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Einträge von jan hodel

«Geschichtsblog» – Geschichtsblog des Monats Juni 2011

Der Geschichtsblog des Junghistorikers Stefan Sasse verbindet auf interessante und bemerkenswerte Weise die moderne mediale Form des Weblogs mit der traditionellen, fast schon verblichenen Form der Geschichtserzählung. Sasse selbst bezeichnet seine Stücke als “journalistische und schriftstellerische” und nicht wissenschaftliche Texte, die eine “essayistische Form” haben. Doch die Beiträge gleichen eher Texten, wie sie aus historischen Sach- oder Schulbüchern bekannt sind: Sie schildern und erläutern historische Abläufe und verzichten dabei auf einen kritischen Apparat, wenn man von summarischen Literaturhinweisen am Textende absieht.
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«Jefe» Franco? Wie krass ist das denn?

Von der Empörung, die das Erscheinen des spanischen biographischen Lexikon in der spanischen Öffentlichkeit ausgelöst hat, erfahren wir dank Kollege Eisenmengers Sprachkompetenz in seinem ausführlichen Berichts. Im besagten Lexikon, das eben erschienen ist, wird Francisco Franco als “Generalisimo e jefe del Estado español” bezeichnet, ja, fast gefeiert (PDF-Auszug: hier). Dass die Verfolgungen politischer Gegner nicht nur geschönt, sondern verschwiegen werden, versteht sich da schon fast von selbst. (weiterlesen …)

Multitaskende – aufgepasst!

Mit dem Hinweis auf den schönen Artikel von Anja Schulthess, die in der NZZ die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Meinungen zu den Risiken des bildschirmgestützten und internetbasierten Multitasking während Hochschullehrveranstaltungen zusammenfasst, entbieten wir – pünktlich zu Beginn der ersten Vorlesung des Tages – unsere besten Grüsse an alle Studierenden, Professor/innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen (sowie alle anderen geneigten Leser/innen), die gerade in einer Lehrveranstaltung oder einer Sitzung den Laptop/das iPhone/iPad/internetfähiges Mobilkommunikationsgerät vor sich haben und schnell mal checken wollen, was da Neues bei weblog.hist.net zu finden sei, und empfehlen (weiterlesen …)

Geschichts-Ausstellung-Hörspiel-Theater 2.0

Eine Theater-Truppe, die sich Rimini Protokoll nennt, hat in Zusammenarbeit mit dem Hebbel-Theater und im Auftrag der Redaktion Deutschlandradio Kultur (im Rahmen des Projekts Radioortung) in Berlin eine Produktion mit dem Titel “50 Aktenkilometer – ein begehbares Stasi-Hörspiel” entwickelt. (weiterlesen …)

«Suchmaschinen» avant la lettre?


Ausschnitt aus Illustration “Kapitän Nemo nimmt den Höhenstand der Sonne auf”1

Interessant, was ich bei der Lektüre von Jules Vernes “20 000 Meilen unter dem Meer” entdecke:

Der Kapitän Nemo, ohne mir zu antworten, winkte mir, ihm in den großen Saal zu folgen. Der Nautilus tauchte einige Meter unter das Wasser, und die Läden öffneten sich. Ich eilte an das Fenster, und erkannte unter Korallen versenkt, mit Seepflanzen überdeckt, mitten unter zahllosen reizenden Fischen, etliche Trümmer, welche die Suchmaschinen nicht hatten fassen können, lauter Gegenstände gescheiterter Schiffe.2

Suchmaschinen? Ist Jules Verne also nicht nur das Erdenken elektrisch betriebener U-Boote und der Mondfahrt zuzuschreiben, hat der berühmteste Science-Fiction-Autor der Grande Nation auch das Internet vorhergesagt? (weiterlesen …)

  1. Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter’m Meer. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band IV–V, Wien, Pest, Leipzig 1874, S.112, verfügbar bei WikiCommons (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:JulesVerneNemo.jpg&filetimestamp=20110213025900). []
  2. Verne, Jules: Zwanzigtausend Meilen unter’m Meer. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band IV–V, Wien, Pest, Leipzig 1874, S. 163-164; zitiert nach Zeno.org (http://www.zeno.org/Literatur/M/Verne,+Jules/Romane/Zwanzigtausend+Meilen+unter%27m+Meer/1.+Theil/19.+Capitel). []

Da waren’s plötzlich drei…

Einverstanden, ob man Veronica Sass dazuzählen soll, in diese Reihe von Politikern (Guttenberg) und Politikerinnen (Koch-Mehrin, siehe oben), die aufgrund von Plagiatshandlungen, die ihnen dummerweise nachgewiesen werden, zurücktreten müssen, darf man gerne in Frage stellen.1 Und doch sind alle drei Fälle aufgrund der Net-Community ins Rollen geraten – und haben einen politischen Hintergrund.

