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HOK Reden: Rahmen-Theorien

Anlässlich einer Einladung ans Georg-Eckert-Institut [1] Anfang dieser Woche kam mir der Begriff der „Rahmung“ unter. Gerdien Jonker plant den Aufbau einer Website, die wissenschaftliche Forschungsergebnisse zum Alltag in islamischen Ländern für die Verwendung in der Schule aufbereiten soll. Hier stellte sich die Frage, wie als heikle empfundene Inhalte sinnvoll auf der Website präsentiert werden können und sollen. Sind gewisse Inhalte und Verweise (etwa zu „radikalen“ Islamisten – aber eben: wer definiert hier „radikal“?) möglich, sinnvoll, erlaubt? Und (weniger inhaltlich aufgeladen), wie können und sollen Links zu verschiedenen medialen Formaten (Fernsehausschnitte, Tondateien, Bilder) behandelt, eingebettet, eben: „gerahmt“ werden?

Mich faszinierte der Begriff des „Rahmen“. Ein Wesenszug der neuen Informationstechnologien wie das Internet scheint mir ja, dass Rahmen gesprengt werden: gerade im schulischen Bereich. Früher gab es wohl die Möglichkeit (aber vielleicht ist das auch nur eine Rückprojektion?), den Rahmen des Unterrichts im klar umrissenen Setting des Schulzimmers zu kontrollieren. Aber auf einer Website? Zwei Klicks bzw. eine Google-Suche, und die Besucher/innen sind unter Umständen genau da gelandet, wo man sie nicht hinführen wollte.

Wenn die Lehrpersonen keinen Einfluss darauf mehr hat, wie die Inhalte zu den Schüler/innen kommen (wobei das gerade im Bereich der Geschichte ohnehin schon immer eine Illusion war), sollte sie vielleicht versuchen, darauf Einfluss zu nehmen, wie die Schüler/innen zu den Inhalten kommen. Mit anderen Worten: Kompetenzen fördern.

Worauf ist bei der Planung, Erstellung und Betrieb eines solchen Website-Projekt zu achten? Meine wesentlichen Erkenntnisse versuchte ich mit fünf Punkten zusammenzufassen:

Noch einmal zum Rahmen: Mich beschäftigte das offensichtliche Dilemma zwischen dem offen angelegten Medium Internet (mit dem Leitsatz „jeder kann machen was er will – und muss selber wissen, was er erträgt oder lieber vermeiden will“) und dem verantwortungsorientierten System „Schule“ (mit dem Leitsatz „wir müssen gerade stehen für die Dinge, die in unserer Institution passieren“). Da Lehrpersonen oft zum Schluss kommen, dass ihre Schüler/innen nicht verwantwortungsvoll zu handeln bereit oder fähig sind, bleibt nur der Griff zum Filter: ungewünschte Internet-Inhalte werden aus der Schule ausgeblockt. Sei es Rechtsextremismus, Gewaltverherrlichung, Porno: was dem Strafrecht oder dem Jugendschutz untersteht, mag für die Jugendlichen ausserhalb der Schule leicht erreichbar sein – in der Schule darf es das aber nicht, denn Ärger (im Minimum) wäre das vorprogrammiert.

So gesehen wundert mich auch die Neigung zu „geschützten“ Lernmanagement-Umgebungen nicht, wie sie Beat Döbeli beschreibt [2] (vgl. auch Stuff and Stir [3]): hier lässt sich ein passwort-geschütztes, kontrolliertes virtuelles Ersatz-Klassenzimmer erstellen. Das löst zwar die Probleme der „unkontrollierbaren Inhalte“ auf dem Netz nicht – schafft aber eine gewisse psychologische Sicherheit.

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