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Internet-Archäologie: Es war einmal… Gopher

C-net bereitet uns einen unverhofften Einblick in die Früh-Geschichte des Internets, in die Prä-Web-Ära, als die Links zwar schon erfunden, das Internet aber noch eine „text only“-Veranstaltung war. Die angesagte Technologie damals war ein Protokoll namens Gopher [1] – wenn man es unwissenschaftlich ausdrücken will, eine Art Twitter von 1991: zunächst hoch gehypt, dann aber dem „new next thing“, dem Protokoll „http [2]“ (besser bekannt als World Wide Web) auf die Länge doch unterlegen.

Das nette Filmchen von C-net erklärt zwar nicht, warum es mit Gopher nicht weiterging,1 [3] es zeigt auch nicht wirklich, was es Anfang der 1990er Jahre bedeutete, dank der Suchmaschine Veronica auf unglaubliche Datenmengen zugreifen zu können. Dafür zeigt es, wie man sich heute noch das Gopher-Feeling in den vertrauten Browser zaubern kann: Firefox-Addon namens Overbite [4] runterladen,2 [5] auf gopher://gopher.floodgap.com/1/world [6] klicken, und sich dort in der Welt des Gopher tummeln – und ein bisschen die Luft von 1991 schnuppern: Mauerfall, Zerfall der UdSSR, Globalisierung, das unsägliche, unzerstörbare „Wind of Change [7]„.

Dort gibt es (Überraschung!) sogar eine Anwendung, mit der man Twitter-Feeds in Gopher anzeigen lassen kann: Twitpher [8] (!). Tja, damit wäre die 18 Jahre jüngere Hype-Anwendung nicht nur technisch erfolgreich mit dem Urahn verkoppelt, sondern hier auch gleich zweimal erwähnt, wie es sich für einen Mainstream-Weblog-Post des Jahres 2009 gehört [9].

  1. Da hilft hingegen weblog.histnet.ch weiter, denn in einem Eintrag [10] von letztem Jahr hat Peter Haber auf einen Artikel [11] bei Spiegel Online verwiesen, wo die Geschichte der Internet-Suche in kurzen Umrissen dargestellt wird. [ [12]]
  2. Es funktioniert zwar auch ohne, Firefox weiss mit dem Gopher-Protokoll umzugehen, mit dem Addon sieht das Ganze aber originaler aus. [ [13]]