weblog.hist.net

Archiv zur Kategorie 'Weblog'

Wikipedia: Computergestützte Berechnung der Vertrauenswürdigkeit

Die Idee von Luca de Alfaro (Professor für Informatik an der University of California, Santa Cruz) und B. Thomas Adler ist bestechend: Sie haben ein Programm entwickelt, mit dem sie die Glaubwürdigkeit von Wikipedia-Autor/innen und der von Ihnen verfassten Texte berechnen können – so behaupten sie jedenfalls. (weiterlesen …)

Wikipedia in den Wissenschaften | Werkstattgespräch in Basel (3)

Erfreulicherweise kamen gestern nicht nur viel mehr Leute an unser Werkstattgespräch, als wir uns je zu erhoffen gewagt hätten, einige von ihnen haben Ihre Eindrücke auch bereits zu Papier oder in ihr Weblog gebracht. Natürlich sind wir (wie alle Weblog-Betreiber vermutlich) tendenziell narzisstisch veranlagt, so dass wir alle Reaktionen und Berichte schön ablegen werden auf der entsprechenden Wiki-Seite!

Informationsverbund Deutschschweiz (IDS) mit neuem Meta-Suchdienst

Seit Anfang dieser Woche ist unter www.informationsverbund.ch die neue IDS-Website in Betrieb. Sie bietet nebst allgemeinen Informationen zum IDS-Gesamtverbund auch die Möglichkeit zur direkten Katalogabfrage. Nebst den Katalogen der einzelnen IDS-Teilverbünde in Basel/Bern, Zürich, Luzern etc. stehen hier auch die Kataloge einiger IDS-Partner, der RERO-Gesamtkatalog sowie der Katalog der Schweizerischen Nationalbibliothek (Helveticat) für eine katalogübergreifende Suche zur Verfügung.

Ein paar erste Probeläufe ergaben, dass die Suchmaschine nicht sehr schnell ist, die Benutzer/innen-Führung aber recht gut gelöst ist und die Seiten aufgeräumt und übersichtlich sind. Nachbesserungsbedarf besteht wohl noch beim Import der Daten, die nicht immer fehlerfrei angezeigt werden (zum Beispiel gehen fehlen die Wortzwischenräume auffallend häufig bei den Titelangaben). Alles in allem aber auf jeden Fall eine erfreuliche und begrüssenswerte Entwicklung.

P.S.: Einen ganz anderen Weg geht das ambitiöse Meta-Katalogprojekt namens Dreiländerkatalog. Hier werden alle Daten vor Ort gehalten, was natürlich eine andere Geschwindigkeit bei der Suche ermöglicht. Unsere Empfehlung: unbedingt ausprobieren! Der Name ist übrigens zwar Programm, aber noch nicht Realität. Aus der Schweiz sind zumindest bis jetzt keine Daten im Katalog enthalten.

HOK Lesen: Quellen: Komplott- und Verschwörungstheorien (IV)

Wo wir schon dabei sind, noch zwei ergänzende Nachträge: Florian Rötzer berichtet in Telepolis von der Suspendierung des Professors Steven Jones an der Brigham Young University in Provo, Utah, der sich für die These stark macht, die Twin Towers und das daneben stehende Gebäude WTC 7 seien eher durch gezielte Sprengungen zum Einsturz gebracht worden. Diese Aussagen des gläubigen Physikers gefallen der Mormonen-Universität nicht (“Die Diskussion über die Verschwörungstheorien zum 11.9. erreicht die akademische Welt“). Er wird mit folgender Aussage zitiert:

We don’t believe that 19 hijackers and a few others in a cave in Afghanistan pulled this off acting alone.

Das kommt mir doch bekannt vor…

Dazu gesellt sich ein weiterer Telepolis-Artikel von Haiko Lietz (Inside Job), der die wachsende Zahl von US-Bürger/innen thematisiert, die 9/11 für ein Werk der US-Regierung (=Inside Job) halten.

In New York City ist es schwerer, jemanden zu finden, der nicht von einem Inside Job überzeugt ist, als umgekehrt.

Lietz bezieht sich auch auf die Argumentation von Prof. Jones und die von ihm ins Leben gerufene Bewegung “Scholars for 9/11 Truth“.

Wer mit fünf Jahren Abstand noch einmal die Stimmung am Tag der Anschläge einfangen will: CNN wiederholt ungeschnitten die eigene Berichterstattung dieses Tages.

