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Machen Schüler/innen mit Schul-PCs nur digitalen Blödsinn?

Spiegel und Spiegel Online [1] entdecken das Thema Medien (und vor allem Medienpädagogik) noch einmal neu. Aufhänger der Story um „Web 0.0 [2]“ (zugegebenermassen ein witziger Titel, der aber nichts mit dem Thema zu tun hat) ist die Meldung von einer Schule in Liverpool (USA), die ihr Notebook-Programm („allen Schüler/innen ihr eigenes Notebook“) vorzeitig eingestellt hat. Die Verantwortlichen begründen den Schritt damit, dass die Schüler/innen die Notebooks nicht wie vorgesehen für schulische Zwecke genutzt haben. Statt Lernprogramme und wissenschaftliche Informationen luden sie Musik und Pornos herunter.

Nun finde ich ja die Debatte etwas überhitzt. Zum einen wird der Eindruck erweckt, als ob die Schüler/innen ununterbrochen und ausschliesslich Pornos herunterladen und sonstigen Quatsch mit den Notebooks anstellen. Viel wahrscheinlicher ist doch die Annahme, dass die Schüler/innen die Notebooks als Gegenstände des alltäglichen Handelns nutzen – und dazu gehört eben nicht nur Lernen für die Schule, auch nicht während der Schulzeit. Das ist zwar für Lehrende ärgerlich, aber seien wir ehrlich: Wer fordert die Wegnahme von Bleistift und Papier, nur weil die Schüler/innen während des Unterrichts pubertäre Zeichnungen anfertigen oder Schiffe versenken spielen?

Ich weiss, ich weiss: das Kostenargument. Ein Bleistift kostet nicht soviel wie ein Notebook. Und das bekümmert mich als Vater von zwei Kindern, die langsam auch ihren eigenen Rechner einfordern, durchaus. Und mir stellt sich dabei die Frage: was muss ich meinen Kindern in Bezug auf Hardware, Software und „Ausbildung“ bieten, damit sie zu mündigen Bürger/innen des digitalen Zeitalters werden? Müsste sich das nicht auch die Schule fragen? Oder eben nicht? Ich beobachte jedenfalls einen zunehmend defensiven Umgang mit ICT an den Schulen, die mit dem Wartungsaufwand, der Integration in ohnehin komplexer und anspruchsvoller werdende Bildungslandschaften und der jugendlichen Nutzungsgewohnheiten zunehmend überfordert zu sein scheinen.

Da stellt sich schon die Frage, ob die Schule wirklich Notebooks und freier Zugang zum Internet für Schüler/innen zur Verfügung stellen kann und darf. Oder ob nicht klare Einschränkungen (=Verbote) und Beschränkungen (Rückbesinnung auf Papier und Bleistift) der richtige Weg sind. Dabei sollte aber nicht vergessen gehen, dass sich in der Schule „Digital Immigrants“ (Lehrpersonen) und „Digital Natives“ (Schüler/innen) mit unterschiedlichen Perspektiven auf die Realität der digitalen Informationsgesellschaft begegnen

Klar ist mir nur eines: Die vorzeitige Beendigung des besagten Notebook-Programmes spart dem Staat viel Geld, den Schulleitern, IT-Verantwortlichen und Lehrpersonen einiges an Nerven. Aber beantwortet es auch die Frage, wie junge Menschen für die zukünftige Gesellschaft ausgebildet werden sollen? Zudem (und das ist der Link zu meinem Forschungsvorhaben [3]) interessiert mich mal die Sicht der Schüler/innen. Was halten eigentlich die davon?

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