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Zwerge auf den Schultern von Riesen: Geschichtsblog des Monats November 2007

zwerge auf riesenschultern

Nachdem wir im letzten Monat (d.h. im Oktober 2007) einen Blog vorgestellt haben, der im Rahmen einer Lehrveranstaltung Studierende zum Bloggen auffordert, soll hier eine erste Antwort auf die naheliegende Frage gegeben werden: Bloggen Geschichtsstudierende auch aus eigenem Antrieb – und wenn ja, worüber schreiben Sie darin? Über ihre Freizeitgestaltung, ihre Lieblingsfilme, -rezepte, -ferienziele? Über das studentische Leben? Über das Fach, das sie studieren? Sollte diese letzte Frage bejaht werden, schliesst sich dann nahtlos die Folgefrage an: ist das von irgendeinem wissenschaftlichen Belang?

Der Blog „Zwerge auf den Schultern von Riesen“ ermöglicht – nein, nicht die Beantwortung dieser Frage, sondern einen anregenden Einblick in die Komplexität der Publikationsverhältnisse im digitalen Zeitalter, in der die Unterscheidung in erfahrene, ausgebildete Fachexperten und naive und unbedarfte Novizen und Laien mit ihren unbedeutenden Erkenntnissen und Meinungen zusehends an Bedeutung verliert. Zum Bedauern der einen, zum Frohlocken der anderen.

Zunächst einmal die Fakten: „Zwerge auf den Schultern von Riesen“ ist der Blog einer ehemaligen Buchhändlerin, die an einer nicht näher genannten Universität Geschichte, Buchwissenschaften und Philosophie studiert1 und ihren Namen nicht preisgibt.

Schon im Titel spricht sie einerseits ironisierend den eigenen Lernerstatus an und legt dabei zugleich mit ihrem historischen Verweis dar, dass sie schon etwas gelernt hat. Mit der Erläuterung der Blog-Kategorien „Riesenfütterung“ (Zusammentragen und Wiedergeben von zu lernendem Wissen), „Zwergenidee“ (Eigene Erkenntnisse in Bezug auf die Lerninhalte) und „Zwergenblick“ (gleichsam der Blick über „den Tellerrand“) führt sie diese Metapher, die als Leitidee ihrem Blog zugrundeliegt gleich noch weiter.

Bis jetzt ist der Blog erst spärlich gefüllt und der letzte Eintrag stammt vom 12. Dezember 2007.2 Die Beiträge berichten im Sinne eines Lernjournals von den Erfahrungen und Projektschritten beim Lernen und fassen zentrale Wissensbestände zusammen, die während der Ausbildung erarbeitet werden.

Ist der Inhalt dieses Blogs (nebst dem didaktischen oder kollegialen Interesse) von wissenschaftlichem Belang? Wenn zutrifft, dass Riesen auch von den Zwergen etwas lernen können, weil diese von der Riesenschulter aus über einen anderen Blick in die Welt verfügen, dann schon. Konkret: Das mag für die Buchwissenschaft durchaus von Bedeutung sein, zu welchen Einsichten Studierende der Buchwissenschaften beim Einarbeiten in die Grundlagen des Wissensbestandes gelangen, oder auch nur, welche Informationen wie zu Wissen verarbeitet werden. Doch dabei stellen sich ja dann noch ganz andere Fragen: Wie können diese Informationen gefiltert und sortiert werden, wenn einmal eine Mehrzahl der Studierenden zu den wissenschaftlichen Inhalten, die sie sich erarbeiten, einen Weblog führen? Und: ist das wirklich von derart grossem Interesse und Nutzen, dass es sich für Studierende lohnt, darüber einen dedizierten Weblog einzurichten und zu betreiben? Die Praxis wird es zeigen. Oder wie es die anonyme Bloggerin formuliert:

Wenn ich dabei ein bisschen Schreiben üben kann, Erfahrungen im Web 2.0 sammeln und die kleine Gemeinde der Historiker in eben diesem vergrößern kann, habe ich mir ein Sternchen verdient.

Eckdaten

Titel: Zwerge auf den Schultern von Riesen
URL: http://zwergenblick.wordpress.com
Feed: http://zwergenblick.wordpress.com/feed
Autor/innen: Anonym
Region: D
Frequenz: ein bis zweimal monatlich

  1. in Frage kommen aufgrund der nicht sonderlich verbreiteten Buchwissenschaften die Universitäten Mainz, Nürnberg-Erlangen und Leipzig – soweit meine erste schnelle Recherche bei Clio-Onlineund der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel. Kollege Haber wird dies sicherlich in Kürze mit einschlägigen Hinweisen in der Kommentarfunktion ergänzen. []
  2. was für den Geschichtsblog des Monats November 2007 zwar überaktuell ist – aber diese zeitliche Verquickungen, die mein arbeitsbedingtes verzögertes Betreuen dieser Rubrik nach sich ziehen, sollen hier nicht noch weiter breitgewalzt werden. []

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