Übersicht: HOK Lesen: Quellen

Aus der Welt der Wikis: Der Zusammenhang von Wikipedia und Rock’n'Roll

Aus einem Interview der Technology Review mit Wikipedia-Gründer Jimmy Wales anlässlich der Wikimania Anfang August:

TR: Was sagen Sie Lehrern und Professoren, die ihren Schülern und Studenten nicht erlauben, aus der Wikipedia zu zitieren, weil sie keine bekannte und verlässliche Quelle sei?

Wales: In den Fünfzigerjahren haben Eltern ihren Kindern doch auch verboten, Elvis Presley zu hören. Es ist einfach lächerlich, Studenten zu sagen, sie dürften die Wikipedia nicht nutzen. Sie tun es ja doch. Professoren sollten wieder ihre Verantwortung wahrnehmen, den Studenten beizubringen, mit der Welt auf eine erwachsene Art und Weise umzugehen. Sie sollten ihnen beibringen, Quellen kritisch zu würdigen. Sie sollten lehren, wie die Wikipedia entsteht und ihre Stärken und Schwächen erläutern. Und Sie sollten den Studenten sagen, wann sie ein Lexikon nutzen sollten und wann Primärquellen besser sind.

Lexika können einem schnell akkurate Hintergrundinformationen liefern. Wenn Sie einen Roman über den Zweiten Weltkrieg lesen und da ein Begriff auftaucht, den sie nicht kennen, greifen Sie zu einer Enzyklopädie und schauen es nach. Müssen Sie eine Seminararbeit zu dem Begriff schreiben, sind weder Britannica noch Wikipedia die richtige Quelle. Den Lexikon-Eintrag kann man als Einstieg lesen, aber dann muss man seine Hausaufgaben machen.

Und außerdem: Rock’n'Roll wird niemals sterben – die Wikipedia auch nicht. Wenn man seinen Studenten also sagt, sie nicht zu benutzen, hilft man ihnen damit überhaupt nicht.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Wer Wikipedia nutzt, tut gut daran, diese Quelle kritisch zu würdigen. Das beginnt mit einer Analyse der Entstehung und der Menschen, die zum fraglichen Artikel beigetragen haben und einem Quervergleich mit einer anderen Quelle. Das sollten Geschichtsstudierende schon in der Einführungsveranstaltung lernen. Aber vielleicht lohnt es sich, das auch explizit mit Wikipedia zu machen.

Ausserdem: Wales hat in seiner Eröffnungsrede an der Wikimania nicht nur den Ausschnitt aus dem Colbert-Report zur Wikiality gezeigt, sondern auch selbstkritisch zur guten Evaluation durch die renommierte Wissenschaftspublikation Nature angemerkt (Zitat aus der Zusammenfassung bei Wikipedistik – vielen Dank, Tim Bartel):

Nach ein paar Worten zu den Milestones des letzten Jahres (Quantität der Artikel in den verschiedenen Wikipedias) sprach er über die Seigenthaler-Affäre (“Apparently there was an error in Wikipedia”) und den Nature-Test. Hier wies er nocheinmal deutlich darauf hin, dass dieser für die Wikipedia sehr glücklich ausgegangen ist und ein Vergleich in einem anderen Bereich als den Naturwissenschaften vermutlich nicht zu einem vergleichbar positiven Ergebnis gekommen wäre.

Mehr zu Wikimania auch im Spiegel-Artikel “Elefanten überrennen Lexikon” (Der Titel bezieht sich auf auf die Wikiality-Aktion von Colbert). Dort fand ich folgende Passage zu den geplanten “stabilen” (= geprüften und für gut befundenen) Artikeln, die in Kürze beim deutschen Wikipedia eingeführt werden soll:

Auch der Erfinder des Prinzips “Wiki”, Ward Cunningham, zeigt sich skeptisch. “Solange Wikipedia zwei Versionen hat [eine editierbare und eine "stabile", unveränderbare - Anmerkung Jan Hodel], ist das ok. Sollte aber in Zukunft ausschließlich eine von Zeit zu Zeit stabilisierte Version entstehen, dann wäre Wikipedia tot. Ohne die soziale Interaktion ist Wikipedia nichts.”

