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Der unverschämte Buchhandel oder: Wieso ich Bücher nur noch bei Amazon bestelle

Ich wollte heute ein paar Bücher bestellen und entdeckte ein besonders stossendes Beispiel, wie Grossbuchhandlungen versuchen, auf Kosten der Leserinnen und Leser abzusahnen.

Es geht um das Büchlein von Jörg Baberowski «Der Sinn der Geschichte: Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault», erschienen 2005 bei C.H.Beck. Amazon gibt einen Verkaufspreis von Euro 12,90 an. Wenn ich das Buch aus der Schweiz bestelle, dann zieht mir das System automatisch 84 Cent Mehrwertsteuer ab, das ergibt einen Verkaufspreis von Euro 12,06. Zur Zeit verkauft Amazon Bücher in die Schweiz mit einem Sonderrabatt und zieht mir nochmals Euro 1,74 ab. Meine Kreditkarte wird also mit Euro 10,32 belastet, was nach aktuellem Kurs 12.79 Franken entspricht. Wen ich dann noch die Kreditkartengebühr von 1,5 Prozent dazu zähle, dann kostet mich das Buch 12.98 Franken (und rund eine Woche Wartezeit).

Und in der Schweiz? Ex Libris gibt einen Ladenpreis von 18.90 Franken an und gewährt mir einen Rabatt von 20 Prozent, das heisst, das Buch kostet mich schlussendlich 15.10 Franken. Und Thalia? Die runden den an sich schon grosszügig berechneten Frankenpreis auf sage und schreibe 24.90 Franken auf. Mit anderen Worten: Ich zahle bei Thalia 92 Prozent mehr – also fast das Doppelte.

Ich finde das eine Unverschämtheit. Übrigens hat der Douglas-Konzern, zu dem auch Thalia gehört, im Geschäftsjahr 2009/2010 einen Gewinn von 76,1 Mio. Euro erzielt. Wieviel aus dem Buchhandel stammt, lässt sich aus dem Geschäftsbericht nicht herauslesen.

5 Kommentare auf “Der unverschämte Buchhandel oder: Wieso ich Bücher nur noch bei Amazon bestelle”

  1. Luca C. meint:

    Herr Haber,
    genau dasselbe habe ich – wieder einmal – bei der Bestellung eines Buches letzten Freitag gedacht. Aber noch schlimmer: ich erhalte die Sendungen von Amazon.de normalerweise schon nach spätestens drei, oft aber schon nach zwei (!) Werktagen. Ich schmökere gerne in schönen Buchhandlungen herum und kaufe auch gerne Bücher hier in Zürich, allerdings nur noch, wenn der Preisunterschied nicht so eklatant gross ist wie leider oft der Fall. Ein Blick ins internetfähige Mobiltelefon hilft zu entscheiden, ob man mit einem Buch unter dem Arm aus der Buchhandlung läuft oder aber bei Amazon bestellt.

    PS: besten Dank für den Buchtipp.

  2. Silvia meint:

    Ab einem bestimmten Betrag (gut CHF 60.00?) wird dann aber die Schweizer MwSt fällig. Zusammen mit den dann anfallenden Zollgebühren wird das schnell teuer. Hat da jemand genaue Angaben?

  3. Jan Hodel meint:

    Grundsätzlich muss für alle Waren, die in die Schweiz eingeführt werden, die reguläre Schweizer Mehrwertsteuer bezahlt werden – also auch für Bücher, die bei Amazon in Deutschland gekauft werden. Allerdings gibt es eine Untergrenze, unter der der Zoll auf das Einziehen der Mehrwertsteuer verzichtet (zuviel Aufwand, eigentlich logisch). Diese Untergrenze liegt bei einer geschuldeten Steuerabgabe von 5 CHF.
    Da der Mehrwertsteuersatz in der Schweiz für Bücher (die als Güter des täglichen Bedarfs gelten, wie Nahrungsmittel!) schlappe 2.5% beträgt, kann sich jeder selber ausrechnen, ab welchem Betrag die Buchsendung den Umweg über den Zoll macht. Grosseinkäufe bis 200 CHF sind also locker ohne Nachzahlung der MWST möglich (Achtung – CDs, DVDs etc. kosten 8%, da ist der Betrag dann deutlich niedriger). (Für weitere Info siehe hier).
    Wenn’s dann zum Zoll geht, wird auch eine Grundbearbeitungspauschale (Vorzeigegebühr oder so) von rund 20 CHF verrechnet. Dann wird’s also recht teuer.
    Der Fairness halber wäre noch darauf hinzuweisen, dass viele Läden in der Schweiz nur über die offiziellen Importeure ihre Waren beziehen dürfen – und diese bedienen sich kräftig an der höheren Schweizer Kaufkraft. Dass sich allerdings ein internationales Unternehmen wie der Douglas-Konzern so schamlos bereichert, ist in der Tat mehr als stossend.

  4. Adamo meint:

    Hier noch ein Link als weitere Anregung beim Bücherkauf, ob bei Amazon oder anderswo (wobei neben Ex Libris und Tahlia auch andere Alternativen gibt):

    http://www.amazon-verdi.de/hintergrunde/

  5. Christopher meint:

    Naja… Amazon ist am billigsten. Dafür machen sie die kleinen Buchläden kaputt und setzen die kleinen Verlage unter Druck. Wer ist der Gute, wer ist der Böse?

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