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Unterrichten in Sibirien

Natürlich unterrichte ich zur Zeit nicht in Sibirien, sondern in Potsdam. Die Temperaturen hier in Brandenburg sind allerdinhs durchaus sibirisch. Das Thermometer zeigt zur Zeit -7.2°C an, der pfeifende Wind macht daraus indes gefühlte -15°C.

Das Seminarthema lautet «Geschichte 2.0 Zur Zukunft des öffentlichen Umgangs mit der Vergangenheit». Es ist ein Kurs an der FU Berlin im Rahmen des Masterstudiengangs Public History, der wiederum vom Zentrum für Zeitgeschichtliche Forschung hier in Potsdam bespielt wird. Alles etwas kompliziert, aber sehr spannend, zumal die Studienbedingungen sehr ideal sind. Pro Durchgang werden lediglich zwei Dutzend Studierende zugelassen, jedes Jahr bewerben sich aber einige hundert Interessentinnen und Interessenten. Mit anderen Worten: Wer hier im Kurs ist, kann etwas. Und das spürt man im Unterricht. Da gibt es zu fast jedem Punkt differenzierte, kritische Stimmen, viele Studierende bringen sehr viel Vorwissen mit. Als Dozent hat man den Eindruck, dass in der Gruppe eine gute Stimmung herrscht und das macht sich eben auch im Unterricht bemerkbar.

Die Themen, die wir diskutieren, kreisen um die aktuellen Debatten des Faches: Chancen und Risiken des Mitmachnetzes für die Geschichtswissenschaft und die Geschichtsvermittlung, Fragen nach digitalen Erinnerungskulturen, nach Partizipation, Kontrollverlust und Semantic Web.

Wie immer gibt es eine Wiki-Seite, auf der die wichtigsten Stichworte und Notizen abgelegt werden.

2 Kommentare auf “Unterrichten in Sibirien”

  1. Thomas Wolf meint:

    Wird auch das Archivwesen auf dem Weg ins Web diskutiert? Als Archivar fände ich es auch immer interessant, die Wünsche der angehenden Historikerinnen und Historiker zu erfahren, sie sind ja unsere zukünftigen „Kunden“.

  2. Peter Haber meint:

    Ja, wir hatten das Thema Archive heute kurz gestreift. Einige der Studierenden brachten aus ihren BA-Studiengängen entsprechendes Vorwissen mit und das war sehr anregend. Einige Stichworte stehen im Wiki. Wir werden uns in den verbleibenden Tagen vor allem auf Zeitzeugen-Portale konzentrieren – das war so ausgemacht – und dabei wohl auch die Frage der Archivierung der angesammelten Materialien ansprechen. Aber ich will ja nicht vorgreifen!

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