Wikipedia ist eben mehr als ein Gratis-Online-Lexikon. Ein (sehr populäres) Beispiel für eine dank ICT mögliche Form des gemeinschaftlichen Erstellens und Veränderns (und Diskutierens) von Texten. Rock’n'Roll eben.

Übersicht: Aus der Welt der Wikis

HOK Reden: Net Neutrality – oder: wer hat im Internet was zu sagen?

Ich habe die Debatte um die NetNeutrality-Gesetzgebung (Artikel bei Heise vom 5.7.2006 mit Links zu weiteren Artikeln) in den USA in den letzten Wochen nur am Rande verfolgt – und auch nicht ganz verstanden, worum es inhaltlich eigentlich geht, weil Befürworter und Gegner reichlich mit Worthülsen agieren und auch ungewöhnliche Koalitionen eingehen.

Der Gesetzgeber in den USA (Senat und Kongress) diskutieren, ob per gesetzliche Regelung die Internet-Service-Provider (= ISP; in unseren Breitengraden beispielsweise T-Com oder Bluewin) dazu verpflichtet werden sollen, ihren Kunden den Zugang zu sämtlichen Angeboten im Internet kostenlos oder zu gleichen Preisen zu ermöglichen. Das Netz soll in dieser Hinsicht “neutral” bleiben.

Hintergrund: Die ISP, oft aus dem Bereich der Telekommunikation, sind leicht angesäuert, dass sie (Wettbewerbsdruck!) den Internet-Zugang immer günstiger verkaufen müssen, zugleich aber gewitzte Firmen beispielsweise mit Gratis-Internet-Telephonie (z.B. Skype) ihnen die Kunden abwerben oder mit tollen Geschäftsideen jede Menge Geld verdienen (z.B. Google, Amazon), die ohne das Netzwerk gar nicht existieren würden. Die ISP wollen Konkurrenten nicht ohne weiteres dulden, einen Anteil an den Gewinnen der Internet-Firmen und auch selbst im Bereich des “Contents” aktiv werden – denn dort kann Geld verdient werden. Und natürlich wollen sie ihren Kunden vor allem die eigenen Angebote schmackhaft machen – und die der Konkurrenz eher weniger.

Die ISP wollen (von Ben Schwan bei Technology Review schön auf den Punkt gebracht) also das Recht, gewisse Dienste zu sperren, von Internet-Firmen gesonderte Gebühren zu verlangen und gewisse Dienste (eigene oder solche von Partnern – zum Beispiel Musik oder Filmdownload-Services) schneller durch ihr Netz zu leiten als andere (solche von Konkurrenten). Marktwirtschaftlich ist das einleuchtend gedacht – und macht deutlich, dass die Infrastruktur, auf der wir täglich herumsurfen, eben nicht der “Allgemeinheit” gehört – sondern privaten Firmen. Das nährt Dystopien von geldgierigen Grosskonzernen, die die dummen Endnutzer nach Strich und Faden ausnehmen – oder vom “gläsernen Bürger”.

Gegner der ISP in dieser Auseinandersetzung sind die grossen Internet-Unternehmen (vora allem Google und Amazon, bekannt aus EPIC 2015) und Bürgerrechtsgruppierungen, die den Traum vom “freien, allen Bürgern gleich zugänglichen” Internet nicht aufgeben wollen. Die Verwirrung entsteht auch daraus, weil Befürworter des “freien” Internets eine staatliche Regulierung fordern – und die ISP voll die Karte “Freiheit” (gemeint ist “frei von staatlichen Eingriffen”) ausspielen. Es melden sich auch kritische Stimmen, die bezweifeln, ob Startup-Unternehmen mit neuen, innovativen Ideen (wie es Google einmal war) sich überhaupt noch entwickeln können, wenn für das Anbieten von Inhalten und Dienstleistungen den ISP gleich Geld geschuldet wird.

Ich bin auf eine Kolumne bei CNET-News gestossen, wo diese Auseinandersetzung zu interessanten Bekenntnissen führt: eine Kolumnistin des IT-Business, die ja wohl eher für “Wettbewerb” und “Markt” sein dürfte (vor allem wenn es um Produkte und Dienstleistungen geht) propagiert die staatliche Regulierung der Infrastruktur Internet, vergleichbar mit den Regelungen für Strassenbau und -betrieb. Molly Wood (sie heisst wirklich so) bekennt, dass sie zunächst gegen eine solche Regelung gewesen sei, aber durch die unwahren Behauptungen der Net-Neutrality-Gegner ihre Meinung geändert habe. Sie zerpflückt im Detail die ihrer Ansicht nach verlogene Argumentation der ISP, verlinkt zu Propaganda-Websites von Gegnern und Befürwortern (die jeweils im Styling von “Grassroot”-Bewegungen daher kommen und verschleiern wollen, dass sich hier vor allem Gross-Unternehmen gegenüberstehen) und zu zentralen Dokumenten des Gesetzgebungsprozesses.

