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Kompetenzen, Theorien, Medien (?) der Geschichte

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Wenn Kollega Haber schon darauf hinweist [2], sollen hier auch ein paar Worte darüber verloren werden, über meine Reise nach Eichstätt [3] im malerischen Altmühltal (die schöne landschaftliche Lage muss man sich mit schlechten Bahnverbindungen erkaufen), wo an der katholischen Universität ziemlich intensiv Geschichtsdidaktik [4] betrieben wird, was dank eines umfassenden mehrjährigen Forschungsprojektes auch in Zukunft so sein wird.

Die Tagung konzentrierte sich primär auf die Frage, über welche Kompetenzen Lehrpersonen verfügen müssen, um bei Ihren Schüler/innen Kompetenz fördern und diagnostizieren zu können; also um „Kompetenzen zweiter Ordnung“. Und da die Geschichtsdidaktiker/innen diese Lehrpersonen ausbilden, müssen die ja auch Kompetenzen-kompetent sein. Bin ich in der Lage, bei meinen Lehramts-Studierenden festzustellen, ob sie ihre Schüler/innen in der Entwicklung ihrer Kompetenzen fördern können, muss ich folgerichtig kompetenzförderkompetenzdiagnosekompetent sein.

Dabei ging es nicht um Kompetenzen im Allgemeinen, sondern um „historische“ Kompetenzen, die mittlerweile in vielen verschiedenen Modellen angeboten werden. Und hierüber, was eigentlich das genuin „historische“ an den Kompetenzen sein solle, entzündete sich auch eine lebhafte Diskussion. Zurückgehend auf Jörn Rüsen, der gleichsam als „elderly statesman“ an der Tagung teilnahm, verwies etwa Michele Barricelli [5] auf die „Vor-Pisa-Standard-Kompetenz-Debatte“-Kompetenz, die das Wesen des historischen Denkens zu fassen versuche: die narrative Kompetenz [6] – Ausdruck des narrativistischen Verständnis von Geschichte, das in der Geschichtsdidaktik vorherrschend ist.1 [7]

Die Frage nach dem eigentlichen Historischen in den Kompetenz-Definitionen und -diskussionen beschäftigt mich auch im Zusammenhang mit meiner wissenschaftlichen Arbeit rund um die Frage, wie Schüler das Internet, bzw. Social Software für das Geschichtslernen nutzen. Wo endet die Medienkompetenz, wo beginnt die historische Kompetenz, wo überschneiden sich die beiden Kompetenzbereiche?2 [8]

An der Tagung in Eichstätt hingegen waren die Medien der Geschichte, bzw. die Medien des Geschichtslernens kaum bedeutsam – entsprechend fehlte es auch an Überlegungen dazu, wie sich der digitale Wandel hier konkretisiert.

Handfest wurde der digitale Wandel weniger in den theoretischen Ausführungen, als in den konkreten Anwendungen. So zeigte sich die Schwierigkeit, einen über drei Länder verteilten Arbeitskreis in einer für vielen ungewohnten Webplattform zu koordinieren. Oder es überraschte der bekannte Geschichtsdidaktiker Hans-Jürgen Pandel mit der doch seltsam anmutenden Behauptung, die Förderung von Präsentations-Kompetenz (so fragwürdig der Begriff auch ist) sei lediglich für die Schule von Bedeutung: denn kein Erwachsener benötige die Fähigkeiten und das Wissen, mit PowerPoint Inhalte zu präsentieren. Aber vielleicht ist das ja auch einfach die Erklärung dafür, dass ich in letzter Zeit3 [9] soviele, hmm, inkompetente Powerpoint-Präsentationen über mich ergehen lassen musste.

  1. Vgl. Barricelli, Michele: Schüler erzählen Geschichte. Narrative Kompetenz im Geschichtsunterricht, Schwalbach 2005. [ [10]]
  2. Diese Fragestellugn ist auch ein Grund, weshalb ich hier immer wieder mediendidaktische und medienpädagogische Arbeiten und Überlegungen thematisiere [ [11]]
  3. auch und gerade wieder in Eichstätt, wo ich in einer Präsentation (für Erwachsene…) eine vier(!)zeilige Folien-Überschift zur Kenntnis nehmen durfte [ [12]]