- weblog.histnet.ch - http://weblog.hist.net -

Nie mehr Nerds im Netz, nur noch Normalos?

[1]
Die Zeit der Nerds im Netz sei vorbei, meint Florian Knoke in Spiegel Online, denn: „Das Internet gehört den Normalos [2]„. Ja, mehr noch: Die Nerds hätten das Netz zwar gern zu ihrem Erfolgsprojekt gemacht, aber sowohl die Cordhosen-Träger-Lötkolben-Zeilenkommando-Tipper der 80er- und 90er-, wie auch die Neue-Welt-Ordnung-Idealisten der 00er-Jahre hätten den angestrebten Einfluss auf die Entwicklung des Netzes gar nie ausüben können. Der Erfolg des Internets sei allein den Normalos zu verdanken, die das Netz ganz unspektakulär udn langweilig in ihren Alltag integriert haben, der da heisst: Selbstoptimierung. Die Nerds von heute seien eher jene, die sich von Computern und Internet fernhalten.

So originell ist diese Beobachtung zwar nicht; schliesslich haben wir (genauer: Kollega Haber) hier bereits solche „Normalisierungseffekte“ thematisiert,1 [3] wenngleich wir sie in ihrer Widersprüchlichkeit eher polemisch und hype-kritisch formuliert haben (was bei der geschätzten Leserschaft entsprechende Reaktionen ausgelöst hat).

Bemerkenswert finde ich diese Aussage in der Kombination mit einem heute ausgestrahlten (und eher bemühend wirkenden) Bericht [4] des Schweizer Fernsehens, der das Phänomen Twitter erklären wollte, und dazu den klassischen „Anti-Nerd“ (im Netz-Sinne) suchte: einen Priester im Kloster Einsiedeln – sozusagen einen Informations-Spezialist einer traditionell auf Vermittlung von Botschaften spezialisierten Institution (womit wir hier auch noch gleich den Link zu Geschichte hingemurkst hätten). Logisch, dass sich der Novize (sic!) Martin Werlen [5] innert kürzester Zeit im neuen Medium zurecht findet und selbst vom eigentlichen New Media-Spezialisten (Tom Brühwiler [6]) lobende Worte erhält. Wer ist hier der Nerd, wer der Normalo? Und: Ist ein Bericht über Twitter in einer Mainstream-Sendung wie das Nachrichten-Journal „10 vor 10“ ein Anzeichen für die bereits erfolgte „Normalisierung“ – oder umgekehrt ein Vorgang, der die „Normalisierung“ erst so richtig anschiebt?

Die Twitter Community (oder zumindest ein Fraktal davon) reagiert [7] jedenfalls ziemlich gespalten auf den Beitrag.

  1. man lese hier [8], hier [9] oder hier [10] [ [11]]