Zyniker/innen mögen nun einwenden, dass Frau Wood eben von Google bezahlt wurde (oder Google-Aktien besitzt, oder im Sinne von PayPerPost von beiden Seiten Geld einstreicht…). Die Kolumne ist jedoch für sich genommen ein sehr interessantes Dokument zur Frage, welche Kräfte das mittlerweile unverzichtbare Arbeitsinstrument “Internet” prägen: sind es die grossen Firmen (wenn ja, welche?), die US-Regierung (die am WSIS ja nur ungern Kompetenzen an die ITU, bzw an die internationale Gemeinschaft abgeben wollte) oder die “Net-Community”, also die Gesamtheit der Internet-Nutzer/innen? Ist das Internet zu einem Marktplatz geworden, bei dem die Wissenschaftler/innen gerade noch geduldet werden? Wieviel Einfluss können wir hier in Europa auf diese Entwicklungen nehmen?

Übersicht HOK Reden

HOK Lesen: Quellen: Wikipedia und die Geschichtswissenschaften

Die offensichtliche Frage, inwiefern Wikipedia für den Gebrauch in den Geschichtswissenschaften geeignet ist, ist hier noch nie explizit gestellt worden. Die Überlegungen zum Prinzip der Wikis und zu Wikipedia waren eher allgemein gehalten.

Im Nachgang der Fertigstellung meines Textes zu “hist.collaboratory” (ein Torso, bzw. die allererste Anfangsfassung ist hier zu finden) wurde ich von Kollege Peter Haber, der meinen Beitrag redigiert, auf diese Frage gestossen.

Dass ich nun erst jetzt diese Frage direkt behandle, weist darauf hin, wie heikel dieses Thema (zumindest in meinen Augen) zu sein scheint: Die Vorstellung, dass jede Person die Einträge dieses Nachschlagewerks nach Lust und Laune verändern kann, widerstrebt den meisten Historiker/innen. Sie lassen es kaum als wissenschaftliche Informationsquelle gelten und mögen sich auch nicht als Autor/innen engagieren. (Wobei ich bereits einige Autor/innen in Wikipedia entdeckt habe, die sich als Historiker mit Hochschulabschluss zu erkennen geben – obwohl dies allein noch nichts über die Qualität der Einträge aussagt).

Die erste (und einzige mir bislang bekannte) Besprechung von Wikipedia in den Geschichtswissenschaften lief bei H-Soz-Kult und bezog sich auf die CD-ROM-Version vom Frühling 2005. Die Rezension widmete sich drei (!) Artikeln, die sich mit geschichtswissenschaftlichen Themen befassten: “Investitur-Streit”, “Historiker-Streit” und “Merkantilismus”. Dabei fand Rezensent Björn Hoffmann einige inhaltliche und formale Unstimmigkeiten und schwere Mängel.

Beispiel Merkantilismus: Waren die beiden ersten Stichproben zumindest nicht grob falsch, kann man das von vielen Formulierungen des Artikels zum Merkantilismus nicht mehr behaupten, der Merkantilismus wird hier als „vorherrschendes Wirtschaftssystem im Zeitalter des Absolutismus“ bezeichnet. (…) Hier wird der Eindruck erweckt, dass es sich beim Merkantilismus um ein einheitliches Wirtschaftssystem gehandelt habe (…). Das Gegenteil ist der Fall und in der historischen Forschung besteht darin auch kein Zweifel, dass der Begriff des Merkantilismus letztlich nur sehr unterschiedliche praktisch-wirtschaftspolitische Maßnahmen in Europa bezeichnen kann.

