- weblog.histnet.ch - http://weblog.hist.net -

OT: Konvergenz, Divergenz und die Zukunft des Service Public bei Radio und Fernsehen

[1]

Heute morgen erschien in der besten aller Basler Zeitungen ein Bericht [2] von Christian Mensch über die aktuelle Debatte rund um die geplante Konvergenz von Radio und Fernsehen bei der öffentlich-rechtlichen SRG. Konvergenz? Konvergenz ist heute ein Schlüsselwort in der Medienpolitik und meint die Zusammenführung von Radio, Fernsehen und Onlinemedien unter einem gemeinsamen (digitalen) Dach.

Mit Konvergenz wurde vor einigen Jahren aber auch das Zusammenwachsen von Telekommunikationsindustrie, Computerbranche und Unterhaltungsindustrie unter dem Vorzeichen des digitalen Wandels bezeichnet. Und last but not least bezeichnet die Konvergenztheorie «in der Politikwissenschaft und Soziologie die Theorie von der Entwicklung einer Gesellschaft auf ein Idealbild hin» – lesen wir in Wikipedia [3].

Konvergenz im Medienbereich ist aber eher das Gegenteil: es mutiert immer mehr zum Codewort für Sparen, Rationalisieren und Zentralisieren. Unter dem Deckmantel der Konvergenz möchte die SRG.D den Standort Zürich weiter ausbauen und das Studio Basel redimensionieren. Dabei geht es aber nicht nur um Geld, sondern auch um Inhalte. Im gleichen Zug soll nämlich die Wissenschaftsredaktion von Radio DRS2, die heute in Basel ihren Sitz hat, nach Zürich verlegt und dort in die entsprechenden Wissens-Sendungen des Fernsehens intergriert werden. Mediale Konvergenz? Ehrlicherweise müsste von einem Abbau des Service Public gesprochen werden, denn mit solchen Aktionen geht die Vielfalt der SRg-Programme verloren und Radio DRS wird (noch mehr) zu einer schlechten Karikatur der seichten Privatradios.

Noch scheint das Thema die öffentlichkeit nicht wirklich zu interessieren. Anders natürlich die Direktbetroffenen: Im Studio Basel hängt zur Zeit ein Memorandum der Mediengewerkschaft SSM [4] aus, dass offenbar schon von etlichen Radiomachern unterschrieben wurde. Darin, so schreibt die BaZ, wird für einen Mediencampus Basel geworben.

P.S.: Dass dieses Thema off topic (OT) für unser Weblog ist, stimmt nur auf den ersten Blick. Konvergenz ist schliesslich auch in der Wissenschaft ein nicht unumstrittenes Thema. Denken wir nur an die Konvergenzbewegungen von Bibliothek, Archiv und Dokumentation. Oder, um ein noch näherliegendes Beispiel zu nennen, an die Konvergenz von Quellen und Literatur in der geschichtwissenschaftlichen Forschung – ebenfalls ausglöst durch den digitalen Wandel. Aber das ist ein anderes Thema, dass wir nicht in einem P.S. abhandeln wollen, sondern dem wir an anderer Stelle [5] nachgehen werden.