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Tagungen online?

Die Kollegen vom Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg SFB/FK 615 «Medienumbrüche» in Siegen haben die Streams der Jahrestagung zum Thema «Leitmedien» ins Netz gestellt. Merci!

Wohl die meisten von uns schauen sich gerne an, wie sie in einem solchen Filmchen wirken. Man entdeckt Macken und ärgert sich über blöde Formulierungen, nimmt sich vor, das nächste Mal vielleicht zum Coiffeur zu gehen etc. Alles neue Erfahrungen (zumindest für die meisten).

Aber: Diese Transparenz bedeutet auch, dass man nicht mehr so einfach einen alten Vortrag nochmals halten kann (was ja in Ordnung ist). Und bedeutet auch, dass man vor allem in den anschliessenden Diskussionen ein wenig vorsichtig wird. Und genau das nicht macht, was man doch an Tagungen, zumal im kleinen Kreis, so gut machen kann: neue Thesen ausprobieren, ein wenig laut denken, einen Gedanken ad hoc entwickeln. Funktioniert das auch, wenn die Kamera mitläuft? Und die Filmchen unkontrollierte Wege gehen und man plötzlich mit Ideen konfrontiert wird, die man so öffentlich gar nicht äussern wollte?

Schwer zu sagen. Vermutlich haben wir noch zu wenig Erfahrung in diesem Bereich.

Siehe auch: Bassler, Harald: Diskussionen nach Vorträgen bei wissenschaftlichen Tagungen, in: Auer, Peter / Bassler, Harald (Hrsg.): Reden und Schreiben in der Wissenschaft, Frankfurt am Main 2007, S. 133-154.

2 Kommentare auf “Tagungen online?”

  1. Benedikt meint:

    Genau über diese Fragen hatten wir am Rande der Vereinsgründung der AG Social Media (die live ins Web gestreamt wurde) auch diskutiert. Ich denke, dass man für das, was man sagt Verantwortung übernehmen muss. Gesagt ist gesagt. Das alles findet (zum Glück) in der Öffentlichkeit statt. Aber es gibt in der Wissenschaft eine Skala der Zitierfähigkeit, die einen Artikel in einem Journal von einem Arbeitspapier oder einem unfertigen Manuskript unterscheiden. Andererseits: Ist es nicht vielleicht ein Vorteil, wenn die Öffentlichkeit mitbekommt, dass Wissenschaftler nur Menschen sind, die sich auch einmal irren oder ihre Meinung ändern können? Für mich hat es immer einen merkwürdigen Beigeschmack, wenn man auf einer Tagung etwas vorträgt und dabei nicht aufgezeichnet oder gesendet werden möchte. Als ob man den eigenen Worten doch nicht ganz traute.

  2. Peter Haber meint:

    Sehr einverstanden! Mir war einfach vieles davon zu wenig bewusst. Ich finde auch, dass man dazu stehen soll, was man vorträgt. Zögerlich bin ich beim Veröffentlichen von Folien etc., die ohne das gesprochene Wort nicht viel Sinn machen. „Skala der Zitierfähigkeit“ finde ich übrigens eine sehr anregende Bemerkung! Gibt es da schon Konzepte, empirische Erhebungen oder theretische Reflexionen?

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