Wie schwierig es ist, Kritik an Wikipedia zu üben, weil Fehler schnell ausgemerzt werden können (und oft auch werden) zeigt eine Durchsicht der Artikel im Juni 2006. Die meisten von Schäfer kritisierten Mängel im Wesentlichen sind behoben und in den betreffenden Einträgen sind seit Mai 2005 jeweils über 100 Veränderungen vorgenommen worden (auch wenn diese Änderungen oft nur kleinere Tippfehlerkorrekturen waren). So heisst der erste Satz im Artikel Merkantilismus (am 14. Juni 2006):

Merkantilismus ist ein nachträglich verliehener Begriff für ein Sammelsurium verschiedener wirtschaftspolitischer Ideen und Politiken, welche sowohl geldpolitische als auch handels- und zahlungsbilanztheoretische, aber auch finanzwirtschaftliche Ansätze verbinden.

Im Mai 2005 begann der Artikel noch so (Version vom 9. März):

Der Merkantilismus (lat. mercator – Kaufmann) war das vorherrschende Wirtschaftssystem im Zeitalter des Absolutismus (16.–18. Jahrhundert). Er löste die mittelalterliche Zunft- und Stadtwirtschaft ab und ist verbunden mit der Herausbildung homogener Volkswirtschaften.

Kritik an Wikipedia ist deswegen nicht obsolet: Auch die aktuelle Version lässt noch zu wünschen übrig. Aber Kritik ist m.E aus verschiedenen Gründen schwer anzubringen:

  • Fehler werden schnell korrigiert und Mängel behoben, folglich veraltet die Kritik ebenso schnell.
  • Jede Kritik muss sich mit der Wikipedia-Aufforderung “Dann verbessere es doch!” auseinandersetzen. Das ist sonst bei Kritik an geschichtswissenschaftlichen Texten weder üblich noch möglich.
  • Die unglaublich Menge an Einträgen (die sich auch dauernd ändern) zu Themen der Geschichte und der Geschichtswissenschaften machen eine fundierte Analyse, die mehr als drei zufällig ausgewählte Artikel bewertet, ausserordentlich schwer.
  • Bei der Analyse ist zudem immer die Referenz zu berücksichtigen: Muss Wikipedia so gut sein wie die “Geschichtlichen Grundbegriffe“, wie der “Brockhaus” oder einfach besser als das Suchergebnis bei Google?

Letzters möchte ich kurz am Beispiel des Begriffs “Historische Anthropologie” (Version vom 8. März 2006) erläutern: Inhaltlich ist der Eintrag (selbst für ein Lexikon) etwas mager, dafür listet er relevante Literatur zum Thema auf. Und das ist auf jeden Fall mehr, als was sonst im Internet zu diesem Thema zu finden ist.

Eine weitere Analyse von Wikipedia im Hinblick auf den wissenschaftlichen Nutzen für die Geschichte wäre noch zu leisten. Ich werde hier mal ein bisschen weiter daran rumdenken. Kommentare und Hinweise sind gerne willkommen!

Übersicht: HOK Lesen: QuellenAus der Welt der Wikis

HOK Lesen: Quellen: Google plant kostenpflichtigen Bücherdienst

Die Preise des Google Book Search genannten Dienstes sollen von den kooperierenden Verlagen festgelegt werden. Die Bücher dürfen aber nur im Web-Browser angesehen und nicht ausgedruckt werden. Damit erhält die längere Auseinandersetzung um den Weg zum digitalen Zugriff auf Buchinhalte (der bei Google einst Google Print hiess) eine neue Wendung.

Übersicht: HOK Lesen: Quellen

HOK Lesen: Quellen: Konvergenzen und neue Quellen

Nicht ganz taufrisch, aber noch immer eine Bemerkung wert: mit dem iPod kann man durchaus mehr, als nur Musik hören.

  • Entweder man lädt Wikipedia auf seinen iPod (das nennt sich encyclopodia) und kann auch in der Strassenbahn nach Heidegger suchen (hier wird wohl ein Update meines Artikels zu Suchstrategien nötig)
  • oder man macht den iPod zum tragbaren Hörsaal und führt sich beim Faulenzen auf dem Balkon oder beim Snowboarden die Überlegungen des Lieblingsprofessors zu Gemüte (allerdings erst in ausgewählten Unis, nicht in unserer Nähe…)

Übersicht: HOK Lesen: Quellen

Aus der Welt der Wikis: Wikipedia zählen

Es gibt schon eine Reihe von Studien, die sich die Wikipedia als Gegenstand vorgenommen haben, letzthin habe ich hier auf eine systemwissenschaftliche Studie hingewiesen. Die folgenden zeigen verschiedene Ansätze, Wikipedia zu untersuchen, die alle eines gemeinsam haben: sie zählen. Was und wie sie zählen, ist jedoch sehr unterschiedlich.

