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Machen Schüler/innen mit Schul-PCs nur digitalen Blödsinn?

Spiegel und Spiegel Online entdecken das Thema Medien (und vor allem Medienpädagogik) noch einmal neu. Aufhänger der Story um „Web 0.0“ (zugegebenermassen ein witziger Titel, der aber nichts mit dem Thema zu tun hat) ist die Meldung von einer Schule in Liverpool (USA), die ihr Notebook-Programm („allen Schüler/innen ihr eigenes Notebook“) vorzeitig eingestellt hat. Die Verantwortlichen begründen den Schritt damit, dass die Schüler/innen die Notebooks nicht wie vorgesehen für schulische Zwecke genutzt haben. Statt Lernprogramme und wissenschaftliche Informationen luden sie Musik und Pornos herunter.

Nun finde ich ja die Debatte etwas überhitzt. Zum einen wird der Eindruck erweckt, als ob die Schüler/innen ununterbrochen und ausschliesslich Pornos herunterladen und sonstigen Quatsch mit den Notebooks anstellen. Viel wahrscheinlicher ist doch die Annahme, dass die Schüler/innen die Notebooks als Gegenstände des alltäglichen Handelns nutzen – und dazu gehört eben nicht nur Lernen für die Schule, auch nicht während der Schulzeit. Das ist zwar für Lehrende ärgerlich, aber seien wir ehrlich: Wer fordert die Wegnahme von Bleistift und Papier, nur weil die Schüler/innen während des Unterrichts pubertäre Zeichnungen anfertigen oder Schiffe versenken spielen?

Ich weiss, ich weiss: das Kostenargument. Ein Bleistift kostet nicht soviel wie ein Notebook. Und das bekümmert mich als Vater von zwei Kindern, die langsam auch ihren eigenen Rechner einfordern, durchaus. Und mir stellt sich dabei die Frage: was muss ich meinen Kindern in Bezug auf Hardware, Software und „Ausbildung“ bieten, damit sie zu mündigen Bürger/innen des digitalen Zeitalters werden? Müsste sich das nicht auch die Schule fragen? Oder eben nicht? Ich beobachte jedenfalls einen zunehmend defensiven Umgang mit ICT an den Schulen, die mit dem Wartungsaufwand, der Integration in ohnehin komplexer und anspruchsvoller werdende Bildungslandschaften und der jugendlichen Nutzungsgewohnheiten zunehmend überfordert zu sein scheinen.

Da stellt sich schon die Frage, ob die Schule wirklich Notebooks und freier Zugang zum Internet für Schüler/innen zur Verfügung stellen kann und darf. Oder ob nicht klare Einschränkungen (=Verbote) und Beschränkungen (Rückbesinnung auf Papier und Bleistift) der richtige Weg sind. Dabei sollte aber nicht vergessen gehen, dass sich in der Schule „Digital Immigrants“ (Lehrpersonen) und „Digital Natives“ (Schüler/innen) mit unterschiedlichen Perspektiven auf die Realität der digitalen Informationsgesellschaft begegnen

Klar ist mir nur eines: Die vorzeitige Beendigung des besagten Notebook-Programmes spart dem Staat viel Geld, den Schulleitern, IT-Verantwortlichen und Lehrpersonen einiges an Nerven. Aber beantwortet es auch die Frage, wie junge Menschen für die zukünftige Gesellschaft ausgebildet werden sollen? Zudem (und das ist der Link zu meinem Forschungsvorhaben) interessiert mich mal die Sicht der Schüler/innen. Was halten eigentlich die davon?

Blog-Einträge:

9 Kommentare auf “Machen Schüler/innen mit Schul-PCs nur digitalen Blödsinn?”

  1. Jan Hodel meint:

    Update: Ein Artikel von Frank Dirk bei der (zugegebenermassen mit eigenen Interessen das Thema verfolgenden) Initiative „Schulen ans Netz“ fasst die Debatte noch einmal gut zusammen (mit weiterführenden Links).

  2. Alexander König meint:

    Hallo,
    ich denke, dass Jan die Problematik gut zusammengefasst hat. Der genannte Spiegelartikel geht m.E. an den Realitäten gänzlich vorbei. Eine Schule, die sich „Bildung“ und „Chancengleichheit“ verpflichtet, kann nicht sich nicht aus dem digitalen Zeitalter ausklinken.
    Übrigens war ich so frei – eure Seite in meinem noch recht jungen Blog zu integrieren 😀
    Beste Grüße aus Saarbrücken
    alex

  3. Peter Haber meint:

    Huch! Integrieren? Wie das wohl gemeint ist? Uns kann man doch nicht integrieren, wir sind (seit bald zehn Jahren übrigens!) frei und unabhängig! Aber vielleicht ist das ja ganz nett gemeint – das Weblog von Alexander König sieht auf jeden Fall vielversprechend aus. Wenn ich nur wüsste was die ominöse Abkürzung «StR» hinter Alexanders Namen bedeutet! Scheint ein innerdeutsches Kennzeichen zu sein …

  4. Jan Hodel meint:

    Ja, die „Integration“ verursachte bei mir auch etwas Stirnrunzeln. Aber ich dachte, da bin ich als Schweizer vielleicht einfach zu sensibel…

    Und StR heisst einfach Studienrat und entspricht dem Schweizer Oberlehrer: eine Lehrkraft mit Hochschul-Fachstudium.

    (Wieder ein Beitrag zur deutsch-schweizerischen Völkerverständigung…)

  5. Jan Hodel meint:

    Noch eine Ergänzung (da bin ich eigentlich überhaupt auf das Thema aufmerksam geworden, sorry, Martin Hoffmann!):
    http://edublog-phr.kaywa.ch/ medienkritik/web-00-us-schulen-schwoeren-computern-ab.html

  6. Alexander König meint:

    Hallo,
    „integrieren“ war vielleicht etwas „quer“ ausgedrückt. Es sollte einfach meinen, dass ich euch in meinen Blogroll eingefügt hab 😀
    Beste Grüße aus Saarbrücken
    Alexander

  7. Geschichte und Neue Medien » Blog Archiv » Diskussion um Web 0.0 meint:

    […] Quelle: edublog-phr (Hinweis von Jan Hodel) […]

  8. Alexander König meint:

    Hallo,
    ich hoffe der Verweis war so in Ordnung.
    Gruß
    Alex

  9. karl freitag meint:

    Die Debatte über den Umgang mit Computern ist nicht neu und vor allem wirft sie ein Licht auf die Schule selbst. Es liegt doch auf der Hand, dass der Computer ein Gegenstand des alltäglichen Gebrauchs geworden ist und damit eine besondere Unterweisung erforderlich macht. Der Umgang mit dem Medium Internet ist eine Herausforderung für die Schule schlechthin, da das der richtige Ort ist, um Medienkompetenz zu erwerben und „mündige“ Nutzer zu bilden. Pornographie im Internet ist nur ein Aspekt der digitalisierten Gegenwart, dem sich die Institution Schule ebenso stellen muss wie der Zukunft des Buchdrucks.

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