Interessante Parallele: Die Kombination von Familiengründung, Politkarriere und akademischer Laufbahnplanung scheinen für Plagiate ein prächtiger Nährboden zu sein – oder doch nur für die Aufdeckung von Plagiaten? Denn man fragt sich halt schon: Sind bürgerliche Politiker/innen (und deren Kinder) eher geneigt, Plagiate zu erstellen? Ist das gleichsam eine Frage der politischen Weltanschauung? Nochmal anders: Sind die Akademiker/innen bei den Grünen und der SPD einfach ehrlicher – oder “verlieren” sie weniger schnell “den Überblick”? Oder hat der hive mind vorderhand nur mal die Regierungskoalition in den Blick genommen? Und, um noch einmal die Anmerkung Kollega Habers aufzunehmen: Interessiert das ausserhalb dieser politisierten und medial aufgebretzelten Fälle an der Uni irgend jemand? (weiterlesen …)

  1. Scharfsinnige Leser/innen werden bemerken, dass es sich auch bei Einschluss von Veronica Sass um eine sehr kurze “Reihe” handelt, aber ohne sie wäre es nur ein Paar. Ausserdem wurde der Fall Sass von Kollega Haber bereits einmal in diesem Blog behandelt. []

DOCUMERICA – die USA der 1970er in Fotos

Das Bild, von dem hier ein Ausschnitt zu sehen ist, zeigt Wissenschaftler der Ölfirma Shell am Rande des Golfs von Mexiko vor Key Largo. Sie machen sich bereit zum Tauchen, um die Korallen und die Unterwasser-Geologie vor Ort zu erforschen. Die Aufnahme von Flip Schulke ist undatiert, sie stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1975. Sie ist eine von ca. 15’000 Fotografien aus dem Fundus des Projekts “Documerica“, die die US National Archives in Flickr veröffentlicht haben. Die amerikanische Umweltbehörde EPA hat in den frühen 1970er Jahren das Projekt “Documerica” durchgeführt, um den Zustand der Umwelt in den USA zu dokumentieren, und dafür eine Reihe von freien Fotographen angeheuert. Diese haben den Auftrag auch relativ “frei” interpretiert und eindrückliche Zeitdokumente der Gesellschaft in den USA zu Beginn der 1970er Jahre erstellt. Mit der Veröffentlichung dieser Kollektion ergänzen die National Archives die umfangreiche Sammlung an Bildern, die sie in Flickr, wie viele andere Institutionen des kulturellen Gedächtnis (vgl. den Eintrag von Mills Kelly) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben. Filme stellen die National Archives auch zur Verfügung – passenderweise auf Youtube (vgl. Eintrag von Peter Haber).

Digitale Medien in der Geschichtswissenschaft – Geschichtsblog des Monats Mai 2011

Wer erinnert sich noch daran, wie wir im Oktober 2007 (!) erstmals ein Geschichtsblog des Monats auszeichneten, das integraler Bestandteil einer geschichtswissenschaftlichen Universitäts-Lehrveranstaltung war? Das Blog hiess “m4” wie das Kürzel der dazugehörigen Lehrveranstaltung, die am Institut für Geschichte der Universität Wien durchgeführt wurde, und war seinerseits bereits eine Wiederholung. Denn erstmals wurde im Herbst 2006 an der Universität Wien im Fach Geschichte mit Blogs in einer Lehrveranstaltung systematisch gearbeitet.

Fast fünf Jahre später blicken wir wieder nach Wien, wo Kollege Tantner – bestens bekannt als Blogger der ersten Stunde – in diesem Semester die (jährlich durchgeführte) Lehrveranstaltung “Digitale Medien in der Geschichtswissenschaft” betreut und mit einem eigenen Weblog gleichen Namens begleitet. Er hat (wie bei dieser Lehrveranstaltung üblich) die Studierenden aufgefordert, ein eigenes Weblog zu führen und darin die gestellten Aufgaben, bzw. deren Erledigung, zu dokumentieren. Hat sich da seit 2006 etwas geändert? Hat die Medienkompetenz zugenommen? Sind die Studienanfänger von heute souveräner und gewandter im Umgang mit Web 2.0? (weiterlesen …)

«httpasts://digitalmemoryonthenet» – Berichte und Reflexionen

16.4.2011: 23.30 Uhr
Am Samstag herrscht, man muss es sagen, etwas Kehraus-Stimmung. Die Reihen haben sich gelichtet und lichten sich im Verlauf des Vormittags weiter – was durchaus als bedauerlich zu bezeichnen ist. Denn Benjamin Jörissen bringt noch einmal in einem kurzen, prägnanten Vortrag den bei dieser Tagung relevanten Zusammenhang von Bildung, Medien und Erinnerung auf den Punkt. Kern der Aussagen: Medien strukturieren die Erinnerungspraxen und der digitale Medienwandel führt dazu, dass mehr Mitglieder der Gesellschaft sich im Rahmen der Erinnerungskultur artikulieren und damit an ihr partizipieren können.
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Digitalhistoryblog – Geschichtsblog des Monats April 2011


Ja, wir haben einige Einträge in die Rubrik “Geschichtsblog des Monats” ausgelassen – drei, um genau zu sein. Der letzte Eintrag im Dezember wies auf ein Weblog hin, dessen Betreiber bereits mit einem anderen Weblog-Projekt zum Geschichtsblog des Monats gekürt worden war. Das verhält sich bei dieser Weblog-Vorstellung exakt gleich. Das Weblog Historia i Media1 von Marcin Wilkowski war im September 2007 als Geschichtsblog des Monats vorgestellt worden. Nun hat Wilkowski ein neues Weblog-Projekt mit dem Titel “The Social Use of Digital History (digitalhistoryblog)” gestartet, das wir hier gerne der interessierten Weblog-Gemeinschaft vorstellen.
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  1. anfangs zweisprachig, jetzt nur noch polnisch []
 

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