Vermessen
Jakob Voss nimmt sich die eindrücklichen Zahlen der Wikipedia vor und wertet sie nach verschiedenen Kriterien hin aus. Wieviele User schreiben wieviele Beiträge und wie oft edieren sie bereits bestehende Einträge? Lassen sich Zusammenhänge erkennen oder gar Typologien formulieren? Die Ergebnisse entsprechen in groben Zügen den Erwartungen: es gibt viele Benuzter/innen, die wenig, und wenige, die viel schreiben. Interessant ist die Beobachtung, wie sich die Beziehung zwischen Anzahl Beitragender und Beiträge jeweils genau verhält und auf dei Gesamtheit verteilt. Auch sind zwischen den Sprachen Unterschiede auszumachen. Hingegen lässt dieser Blick keine Unterschiede bei der Erstellung und Bearbeitung von Artikeln in verschiedenen Fachbereichen feststellen.

Vergleichen
Emigh und Herring verglichen ausgewählte Artikel in verschiedenen Enzyklopädien, zum Beispiel zu den Begriffen “Freund”, “Pulitzer Prize” oder “Karl Marx”. Sie wählten dazu Wikipedia, eine gedruckte (also herkömmliche) Enzyklopädie (Columbia Encyclopedia) und das Webprojekt everything2. Letzteres ist wie Wikipedia ein Versuch einer hypertextuellen Wissensbank, die jedoch anders funktioniert. Bei everything2 kann zwar alle registrierte mitglieder neue Artikel erstellen, doch nur die ursprünglichen Autor/innen dürfen ihre Artikel edieren. Die anderen Mitglieder bewerten die Artikel. Die Bewertungen werden beim Artikel sichtbar gemacht. Je besser die Artikel bewertet werden, desto mehr Bwertungsmöglichkeiten erhalten ihre Autor/innen.

Emigh und Herring stellen fest, dass sich die Artikel in der gedruckten Enyklopädie und in Wikipedia in vielen formalen Kriterien mehr gleichen, als die beiden enzyklopädischen Online-Projekte. Offenbar sind die Vorstellungen von einem “richtigen” Eintrag in eine Enzyklopädie stark geprägt von bestehenden (gedruckten) Vorbildern. Und es scheint, dass vor allem die aktiven Mitglieder bei Wikipedia die Einträge auch in diese Richtung umgestalten.

Demgegenüber enthalten die Einträge bei everything2 mehr persönliche Einschätzungen und präsentieren auch ungewöhnliche Sichtweisen.

Verfolgen
Bellomi und Bonato haben Wikipedia einer Netwerkanalyse unterzogen. Sie haben die Verknüpfungen zwischen den Wikipedia-Einträgen analysiert. Dabei nahmen sie verschiedene mathematisch-statistische Methoden zu Hilfe, die auch bei der Rangierung von Suchergebnis-Listen zum Einsatz kommen, etwa PageRank der Google-Erfinder Brin und Page. Sie gewichteten die Links anhand der Überlegung, dass ein Wikipedia-Eintrag besonders wichtig sei, wenn viele andere Einträge auf ihn verweisen. Dabei erhält ein Verweis wiederum mehr Gewicht, wenn er von einem Eintrag mit Gewicht stammt. Ein solcher Verweis wertet damit den Eintrag auf, zu dem er führt.

Damit wollten sie zeigen, wie Begriffe mittels Begriffen erklärt werden und welche Begriffe besonders wichtig sind. Sie kamen zum Schluss, dass vor allem regionale Bezeichnungen (Länder, Städte) und zeitliche Bezeichnungen (2. Weltkrieg, 11. September) besonders wichtig sind und hier (für die untersuchte englische Version der Wikipedia) eine Fokussierung auf die westliche Welt festzustellen ist.

Interessanterweise gelangten sie mit zwei unterschiedlichen Messmethoden zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Die Google zugrundeliegende PageRank-Methode zeigte eine hohe Gewichtung von religiös-christlichen Begrifflichkeiten. Was das bedeutet und wie es erklärt werden könnte, erläutern Bellomi und Bonato leider nicht.

Literatur

Übersicht: Aus der Welt der Wikis

 

Wechsle zu unserer Mobil-Seite