehrter Lehrmeister sei mit 30 Jahren schon habilitiert gewesen und hätte wenige Jahre später auch schon einen Lehrstuhl gehabt. Nun, solche Karrieren gibt es immer noch und die Forschungsförderung setzt alles daran, die nachwachsenden Forscher so zu trimmen, dass sie am besten schon mit 25 ihre Habilitation einreichen.

Nur: Die Realität ist nicht immer so, wie es sich die Planer vorstellen. Studien aus den USA haben erschreckende Zahlen an den Tag gebracht. Im Bereich Geschichte betrug im Jahre 2005 das Durchschnittsalter, in dem Historiker ihr PhD abschlossen, 35 Jahre. Das Durchschnittsalter, in dem eine Vollprofessur angetreten werden konnte, lag bei unglaublichen 58,7 Jahren. Mehr Details und Nachweise zu den zitierten Studien finden sich im lesenswerten Weblog PhDinHistory.

Zuckerbrot und Peitsche beim neuen Urheberrecht

Wir verweisen ausnahmsweise nur auf den wie immer hervorragenden Bericht auf heise.de über die neu bekannt gewordenen Details zum neuen Urheberrecht in Deutschland. Dass die Schweiz als positives Beispiel genannt wird und dass Subito vielleicht doch noch bestimmte Dienste wird anbieten können mag teilweise trösten – alles in allem bestätigt sich unser gestern geäusserter Eindruck, dass hier in einem fulminanten Schildbürgerstreich ein Zeichen in die falsche Richtung gesetzt (werden) wird.

Machen Schüler/innen mit Schul-PCs nur digitalen Blödsinn?

Spiegel und Spiegel Online entdecken das Thema Medien (und vor allem Medienpädagogik) noch einmal neu. Aufhänger der Story um „Web 0.0“ (zugegebenermassen ein witziger Titel, der aber nichts mit dem Thema zu tun hat) ist die Meldung von einer Schule in Liverpool (USA), die ihr Notebook-Programm („allen Schüler/innen ihr eigenes Notebook“) vorzeitig eingestellt hat. Die Verantwortlichen begründen den Schritt damit, dass die Schüler/innen die Notebooks nicht wie vorgesehen für schulische Zwecke genutzt haben. Statt Lernprogramme und wissenschaftliche Informationen luden sie Musik und Pornos herunter. (mehr …)

Public History

Die Universität Luzern lanciert einen Nachdiplomstudiengang MAS / CAS in Public History. Was damit gemeint ist, beschreiben die Initiatorin Beatrice Schumacher und die Initiatoren Valentin Groebner und Philipp Sarasin so:

Wir verwenden «Public History» für das weite Feld aller Tätigkeiten, mit denen historische Inhalte für das so genannte breite, nicht-spezialisiere Publikum erforscht, aufbereitet und vermittelt werden. Dazu zählen etwa das Schreiben von Orts- und Regionalgeschichten, von Verbands- und Firmengeschichten, historische Ausstellungen, Führungen, Stadtrundgänge, Dokumentarfilme, historische Publizisitik, Radiosendungen, usw.

HOK Lesen: Quellen: Urheberrecht behindert den Unterricht (mit neuen Medien)

Der Einfachheit halber zitiere ich hier ausführlich eine Meldung von irights.info (statt sie in eigenen Worten zusammenzufassen – soviel zu Shake and Paste).

Eine Studie des Berkman Center for Internet and Society, einem Institut der Universität Harvard, untersucht die Rolle des US-Copyrights bei der Entwicklung und Nutzung neuartiger Methoden und Technologien im Unterricht. Fazit: Derartige Initiativen werden durch das Copyright nicht gefördert, sondern behindert.

Dieses Fazit ist deshalb so bedeutend, weil in der US-Verfassung, die die Grundlage für das Gesetz bildet, festgelegt ist, dass der Kongress dafür sorgen muss, dass das Copyright den wissenschaftlichen Fortschritt fördert. (…)

Auch in Deutschland gibt es deutliche Kritik an den Regelungen des Urheberrechts mit Bezug auf Bildung und Unterricht. Sowohl das Urheberrechtsbündnis für Bildung und Wissenschaft, als auch der Bundesrat und die Organisation „Schulen ans Netz“ haben mehrfach das bestehende Gesetz kritisiert. Sie befürchten, dass sich die Situation für Bildung und Lehre erheblich verschlechtern wird, wenn die Bundesregierung die bisher vorgelegten Vorschläge zur Reform des Urheberrechts umsetzt.

Zur Situation in der Schweiz ist mir nichts bekannt (Hinweise gerne bei den Kommentaren erwünscht!).

Übersicht: HOK Lesen: Quellen

HOK: Lesen: Quellen: Urheberrecht (Grundlagen)

Ich habe mich freimütig zu meiner Unlust bekannt, mich mit Fragen des Urheberrechtes auseinander zu setzen, wiewohl ich ausdrücklich darauf hinweisen möchte, wie zentral diese Fragen im Zusammenhang mit Quellenkritik und wissenschaftlichem Arbeiten sind. Denn es geht nicht nur um Tauschbörsen für Songs und Filme, sondern auch um die Frage, inwiefern die Auslieferung digitaler Kopien durch Universitätsbibliotheken zu Zwecken der wissenschaftlichen Nutzung (bzw. das Bereitstellen von Arbeitsplätzen in Universitäten und Bibliotheken, die kostenlosen Zugriff auf elektronische Zeitschriften ermöglichen) weiterhin gestattet, bzw. geregelt sein soll .

Eine Übersicht zur Entwicklung des Urheberrechts im digitalen Zeitalter findet sich im Anschluss an diesen Artikel bei Heise, der die Geschichte des deutschen Urheberrechts (bzw. seiner Revision im Hinblick auf die Erfordernisse des digitalen Zeitalters) von 2003 bis Anfang 2006 zusammenfasst. Im Anschluss findet sich eine laufend aufdatierte Liste mit zahlreichen Links zu Meldungen, die Fragen des Urheberrechts betreffen. Darunter auch ein Hinweis auf die Rubrik „Copyright“ bei Telepolis, die eher essayistische Artikel zu diesem Fragenkomplex umfasst.

In Frankreich herrscht derweil Ratlosigkeit, weil das oberste Verfassungsgericht eine sehr harte Linie beim Schutz von Urheberrechten fährt. Das behagt nicht einmal den Vertretern der Urheberrechts-Inhaber. Erstaunlich, wie unterschiedlich die Debatten selbst in Zeiten der globalisierten Digitalisierung in zwei benachbarten Ländern verlaufen können und zu welch unterschiedlichen Ergebnissen sie führen können.

Übersicht HOK Lesen: Quellen