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Wird Wikipedia doch noch salonfähig?

Erstaunliche Nachrichten erreichen uns in diesen Tagen aus den USA. Zumindest unter den Psychologen scheint dort «Wikipedia-Schreiben» zu den neuen akademischen Betätigungen zu gehören, wie The Chronicle of Higher Education [1] gestern berichtete. Nun mag man einwenden, dass die USA nicht Europa und Psychologen nicht Historiker sind (um es vorsichtig zu formulieren), trotzdem gibt der Bericht zu denken.

Wie lässt sich dieser plötzliche Enthusiasmus verstehen? Ist das Selbstdarstellungsdrang, Marketing oder einfach die Suche nach mehr «Kundennähe». Denn mit Wissenschaft hat das wohl nichts zu tun, es ist nicht Forschung, die da betrieben wird und auch als Teil der Lehre dürfte sich das kaum verkaufen lassen. Es sei denn, für Studierende der Medienpsychologie.

Wird Wikipedia-Schreiben als wissenschaftliche Leistung anerkannt, und diese Gefahr steht ganz offensichtlich im Raum, verliert die Wisseschaft noch mehr an Glaubwürdigkeit. Wenn schliesslich jeder halbwegs alphabetisierte Erdenbürger in der Wikipedia mitwursteln kann (was dann die berühmte «Schwarmintelligenz» ergibt, von der Netzapologeten seit Jahren verzückt schwadronieren), wird doch eine hochbezahlte wissenschaftliche Ausbildung ein Luxus – schlussendlich machen die studierten Wikipedia-Schreiberlinge ja doch das gleiche wie die Wikipedianer: ein Textkonvolut namens Wikipedia bar jeglicher wissenschaftlicher Regeln mit Informationshäppchen zu füttern.

Bild: Das Logo von Wiki-Watch [2] an der Universität in Frankfurt an der Oder.